Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ellenrieder; Ellenwaren; Eller; Ellerbeck; Ellerbek; Ellerianische Sekte; Ellernbrüche; Ellĕry; Ellesmere

34

Ellenrieder - Ellesmere

count Southam und Grafen von E. erhoben. Nach dem Sturze Peels 1846 gehörte er zur toryistischen Opposition, wurde unter Derby (Febr. 1858) wieder Präsident des Indischen Amtes, mußte aber wegen eines Tadelsvotums des Unterhauses nach wenigen Wochen ausscheiden. 1863 trat er für die aufständischen Polen, 1864 mit besonderer Leidenschaft für Dänemark ein und protestierte 1869 aufs äußerste gegen die Entstaatlichung der irischen Kirche. Er starb 22. Dez. 1871 in London. Mit ihm erloschen seine Titel bis auf die Baronie E., die sein Neffe Charles Edmund Law, geb. 17. Nov. 1820, früher Oberst in der Armee, erbte. - Vgl. Colchester, History of the Indian administration of Lord E., in his correspondence with the Duke of Wellington (Lond. 1874); ders., Edward Law, Lord E. A political diary (2 Bde., ebd. 1881).

Ellenrieder, Marie, Malerin, geb. 20. März 1791 in Konstanz, Zeit- und Richtungsgenossin der Angelika Kauffmann, deren zarte, sentimentale Weise auch die ihre ist; doch wandte sie sich in ihren Gegenständen mehr der religiös-romantischen Richtung der Nazarener zu. Die Mehrzahl ihrer Bilder besitzt Karlsruhe, wo sich in der kath. Kirche ihre Steinigung des heil. Stephanus (1827) und in der Kunsthalle: Christus die Kinder segnend, Der heil. Joseph mit dem Jesuskinde, drei Madonnen, weibliche Heilige, betende Mädchen und ihr Selbstbildnis finden. Sie starb 5. Juni 1863 in Konstanz.

Ellenwaren, s. Elle.

Eller, Baum, s. Erle.

Eller, Elias, s. Ellerianische Sekte.

Ellerbeck, Viscount Cardwell von, s. Cardwell.

Ellerbek, Dorf im Kreis Plön des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, am Kieler Busen, gegenüber von Kiel (s. d.), hat (1890) 3365 E., Post zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, ein Hafenbassin für die Ostseeflotte, große Werften (Howaldtswerke mit gegen 1000 Arbeitern, Bau von Schiffen und Schiffsmaschinen), Docks und Marinearsenal; bedeutende Fischerei (Kieler Sprotten), Fischräuchereien, Fischhandel und -Versand.

Ellerianische Sekte, Ellerische Rotte, schwärmerische Sekte, gestiftet von Elias Eller, geb. 4. Juli 1690 in Elberfeld, Werkführer in der Florettbandfabrik der Witwe Bolckhaus, die er 1712 heiratete. Die Frau gehörte schwärmerischen Separatisten an, die in ihrem Hause Zusammenkünfte hatten. Diese besuchte auch ein 20jähriges Nähmädchen, Anna vom Büchel, die vorgab, Offenbarungen zu empfangen. Sie weissagte die nahe bevorstehende Aufrichtung des Reiches Gottes oder des neuen Zion (daher heißen die Anhänger Zioniten), dessen Gründer Eller als Zionsvater, sie als Zionsmutter werden solle. 1733 heiratete Eller die Prophetin und jetzt weissagte sie eine zweite Erscheinung Christi im Fleisch; er sollte von der Zionsmutter als dem mit der Sonne bekleideten Weibe (Offenb. 12,1 fg.) auf übernatürliche Weise geboren werden. Der 4. Juli 1734 geborene Sohn wurde also als Messias begrüßt und auch sein früher Tod 21. Nov. 1735 brachte nur wenige zur Besinnung. Die Gemeinde führte ein üppiges und ausschweifendes Leben, vor allem bei den Liebesmahlen. Als die Behörden dem Treiben ihre Aufmerksamkeit zuwandten, kaufte Eller das Gut Ronsdorf (daher der Name Ronsdorfer Sekte), gründete hier einen neuen rasch aufblühenden Fabrikort, der 1741 eine unabhängige Pfarrei, 1745 eine unabhängige Stadt wurde, deren erster Pfarrer Schleiermacher, der Großvater des berühmten Theologen war. Die Zionsmutter starb 1743 plötzlich während eines wüsten Liebesmahles, Eller 16. Mai 1750. Hierauf trat sein Stiefsohn Bolckhaus als Zionsvater, seine Tochter Sarah als Zionsmutter auf; 1754 trat Ronsdorf aus dem Synodalverbande der reform. Kirche aus. Damit begann der innere Zerfall der Sekte. Am 31. Mai 1768 trat sie mit der Wahl eines neuen Predigers Herminghaus wieder in den Verband der reform. Kirche ein und verschwand somit. - Vgl. Knevel, Entdecktes Geheimnis der Bosheit der Ellerianischen Sekte (2 Bde., Marb. 1751); Goebel, Geschichte des christl. Lebens in der rhein.-westfäl. Kirche, Bd. 2 (Kobl. 1852).

Ellernbrüche, s. Bruch.

Ellĕry, Robert Lewis John, engl. Astronom, geb. 14. Juli 1827 in Cranleigh in Surrey, studierte Medizin, beschäftigte sich aber dabei auch mit Astronomie und Meteorologie. 1851 gab er die mediz. Praxis auf und ging nach Australien, wo er 1853 in Williamstown bei Melbourne für die Regierung von Victoria eine kleine Sternwarte errichtete. 1862 wurde diese nach Melbourne verlegt und zu ihrem jetzigen großen Umfang erweitert. E. steht seit ihrer Begründung derselben als Direktor und Astronom der Regierung vor. Außerdem leitete er von 1857 bis 1870 die geodätische Vermessung von Victoria. Zahlreiche Abhandlungen E.s erschienen in den Verhandlungen der Royal Society of Victoria und der Royal Astronomical Society of London. Unter seiner Direktion erschienen 8 Bände astron. und 28 Bände meteorolog. Beobachtungen der Melbourner Sternwarte und zwei sehr wertvolle Sternkataloge.

Ellesmere (spr. éllsmihr), Stadt in der engl. Grafschaft Salop, am Ellesmerekanal, der, 97 km lang, Severn mit Mersey verbindet, hat (1891) 1830 E.

Ellesmere (spr. éllsmihr), Francis Egerton, Graf von, engl. Kunstliebhaber, der zweite Sohn des Herzogs von Sutherland. Geb. 1. Jan. 1800, ward Francis Leveson-Gower, wie er damals hieß, trefflich erzogen und früh für Bletchingley ins Parlament gewählt. Von einer Reise nach dem Festlande brachte er Verständnis für deutsche Sprache und Litteratur und begeisterte Verehrung für Goethe zurück, dessen "Faust" er (1823) in Versen übertrug. 1824 erschienen andere "Translations from the German, and original poems". In der Politik war er gemäßigt konservativ und ward unter dem Ministerium Wellington 1828 - 30 Obersekretär für Irland. Der Tod seines Vaters (1833) setzte ihn in Besitz des Bridgewaterschen Majorats, worauf er den Namen Egerton annahm. Dem 1841 gebildeten Ministerium Peel schloß er sich mit Eifer an und ward 29. Juni 1846 als Viscount Brackley und Graf von E. (zwei Titel, welche die Familie der Bridgewater schon früher besaß) in den Peersstand erhoben. 1847 begann er den von Barry, dem Architekten des Westminsterpalastes, geleiteten Bau seines prächtigen Bridgewater-House in St. James-Park (1850 vollendet). Hier brachte er eine kostbare Sammlung von ital., span., niederländ., deutschen, franz. und engl. Kunstwerken unter, die er dem Publikum an bestimmten Tagen der Woche öffnete. Durch eine Jachtreise nach dem Mittelländischen Meere war er veranlaßt worden, mit den "Mediterranean sketches" (Lond. 1843) hervorzutreten; eine Frucht seiner kunstgeschichtlichen Studien war "Guide to Northern archæoloy" (ebd.