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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Falces - Falconer (Hugh)
oe Resende. Sein Hauptwerk, die Egloga "(üin-iL-
sal", machte ihn zum Mitbegründer einer neuen Ge-
schmacksrichtung und somit zum Vermittler zwischen
der alten hispanisierenden Schule des 15. und der
neuen italianisierenden Renaissancedichterschule des
16. Jahrh. Jenes Idyll behandelt die unglück-
liche Liebe des armen Edelmanns zu der reichen
Maria Vrandäo, aus der Familie des königl. Schatz-
meisters, die von ihrer Familie im Cistercienserkloster
Lorväo versteckt gehalten wurde, während der Dichter
fünf Jahre lang im Privatgefängnisse schmachten
mußte. Die Weichheit und sehnsuchtsvolle Melan-
cholie des portug. Nationalcharakters zeigt sich in
keinem andern Gedicht so unvermittelt und an-
sprechend wie bier. Darum ward es denn auch un-
aemein beliebt und berühmt. Zuerst in datenlosen
Ausgaben in Flugblattform gedruckt, wurden die
"^lovk8 äs OistHi" später der "Nenina 6 mo^a"
des Bernardim Ribeiro beigegcben (Köln 1559) und
erschienen in Einzelausgaben 1619,1639 und 1721.
Neue Ausgabe mit Biographie von Th. Braga
(Porto 1871).
I'a.ioos (lat.), Sicheln, dann sichelförmige Werk-
zeuge überhaupt; ^. muräl68, Stangen mit starken,
sichelförmig gebogenen, eisernen Enden, bei Be-
lagerungen zum Einreihen der Mauern u. s. w. die-
nend; ^. N3.väi68, scharfe, sichelförmige, an langen
Stangen befestigte Messer, womit man das Segel -
und Tauwerk der feindlichen Schiffe zerfchnitt.
Falcidische Quart (tzuariH ^Iciciia), das-
jenige Viertel einer Erbschaft oder eines Erbteils,
welches nach der sog. I^ex I^Ieiclia, einem röm.,
etwa 40 v. Chr. ergangenen Gesetze, dem Erben,
auf sein Verlangen, unbeschwert von Vermächt-
nissen verbleiben mußte. Das 86uatii8 eousultuin
?683.3iHiiuiii dehnte das Gesetz aus auf Fide'i'-
kommisse. (S. Vermächtnis.) Später wurde das
Gesetz noch auf Schenkungen auf den Todesfall
und andern Empfang von Todes wegen ausgedehnt.
Iustinian gestattete dem Erblasser, den Abzua ganz
zu verbieten. In dieser Gestalt kommt der Abzug
noch im heutigen Gemeinen Rechte vor, auch im
Bayrischen Landr. III, 6, §§. 14,15. Dagegen ist
derselbe bereits aufgegeben in der Nürnberger
Reformation, dem Hamburger und Lübischen Rechte,
im Sächs. Bürgert. Gesetzb. §. 2243, im Preuß.
Allg. Landr. I, 12, §.333, im Österr. Bürgert.
Gesetzb. §. 690, im <üoä6 civil Art. 1009, im Deut-
schen Entwurf und in andern Rechten. Das Preuß.
Alla. Landr. 1,12, §z. 354 fg. und das Österr. Bür-
gerl. Gesetzb. §. 690 haben noch einen gewissen Er-
satz: dem Erben soll eine billige Vergütung oder
angemessene Belohnung für seine Bemühungen ge-
währt werden. So viel bekannt, gelangen die letzt-
erwähnten Vorschriften überaus selten zur Anwen-
dung. Nicht im Zusammenhange steht mit der F. Q.
diejenige Kürzung, welche die Vermä'chtnisnehmer
sich nach dem Grundsatze: Niemand kann mehr be-
lastet werden, als der ihm zugegangene Vorteil
reicht (neino potent mg^FiL ousrai-i hukin 68t Iiouo
ratus), gefallen lassen müssen. Dieser lHatz ist fast
überall geltendes Recht, steht aber zumeist im Zu-
sammenhange mit der Schuldenhaftung.
Falciü (Faltschi). 1) Kreis im Königreich
Rumänien (Moldau), hat 2120 hkm und (1890)
111755 E. Hauptstadt ist Husi. - 2) Ort im Kreis
F., am Pruth, hat etwa 2500 E.
Fallt, Niels Nikolaus, Jurist, geb. 25. Nov.
1784 zu Emmerlev in Schleswig, studierte zu Kiel
Theologie und Philologie, widmete sich dann der
Rechtswissenschaft, trat in Kopenhagen in die
schlesw.-holstein. Kanzlei ein und wurde 1814 zum
ord. Professor der Rechte in Kiel ernannt. Er starb
5. Mai 1850. Ein vertrauter Freund Dahlmanns,
beteiligte er sich lebhaft am polit. Leben, war Mit-
glied und Präsident der schlesw.-holstein. Stände-
versammlung, vertrat in gemäßigter Weise die
Selbständigkeit Schleswig-Holsteins und war lange
Jahre hindurch in seinem Heimatlande der bekann-
teste und populärste Mann. Unter seinen Schriften
sind hervorzuheben: "Das Herzogtum Schleswig in
seinem jetzigen Verhältnis zu Dänemark nebst An-
hang über das Verhältnis der Sprachen im Herzog-
tum Schleswig" (Kiel 1816), "Jurist. Encyklopädie"
(ebd. 1821; 5. Ausg., von Ihering, Lpz. 1851),
"Sammlungen zur nähern Kunde des Vaterlandes"
(3 Bde., Altona1819-25), "Handbuch des schlesw.-
holstein. Privatrechts" (Bd. 1-5, Abteil. 1, ebd.
1825-48). Mit andern gab er heraus: "Staats- und
Erbrecht des Herzogtums Schleswig" (Hamb. 1846)
und die Zeitschriften "Staatsbürgerliches Magazin"
und "Neues Staatsbürgerliches Magazin" (zusam-
men 20 Bde., Schlesw. 1821-31 u. 1833-41). -
Vgl. F. Brockhaus, Nikolaus F. (Kiel 1884).
Falckenstein,ErnstFriedr.Eduard Vogel von,
preuß. General, s. Vogel von Falckenstein.
raloo (lat.), der Falke (s. Falken).
Falcon, Staat im NW. der südamerik. Republik
Venezuela, im O. der Laguna und des Golfs von
Maracaibo, hat (1891) 139110 E. Der Boden ist
trocken und vegetationsarm, nur mit Kakteen und
Euphorbeen bestanden. Man treibt Plantagenbau
und Viehzucht. Hauptstadt ist Capatarida (s. d.),
wichtiger ist Coro (s. d.). - F., früher mit Zulia
vereinigt, ist seit 1881 Staat.
F'ttieftn., bei naturwissenschaftlichen Namen
Abkürzung für Hugh Falconer (s. d.).
Falconbridge (spr. fahk'nbridsch), Thomas,
Bastard von, ein illegitimer Neffe des im Rosenkriege
berühmten Warwick, wurde 1471 von Eduard IV.
gefangen genommen und enthauptet. Shakespeare
läßt im "König Johann" einen Philipp von F. als
unehelichen Sohn von Richard Löwenherz auftreten.
Falcöne, Aniello (Angelo), ital. Schlachten-
maler, geb. 1600 in Neapel, gest. daselbst 1665,
bildete sich anfänglich unter Ribera, gründete jedoch
bald selbst eine eigene Schule, die stark besucht wurde.
Als der Aufstand unter Masaniello (s.d.) 1647 aus-
brach, bildete er mit seinen zahlreichen Schülern und
Anhängern unter dem Namen des Todesbundes eine
den Spaniern verderbliche Bande und flüchtete nach
Unterdrückung des Aufstandes für einige Zeit nach
Frankreich. Seine Bilder, die sehr selten sind (zwei
besitzt das Pradomuseum zu Madrid), stellen meist
Kampfscenen dar und sind mit solcher Meisterschaft
ausgeführt, daß er davon den Namen eines Orakels
der Schlachten (Oracolo äsiis datt^Iis) erhielt.
Man hat von ihm auch einige gestochene Blätter.
Falconer (spr. fahk'ner), Hugh, engl. Paläonto-
log, geb. 29. Febr. 1808 in Horres in Schottland,
studierte zu Aberdeen und Edinburgh Medizin und
trat dann als Wundarzt in die Dienste der Ost-
indischen Compagnie, die ihm 1832 die Aufsicbt
über den botan. Garten in Saharanpur am Fuße
des Himalaja übertrug. Von hier aus unternahm
er geolog. Untersuchungen der dem Hauptzuge des
Himalaja vorliegenden Kette der Siwalikberge und
entdeckte dort die ersten Reste einer bis dahin un-