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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Faminzin; Faminzin (Alexander Sergejewitsch); Famn; Fämö; Famos; Famulus; Fämund; Fan; Fan (Volk); Fanal; Fanam

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Faminzin – Fanam

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Famine'

Straße auf der Brunswickhalbinsel Patagoniens. Hier gründete 1584 ein span. Kapitän die Kolonie San Felipe. Von den 300 Kolonisten starben 298 den Hungertod; einer der Überlebenden wurde 1587 von Cavendish aufgenommen, der den Platz Port F. («Hungerhafen») benannte. Von 1843 bis 1853 bestand hier eine chilen. Strafkolonie.

Faminzin (Faminzyn), André Sergejewitsch, russ. Botaniker, geb. 29. (17.) Juni 1835 in Sokolniki bei Moskau, besuchte die Universität zu Petersburg und hielt an derselben seit 1861 Vorlesungen über Botanik; 1867 wurde er außerord., 1872 ord. Professor der Botanik. F. hat zahlreiche Schriften veröffentlicht, von denen die meisten im «Bulletin» und in den «Mémoires» der Petersburger Akademie erschienen sind; die wichtigsten sind: «Zur Entwicklungsgeschichte der Gonidien und Zoosporenbildung der Flechten» (in Verbindung mit Boranetzky, Petersb. 1867), «Beitrag zur Keimblattlehre im Pflanzenreiche» (ebd. 1876), «Embryologische Studien» (ebd. 1879), «Studien über Krystalle und Krystallite» (ebd. 1884), «Beitrag zur Symbiose von Algen und Tieren» (ebd. 1889), «Übersicht über die Leistungen auf dem Gebiete der Botanik in Rußland während des J. 1890/91» (deutsch Petersb. 1892/93).

Faminzin (Faminzyn), Alexander Sergejewitsch, Bruder des vorigen, russ. Musiker, geb. 5. Nov. (24. Okt.) 1841 zu Kaluga, studierte auf der Petersburger Universität Naturwissenschaften und Musik, letztere allein seit 1862 in Leipzig, seit 1864 in Löwenberg. 1865–72 war er Professor der Musikgeschichte am Konservatorium zu Petersburg. Seitdem wirkt er als Sekretär der Kaiserlich russ. Musikgesellschaft, als Musikkritiker, Übersetzer und Schriftsteller. Er veröffentlichte unter anderm: «Russ. Kinderliederbuch», «Bajan» (eine Sammlung von Volksweisen verschiedener Völker), «Die Götter der alten Slawen» (Tl. 1, 1884), «Die Volksnarren in Rußland» (1889), «Die alte indochines. Tonleiter in Asien und Europa» (1889), eine Studie über «Gussli, russ. Nationalinstrument» (1890). Von Kompositionen sind zu nennen die Opern «Sardanapal» (1875) und «Uriel Acosta» (1883), eine russ. Rhapsodie für Violine und Orchester, zwei Streichquartette.

Famn (schwed.), Faden (s. d.).

Fämö, dän. Insel in der Smaalandsee, nördlich von Laaland, zu Maribo gehörig, mit 11 qkm und 740 E.

Famōs (lat.), der Ableitung von fama (Gerücht) nach eigentlich das, wovon viel gesprochen wird, im Guten und im Bösen, daher berühmt, trefflich und berüchtigt, verrufen; famōsa actĭo, ehrenrührige Klage; famosum judicĭum, entehrendes Urteil; famosum carmen, Schmähgedicht.

Famŭlus (lat., d. i. Diener), früher und zum Teil noch jetzt auf deutschen Universitäten Personen, meist Studierende, die für die einzelnen Professoren verschiedene Geschäfte besorgen, die sich auf das Äußerliche der verschiedenen Vorlesungen beziehen (s. Amanuensis); dann auch jüngere Mediziner, die ältere Ärzte in deren Praxis unterstützen (bei ihnen famulieren), jetzt meist Assistenten genannt. – Im frühen Mittelalter waren die Famuli eine bevorzugte Klasse der Unfreien, welche dem König oder einer reichen Grundherrschaft persönliche Dienste im Hause leisteten, auch als bewaffnetes Gesinde für Jagd und Fehde verwendet wurden. Sie wurden auch vassi, ministeriales, pueri genannt. Später hießen Famuli die Knappen im Gegensatz zu den Rittern. ↔

Fämund, Hochgebirgssee im mittlern Norwegen, größtenteils im Amt Hedemarken, nahe bei Röraas (s. d.), in 668 m Höhe, ist (von N. nach S.) 58 km lang und bedeckt 202 qkm. Seine Ufer sind spärlich bewohnt und nur im Sommer von Sennenwirtschaft belebt. Ihm entströmt die Trysilelv nach Schweden, wo sie den Namen Klarelf (s. d.) führt.

Fan, Längenmaß und Gewicht, s. Fen.

Fân (M'Fân), auch Pahuins, Ostieba, Oscheba, Volk des westl. Aquatorialafrikas, in Französisch-Kongo, wohnt vom Ogowe nördlich bis nach Batanga und nordöstlich den Ivindo aufwärts. Man hält die F. bei ihrer auffallenden Verschiedenheit von den umwohnenden Bantunegern für eingewandert und für verwandt mit den Niam-Niam; sie haben wie diese eine hellere Hautfarbe, weniger gekräuseltes Haar, etwas Vornehmes in Haltung und Gebärde, ähnlichen Schmuck und ähnliche Waffen. Nur ihre Sprache nähert sich mehr der der Bantu. Erst zu Anfang des 19. Jahrh. sind sie auf der Hochfläche des Innern erschienen und dann allmählich in dichter Menge, über 200000 stark, zur Küste, sogar bis in das Delta des Ogowe, vorgerückt. Nach Fourneau (Bulletin de la Société géographique, Par. 1891) zerfallen sie in drei Hauptstämme, in die F. Betchis im W., die F. Mackais im O. und die F. Bule im N. Die F. Betchis besitzen keine Art von Religion, sie sind Menschenfresser, stets zu Raub und Mord geneigt. Die Männer gehen meist völlig nackt, die Weiber begnügen sich mit einigen Maniokblättern. Unzertrennlich von dem Erwachsenen erscheint das Steinschloßgewehr. Man lebt von der Beute der Jagd, betreibt aber auch Handel mit Elfenbein und Kautschuk. Nur die einfachsten Gerätschaften werden selbst verfertigt. Sklaverei ist unbekannt. Als der wildeste Stamm gilt der der F. Bule. Jener Teil der F., der vom Ivindo aus in das Thal des Ogowe vorgedrungen und sich dort niedergelassen hat, erwarb überraschend schnell einige Kenntnisse einer höhern Kultur im Ackerbau, in der Gärtnerei und im Handwerk, namentlich der Schmiedekunst.

Fanāl (ital. fanāle), Lärmstange, eine Stange, die senkrecht aufgestellt wird und an ihrem obern Ende eine mit brennbaren Stoffen angefüllte Tonne trägt oder durch Umwickeln mit Werg und Eintauchen in flüssiges Pech und Teer brennbar gemacht ist. Durch Anzünden des F. entsteht eine starke Dampfwolke und eine intensive Flamme, sodaß dasselbe bei Tage wie bei Nacht zum Signalgeben benutzt werden kann. Man stellt die F. auf hochgelegene Punkte und bedient sich ihrer namentlich im Cernierungskriege, um weit ausgedehnte Vorpostenstellungen und die in Standquartieren zerstreut liegenden Truppen rasch alarmieren zu können.

Fanam, Fanum, Fanon, Name verschiedener ostind. Münzen und Geldrechnungsstufen. Im brit. Ostindien ist das F. oder Paunchea eine Goldmünze zu 1/3 Mohur oder 5 Silberrupien, die insbesondere in der Präsidentschaft Bombay F. heißt, nach der heutigen Prägung ein Stück von 60 engl. Troygrän oder 3,8879 g Gewicht, 11/12 oder 916 2/3 Tausendteilen Feinheit, 55 Troygrän oder 3,5639 g Feingewicht = 9,9434 deutschen Mark. In den franz. Besitzungen auf der Küste Koromandel, dem Gouvernement Pondichéry, ist das Fanon oder F. eine Geldrechnungsstufe von 1/8 Pondichéry-Rupie oder 1/28 Sternpagode und wird seit 1887 = 23 1/8 franz. Centimes = knapp 18 ¾ deutschen Pfennig ge-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 561.