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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Esquirol; Esquiros; Esra; Esromsee;

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Esquirol - Eß

Esquirol (spr. -ki-), Jean Etienne Dominique, franz. Irrenarzt, Schüler und Nachfolger Pinels, geb. 4. Jan. 1772 zu Toulouse, diente 1794 in dem Militärlazarett zu Narbonne und ward 1811 Arzt an der Salpêtrière. Seit 1817 hielt er klinische Vorlesungen über die Geisteskrankheiten und ihre Behandlung und 1818 veranlaßte er die Ernennung einer Kommission, deren Mitglied er wurde, zur Untersuchung und Abstellung der Mißbräuche in den Irrenanstalten. 1823 ward er Generalinspecteur der Universität und 1825 Chefarzt an der königl. Maison des aliénés in Charenton und leitete gleichzeitig seine in der Nähe befindliche und vorzüglich organisierte Privatirrenanstalt. Durch die Julirevolution, der er sich nicht fügte, seiner öffentlichen Ämter verlustig geworden, wirkte er von nun an nur noch als praktischer Arzt und in seiner Anstalt, sowie litterarisch, bis er 12. Dez. 1840 starb. E. war gleichgroß als Lehrer und Schriftsteller wie als praktischer Irrenarzt und besaß einen seltenen Scharfsinn und Takt in der Diagnose und prognostischen Beurteilung der vor ihm zum Teil noch unbekannten Geisteskrankheiten. Seine Abhandlungen über verschiedene Gegenstände der Psychiatrie erschienen gesammelt u. d. T. "Des maladies mentales, considérées sous les rapports médical, hygienique et médico-légal" (2 Bde., Par. 1838; deutsch von Bernhard, Berl. 1838). Überdies sind von Bedeutung: "Handbuch zur Erkenntnis und Kur der Seelenstörungen" (frei bearbeitet von Hille, Lpz. 1827) und "Aliénation mentale. Des illusions chez les aliénes" (Par. 1832).

Esquiros (spr. -kiröß), Alphonse, franz. Schriftsteller und radikaler Politiker, geb. 24. Mai 1812 zu Paris, trat zuerst mit einem Bändchen Gedichte, dann mit einem histor. Roman: "Charotte Corday" (Par. 1840 u. 1850), hervor. Seine bekanntesten Werke sind: "L'Évangelie du peuple" (1840), in dem Christus als Revolutionär dargestellt ist und das ihm acht Monate Gefängnis zuzog; "Les vierges folles", "Les vierges martyres" und "Les vierges sages" (1841-42), drei kleinere socialistische Schriften; "Historie des Montagnards" (2 Bde., 1847) und "Historie de martyrs de la liberté" (1851), zwei Werke, die E.' Namen sehr populär machten. Zum Repräsentanten der Depart. Saône und Loire in der Gesetzgebenden Versammlung von 1849 ernannt, hatte E. seinen Sitz auf dem neuen "Berge", wurde nach dem Staatsstreich (2. Dez. 1851) verbannt und veröffentlichte von England aus in der "Revue des Deux Mondes" Abhandlungen, die in Buchform erschienen u. d. T.: "L'Angleterre et la vie anglaise" (5 Bde., Par. 1859-70), "La Néerlande et la vie hollandaise" (2 Bde., ebd. 1859), "La morale universelle", "Les moralistes anglais", u. s. w. Vom Depart. Bouches-du-Rhône wurde E. 1869 zum Deputierten gewählt, schloß sich der demokratischen Opposition an und wurde nach der Revolution vom 4. Sept. 1870 zum Oberadministrator des Departements, das er im Gesetzgebenden Körper vertreten hatte, ernannt. Wegen seiner willkürlichen Verwaltung wurde er jedoch Ende Oktober dieser Stellung entsetzt. Am 8. Febr. 1871 in die Nationalversammlung gewählt, saß er wieder auf der äußersten Linken; seit Jan. 1876 war er Mitglied des Senats, starb aber schon 10. Mai 1876 zu Versailles. Die "Nouvelle Revue" veröffentlichte 1883 u. d. T. "Marseille et la Ligue du Midi en 1870-71" einige Fragmente einer von E. geschriebenen Geschichte seiner Verwaltung im Depart. Bouches-du-Rhône.

Esra, jüd. Priester und Schriftgelehrter des 5. Jahrh. v. Chr., stammte aus der Familie Zadoks. Er begab sich 458 v. Chr. im Auftrage des pers. Königs Artaxerxes Langhand mit weitgehenden Vollmachten an der Spitze einer zurückwandernden Exulantenschar nach Jerusalem, um die Jerusalemer Gemeinde auf Grund eines in seinem Besitze befindlichen Gesetzbuches (s. Pentateuch) zu reformieren. Seine erste Maßregel nach der Ankunft in Jerusalem richtete sich gegen die zahlreichen in allen Ständen und Geschlechtern vorhandenen Mischehen. Er setzte einen Gemeindebeschluß durch, der dieselben zu lösen befahl. Eine Kommission wurde eingesetzt, um die einzelnen vorzuladen und ihre Verhältnisse zu ordnen. Damit bricht das Buch E. ab. Das Buch Nehemia ergiebt, daß dieser Beschluß die Veranlassung großer innerer Wirren und eines Angriffes der in der Nähe wohnenden israel. Bevölkerung auf die Gemeinde geworden ist. Dieselbe erlag deren Angriffe, die Mauern Jerusalems wurden teilweise geschleift, die Thore verbrannt (s. Samaritaner). Erst nachdem Nehemia (s. d.) 444 v. Chr. die Wiederherstellung gelungen war, vermochte E. mit seinen Plänen wieder hervorzutreten. Es erfolgte am Neumondsfeste des Monats Tischri 444 v. Chr. die Verlesung des Gesetzbuches in einer Volksversammlung, die am 2. Tischri bei E. im Kreise der Familienhäupter fortgesetzt wurde. Dabei stieß man auf die Bestimmungen des Gesetzbuches über Laubhütten und feierte nun zum erstenmal nach den Vorschriften desselben Laubhütten (15. bis 23. Tischri). Am 24. hielt man einen großen Bußtag und darauf verpflichtete sich die Gemeinde durch Eid und Unterschrift der einzelnen Familien, das Gesetzbuch E.s zu befolgen. - Nach E. benennt sich im Alten Testament ein Buch, das einst die Fortsetzung der Bücher der Chronik bildete, in seiner jetzigen Gestalt auf den Verfasser der Chronik zurückgeht, aber in Kap. 7, 27 bis 9, 15 einen aus E.s Feder stammenden Abschnitt enthält. Da das Buch Nehemia mehrfach als 2. Buch E. gezählt wird, so nennt man ein in der griech. Bibel erhaltenes apokryphisches Buch E., welches durch Erweiterung einer alten Übersetzung des kanonischen Buches entstanden ist, gewöhnlich 3. Buch E. Das 4. Buch E. ist eine Apokalypse (s. Apokalyptik), entstanden etwa zur Zeit der Zerstörung Jerusalems durch Titus. Es berichtet von einer außerordentlichen schriftstellerischen Thätigkeit E.s und von einer Reihe der wunderbarsten Visionen und wurde in den ersten christl. Jahrhunderten viel gelesen.

Esromsee, Binnensee im nordöstl. Teile der dän. Insel Seeland, südwestlich von Helsingör, ist 18 qkm groß. In der Nähe der Ostküste die Sommerresidenz Fredensborg (s. d.).

, als Benediktiner Leander, eigentlich Johann Heinrich van, kath. Theolog, geb. 15. Febr. 1772 zu Warburg bei Paderborn, trat 1790 in die Benediktinerabtei Marienmünster, widmete sich nach der Säkularisierung derselben seit 1802 dem Studium der orient. Sprachen, wurde 1812 Pfarrer und außerord. Professor in Marburg, lebte seit 1822 als Privatgelehrter zu Darmstadt und Alzey und starb 13. Okt. 1847 zu Affolderbach im Odenwald. E. ist besonders durch seine Bibelübersetzungen bekannt, denen er nicht die Vulgata, sondern den Urtext zu Grunde legte. Der infolgedessen 1821 vom