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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Engagement - Engel (biblisch)
schluß von Tarasp, das erst 1815 schweizerisch
wurde, von seiner Herrschast vollständig los. Die
Reformation, die schon 1526 Eingang gefnnden,
wnrde zwischen 1537 und 1576 im ganzen Thal,
Tarasp und Samnaun ausgenommen, eingeführt.
Vgl. Papon, Engadin (St. Gallen 1857): Le-
dert, Das E. (Bresl. 1861); Lndwig, Das Ober-
engadin in seinem Einfluß auf Gesundheit und
Leben (Stuttg. 1877); Viermann, St. Moritz uud
das Oberengadin (2. Aufl., Lpz. 1881); Caviczel,
Das Oberengadin (5. Aufl., Chur 1886).
Engagement (frz., spr. anggasch'mäng), Ver-
bindlichkeit, Verpflichtung, z. B. Zahlungsverpflich-
tung; Anwerbung, Anstellung, Dienst, Amt; Ge-
fecht. In der Fechtkunst ist E. die Lage der eigenen
an der feindlichen Klinge. Das E. ist ein inneres,
wenn bei Auslage rechts die eigene Klinge sich auf
der linken Seite, ein äußeres, wenn sie sich auf
der rechten Seite der feindlichen Klinge befindet.
Man wechselt das E. durch Deg agieren oder
durch Coupieren.
Gngagementsbrief oder Echlußbrief, ein
schriftlicher Vertrag über zu bestimmter Zeit oder
innerhalb einer festgesetzten Zeit zu lieferude oder
abzunehmende Vörfenwerte, bei Prämiengeschäften
(s. d.) Prämienbrief, bei Stellgefchäften (f. Stel-
lage) Stellbrief genannt. Im deutfchcn Börsen-
verkehr ist er infolge des Schluhnotenzwangs, den
das Neichsstempelgesetz vom 29. Mai bis 3. Juni
1885, §. 10, einführte, in Wegfall gekommen.
Engagieren (frz., fpr. anggasch-), anwerben;
einen zu etwas aufforderu; ein Gefecht en-
gagieren, sich in ein Gefecht einlassen: sich en-
gagieren, sich einlassen, sich verpflichten.
Gngäno, Insel, s. Venkulen.
Gngastrimanten (grch.), s. Bauchredner.
Engbrüstigkeit, diejenige Art des erschwerten
Atmcns, bei welcher organische Fehler der Lungen
selbst oder der dieselben umgebenden Teile dieses
Organ dauernd behindern, sich beim Einatmen ge-
hörig zu entfalten (aufzublähen). Die übel, welcbe
engbrüstig machen, sind vorzüglich fehlerhafter Bau
des Brustkastens, Verkrümmungen der Wirbelsäule,
der Nippen, des Brustbeius, außergewöhnliche Ver-
größerung des Herzens, Pulsadergeschwülste oder
andere abnorme Vergrößeruugen der in der Brust-
höhle liegenden Teile, krankhafte Veränderungen,
namentlich Verdickung und Verwachsungen des
Brust- oder Rippenfells, Entartung der Lungen
selbst, endlich Ansammlungen von Wasser, Blut
und Eiter in der Brusthöhle. Die meisten dieser
Abnormitäten widerstehen der ärztlichen Knust; doch
sind viele Ursachen der E. von der Art, daß sie dein
Leben augenblicklich keine Gefahr bringen. Jedoch
muß jeder Engbrüstige die notwendige Vorsicht an-
wenden, um die durch das häusige und augestreugtc
Eiu- und Ausatmen schon leidenden Respirations-
organe nicht noch auf andere Art zu reizen, daher
aUes vernve^en, was den Blutandrang nach den
Lungen vermehrt, z. V. starke Anstrengungen, be-
sonders durch Laufeu, Klettern, Arbeiten mit den
Armen, ferner Erkältungen, den Genuß erhitzender
Getränke, überfüllung des Magens u. dgl. Er
muß ferner sorgsamer als der Gesunde auf frische,
reine Luft halten, damit der ohnehin mangelhafte
Atmungsprozeß nicht noch durch schlechte Beschaffen'
heit der geatmeten Luft bcciuträchtigt werde, also
ein geräumiges und sonniges Wohn- und Schlaf-
zimmer suchen und keine Beschäftigung treiben, die
ihn zwingt, unreine Luft zu atmen. Daher ist be-
fonders bei engbrüstigen Knaben die Wahl des
Lebcnsberufs von der höchsten Bedeutung und sollte
weuiger der Neigung des Knaben als dem Rate des
Arztes überlassen sein.
über die E. bei Pferden f. Dampf.
Engedi (bei Luther E n g e d d i, d. i. Vocksquelle),
im Alten Testament Name einer Quelle und einer
Stadt in der Wüste Iuda am Toten Meer. In die
Felsen von E. floh David vor Saul; Iosephus
nennt E. unter den röm. Toparchien Iudäas und
im 4. Jahrh, galt E. uoch als ein bedeutendes Dorf.
Der Name ist der Quelle geblieben, nämlich Ain-
Dfchiddi am Westufer des Toten Meers, nördlich
vom Wadi el-Aredfche auf einer 120 in über dem
Spiegel des Toten Meers gelegenen Terrasse am
Fuße eines steilen Abhangs. Ihr süßes Wasser
(27°) nährt viele seltene Pflanzen, besonders die
^8ci6pia8 1)10061'". oder den Sodomsapfelstrauch
(arabisch 'oLcin-), Vögel und Insekten aus der
tropischen Zone des Toten Meers. Ein steiler Zick-
zackpfad dient noch heute wie schon im Altertum
(2 Chron. 20,2, ,6) als Verkehrsweg zwischen Jeru-
salem und el-Kcrat (Moab-Edom). Einige Gebäude-
reste neben der Quelle zeugen uoch von dem ehe-
maligen Orte, dessen Weinberge und Palmen (daher
der ältere Name Hazezon-Thamar; Thamar bedeutet
Palme) einst berühmt waren.
Engel (vom griech. ä.uF6i08; hebr. mulekcli,
"Bote"), in der Bibel die überirdischen Boten Gottes
an die Menschen. Im Alten Testament sind nament-
lich die Träger der göttlichen Offenbarung, wie
Abraham, Jakob, Moses u. a., von E. geleitet. Im
Neuen Testament erscheinen sie überall im Dienste
Christi und seines Reichs: Jesu Geburt, Auferstehung
und Himmelfahrt, die Gründung der christl. Kirche
und Christi erwartete Wiedcrkunst werden von
Engelserscheinungen (Angcl 0 phanien) begleitet"
Doch auch Völker und Personen haben Schutzengel,
die als lichte, reine Geister und als Vorbilder der
von jeder sinnlickcn Trübung befreiten künftigen
Vollendung vorgestellt werden (Matth. 18,10; 22,30;
Luk. 15,7,10; 20, n;). Die Ausbildung des Engel-
glaubens gehört dem spätern vorchristl. Judentum
au. Während der ältere Zebraismus in dem "E.
Iahwes " nur eine vorübergehende Personifikation
des göttlichen Offenbarungswillens erblickte, bildete
fich in der nacherilischen Zeit wahrscheinlich unter
pers. Einflüssen die Vorstellung von einem förmlichen
Hofstaat Gottes mit verschiedenen Rangordnuugen
dienender Geister aus, an deren Spitze die sieben
Erzengel (Michael, Gabriel, Rafael u. s. w.) standen.
Auch die Cherubim, Seraphim und die Geister der
Himmelskörper wurden den "himmlischen Heerscha-
ren" zugezählt. Die alte christl. Theologie hat diese
Engellehrc (A ngel 0 l 0 gic) zunächst unverändert
übernommen; nur über die Zeit der Erschaffung der
E. und über die Frage, ob sie rein geistige Wesen
oder mit einem Lichtkörper bekleidet seien, finden sich
in der alten Kirche gelegentliche Verhandlungen.
Mit dem Bilder- und Heiligcndicnste kam allmählich
auch die Anrufung der E. (Engelverehrung, Ang e-
l 0 latric) in Aufnahme und wurde auf dem zweien
Konzil zu Nicäa (787) kirchlich sanktioniert.
Die mittelalterliche Scholastik, deren Bestimmun-
gen sich die altprot. Dogmatit mit einigen Einschrän-
luugen anschloß, entwickelte aus den biblischen An-
^ deutungen eines Eugelfalls einen vollständigen Pro-
! log im Himmel zu der Urgeschichte und dem Falle