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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fall (Längenmaß) - Fällaxt
3 ^ ^ l^, d. h. nach der 2-, 3-, 4fachen Fallzeit wird
der 4-, 9-, Ittfache Fallraum zurückgelegt, oder die
Fallräume sind den Quadraten der Fallzeiten
rroportional. Dieses letztere Gesetz, das eine not-
wendige Folgerung der Annahme der gleichmäßigen
,'^unalnue der Geschwindigkeit ist, fand Galilei durch
ren Versuch bestätigt. Zum Zwecke der Prüfung
wäre ein frei fallender Körper wegen der zu raschen
Bewegung nicht geeignet gewesen. Galilei ließ daher
eine Kugel in einer schwach gegen den
Horizont geneigten Rinne abwärts rollen
und konnte annehmen, daß dieselbe wegen
des geringern gleichmäßigen Antriebes
auf der Schiefen Ebene (s. d.) abwärts
langsamer, aber nach demselben Gesetz
sich bewegen würde, wie im freien F.
Die Fallzeiten wurden, in Ermangelung
von Uhren, durch aus einem Gefäß in
dünnem Strahl ausfließendes und nach-
her gewogenes Wasser gemessen. In der
That entsprach der doppelten Wasser-
menge die vierfache durchlaufene Rin-
nenlänge u. s. w. Heutzutage weist man
das Fallgesetz namentlich durch die Fall-
maschine (s. d.) nach.
Nach der von Galileis Zeitgenossen
vertretenen Aristotelischen Ansicht suchen
die schweren Körper bei der Fallbcwegung
ihren Ort auf. Der Ort der schweren
Körper ist hiernach unten, jener der leich-
ten oben. Das Wesen der Schwere be-
steht aber nach Galilei nicht in der An-
weisung eines bestimmten Ortes, son-
dern in der unausgesetzten gleichmäßigen
Vermehrung der Geschwindigkeit vertikal
abwärts. Der Geschwindigkeitszuwachs
in jeder Sekunde wird Fallbeschleuni-
gung genannt und beträgt nach ge-
nauern, namentlich mit Hilfe des Pen-
dels (s. d.) ausgeführten Versuchen
9,"l in. Derselbe ist, wie Newton durch
Pendel aus verschiedenem Material nach-
gewiesen hat, an demselben Orte der
Erde für alle Körper gleich groß. Auch ein
Körper von gröherm Gewicht fällt nicht,
wie die Aristotcliker meinten, rascher, son-
dern wie Galilei durch Versuche nachwies,
in derselben Weise wie ein leichterer Kör-
per. Der Luftwiderstand kann allerdings
den F. einer Feder mehr verzögern als
jenen eines Vleistückes: in einer luftleer gepumpten,
mit einem Hahn verschlossenen Röhre lFig. 2) legen
aber beide Körper denselben Fallraum in der glei-
chen Zeit zurück.
Besteht das Wesen der Schwere in der unaus-
gesetzten gleichmäßigen Geschwindigkeitsvermehrung
^ vertikal abwärts, so
müssen wir erwarten,
daß die Geschwindigkeit
v eines vertikal auf-
>/ / ^^ wärts geworfenen Kör-
^--------------"13 pers ganz gleichmäßig
Fig. 3. bis 0 abnimmt, wobei
der Körper, indem alle
Geschwindigkeiten in umgekehrter Ordnung auf-
treten wie beim F., ebenso hoch und ebenso lange
steigt, als er fallen müßte, um die Geschwindig-
keit v zu erlangen.
Fig. 2.
V
Beim F. auf der schiefen Ebene OL (Fig. 3)
verhält sich die in der Richtung W wirkende
^chwerkraftkomponente (s. Kraft) zur gesamten
Schwerkraft wie (^: 0L. Ist 3 die Beschleuni-
gung des freien F., so stellt 3^ jene auf der schie-
fen Ebene vor. Die längs 0^ und W gleichzeitig
durchfallenen Räume werden sich demnach wie
0L zu (^ verhalten. Während ein Körper (^ durch-
fällt, wird gleichzeitig auf W die Strecke OD zurück-
gelegt, wobei ^v senkrecht zu W ist. Hieraus
folgt weiter, daß der vertikale Durchmesser eines
vertikalen Kreises in derselben Zeit durchfallen wird,
wie irgend eine vom Durchmesserendpunkt aus ge-
zogene Sehne.
Für den F. auf der schiefen Ebene kann man aus
dem Obigen leicht ableiten, daß die Endgeschwindig-
keit der (^ und W durchfallenden Körper in ^
und L gleich sind, sodah die im F. erlangte End-
geschwindigkeit nur von der vertikalen Fallhöhe ab-
hängt. - Vgl. Mach, Die Mechanik in ihrer Ent-
wicklung (2. Aufl., Lpz. 1889).
Fall lspr. fahl) oder Rood, ein bis Ende 1825
gesetzlich gewesenes großes Längenmaß in Schott-
land von 6 schott. Ellen oder 18 schott. Fuß ^
6 l/5 engl. Dards ^ 5,669 in.
Fall, in der Seemannssprache diejenigen Taue,
welche dazu dienen, die Segel in die Höhe zu ziehen,
wenn diese gesetzt werden sollen. Sie werden nach
den Segeln benannt, zu denen sie gehören, z. B.
Ulüverfall, Vormarsfall, Bramfall u. s. w.
FVett., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkür-
zung für Karl Fall 6 n, geb. 1704, gest. 1830 als
Professor der Mineralogie in Lund, bekannt als
Entomolog. Nach ihm heißt eine Fliegengattung
I^HeuiH.
I"2.11a.oia. (lat.), Täuschung, Trug-, ^. oMcn,
Auaentäuschung; fallaciös, täuschend, trügerisch.
Fällaxt oder Waldaxt, auch Maishacke und
Tchrotaxt genannt, zum Fällen der Bäume, zum
Abhauen größerer Aste und Spalten der Holzstücke
benutzte Axt. Fast in jedem Lande, mitunter sogar
in gewissen Distrikten, sind die Formen und Aomes-
sungen der F. verschieden. In nachstehender Fig. 1
F'6- l-
ist eine steirische F. abgebildet. Ihre Länge beträgt
780 mm, die Breite der Schneide ist 80 mm, die ganze
Länge des eigentlichen Axtkörpers beträgt 225 mm,
der Rücken ist 55 mm lang und 40 mm breit, das
Gesamtgewicht beträgt 2,5 K3: der Zuschärfungs-
winkel ist 12". In Fig. 2 ist eine amerikanische F.
Fig. 2.
dargestellt. Die Schneide ist zweiseitig zugeschärft,
sehr schlank und verläuft in starker Krümmung. Der
Stiel ist aus zähem Hickoryholz gebildet und zeichnet
sich durch eine eigentümliche Krümmung aus. Die
Breite der schneide ist 115 mm, die Länge des Axt-
körpers 195 mm, ihr Gewicht beträgt 2,4 K3. Der
Schwerpunkt des ganzen Werkzeuges liegt so nahe