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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fechtart
greifen hervorragender Feldherren. Die F. ent-
wickelte sich, sobald die Gefechte nicht mehr aus
lose zusammenhängenden Einzelkämpfen bestanden'
mit der steigenden Kultur wurde sie Gegenstand des
Studiums, findet heute ihren Ausdruck in den Exer-
zierreglements (s.d.) und taktischen Lehrbüchern und
ist ein Teil der Taktik (s.d.).
Bei den beiden Hauptkulturvölkern des Alter-
t u ms, den Griechen und Römern, bestand die Haupt-
waffe aus dem mit der Nahwaffe ausgerüsteten Fuß-
volk. Der Kampf war demnach hauptsächlich Nah-
gefecht und wurde in geschlossener, tiefer Ordnung
durchgeführt. So bildete sich bei den Griechen die
Phalanx (s. d.) aus, in der die einzelnen Unterab-
teilungen des Fußvolks dicht neben- und bis zu
16 Gliedern dicht hintereinander standen. Die in den
hintern Gliedern aufgestellten Leichtbewaffneten er-
öffneten ausgeschwärmt den Kampf, dann fetzten sich
die Schwerbewaffneten, die Hopliten (s. d.), in Be-
wegung; nach dem Zusammenstoß mit dem Gegner
löste sich das Gefecht in Einzelkämpfe auf. Späterhin
strebte man nach größerer Beweglichkeit und besserer
Unterstützung durch Reiterei. Epaminondas schuf die
s ch i e f e S ch 1 a ch t o r d n u n g, bei welckcr der Flügel,
der den eigentlichen Stoß ausführen follte, also der
Angriffsflügel, aus den besten Truppen zusammen-
gesetzt und tiefer aufgestellt war. Der andere Flügel
dagegen, aus Reiterei und leichtem, in wenigen Glie-
dern formiertem Fußvolk bestehend, hatte sich nur
beobachtend zu verhalten und diente gewissermaßen
als Reserve. Die thebanische Taktik wurde von den
Macedoniern weiter ausgebildet und hierbei nament-
lich der Reiterei, die sich bereits in schwere und leichte
schied, eine ausgiebigere Rolle zugeteilt. Auch Kriegs-
maschinen wurden in größerm Maßstabe verwendet.
Taktische Einheit bildete bei den Römern dieLegion
(s. d.), die, anfangs der Phalanx ähnlich zusammen-
gesetzt, später in Unterabteilungen zerlegt wurde, die
mit Zwischenräumen neben- und in mehrern, meist
drei Tressen hintereinander aufgestellt wurden (s.
Manipularstellung).
Im Mittel alter überwog mit wenig Ausnah-
men die Reiterei, die sich, in Geschwadern gegenein-
ander anrennend, zum Einzelkampf auflöste. Das
Fußvolk trat zurück und vermochte nur da der schwer-
bewaffneten Reiterei gegenüber zur Geltung zu kom-
men, wo es von nationalem Geiste getragen wurde,
wie bei den Engländern und Schweizern. Mit der
wachsenden Macht der Fürsten und Städte zerfiel
das Lehnswefen, und damit trat die Reiterei allmäh-
lich gegen das Fußvolk zurück. Um die Wende des
15. und 16. Jahrh, beginnt überhaupt ein neuer
Abschnitt des Kriegswesens im allgemeinen, der sich
kennzeichnet nicht nur durch die Anerkennung des
Fußvolks als einer der Reiterei ebenbürtigen Nasse,
sondern auch durch die Entwicklung einer gewisser-
maßen internationalen europ. Infanterie. Das
Fußvolk des Altertums war vorherrschend national;
Taktik, Gliederung und Bewaffnung waren bei den
einzelnenNationen verschieden gewesen. Das Mittel-
alter schuf dann zwar ein europ. Heerwesen im all-
gemeinen und im Rittertum eine Reiterei von inter-
nationalem Gepräge, aber noch keine europ. In-
fanterie. Um die angegebene Zeit kam das Fuß-
volk, besonders durch die Leistungen der Briten,
Schweizer und Böhmen (Hussiten), zu hohem An-
sehen. Ganz besonders traten seit den Burgunder-
kriegen die Schweizer hervor, deren Ordonnanz
lriegeriscke Einrichtung, taktische Gliederung) von
allen Heeren nachgeahmt wurde, wodurch in Wahr-
heit ein europ. Fußvolt entstand. Soweit es deut-
schen Ursprungs war, trug es anfangs die Namen
Reisser, Reisläufer (s. Reislaufen), dann den
zu Weltruhm gelangten Namen Landsknechte
(f. Landsknecht). Die taktifche Einheit dieses haupt-
sächlich mit dem Spieß bewaffneten Fußvolks war
derHaufen (s. d.), der nach derGeviertordnung,
d. h. annähernd quadratifch gebildet wurde.
Das Landsknechtwesen einerseits, die zunehmende
Einführung der Handfeuerwaffen andererfeits sind
das Bezeichnende für die Infanterie des Refor-
mationszeitalters. Neben dem mit Rüstung
und blanker Waffe ausgestatteten fchweren Fußvoll
tPikeniere) erscheint mehr und mehr das mit der Feuer-
waffe ausgerüstete leichte Fußvolk Musketiere, Arke-
busiere). Aus der von den Schweizern und Lands-
knechten angewendeten Gevicrtordnung entwickelt
sich zunächst unter Karl V. die unter dem Namen
spanisch-ungarische Ordonnanz bekannt ge-
wordene Kampfform der Infanterie: große in
Quadrat formierte Pikenierbataillone, welche ent-
weder mit mehrern äußern, ans Musketieren gebil-
deten Gliedern umgeben oder denen besondere in
geringerer Tiefe formierte Musketierabteilungen,
Schützenflügel genannt, angehängt wurden; in diefer
Form steht die kaiserl. Infanterie Tillys und Wallen-
steins im Dreißigjährigen Kriege.
Ebenso unbehilflich war die Äufstellungsform der
Reiterei. Die fchwere Reiterei stellte sich acht, die
leichte fünf Glieder tief. Diese Reitermassen wurden
aber keineswegs zu einem kräftigen Stoß, sondern
zum Feuergefecht gebraucht. Erst wenn durch letz-
teres in den feindlichen Reihen eine Lücke entstanden
war, griffen die Reiter zur blanken Waffe.
Was die allgemeine Schlachtordnung (oi-äi-^ äe
dlNaiiiti) der nach span.-ungar. Ordonnanz ge-
gliederten Heere betrifft, so war im 16. Jahrh, im
allgemeinen die Bezeichnung Vorhut und rechter
Flügel, Vataille und Centrum, Nachhut und linker
Flügel gleichbedeutend; jeder dieser Teile bestand
aus Infanterie und Kavallerie. Die Infanterie
eines jeden dieser drei Teile bildete einen Schlacht-
haufen (Bataillon), aus welcher Dreiteilung sich in
Spanien allmählich der Name Terzio (Drittel) als
Bezeichnung für eine Formationseinheit der In-
fanterie, etwa dem Regiment entsprechend, heraus-
bildete. Gegen Ende des 16. Jahrh, entwickelte sich
in den niederländ. Kriegen aus der angegebenen
Kampfform die sog.spanische Brigadestellung,
eine Zusammenstellung von 4 Bataillonen der span.-
ungar. Ordonnanz, von denen 1 Bataillon die Avant-
garde, 2 Bataillone die Bataille und 1 Bataillon
die Arrieregarde bildeten.
Als neue Waffengattung tritt jetzt die Artillerie
auf, die infolge ihrer großen Schwerfälligkeit in-
dessen in der Feldschlacht zunächst noch von keiner
entscheidenden Bedeutung ist.
Ein besonderes Verdienst, die F. den veränderten
Verhältnissen angepaßt zu haben, gebührt Moritz
von Oranien und Gustav Adolf von Schweden.
Ersterer gab der Infanterieaufstellung eine gerin-
gere Tiefe und verkleinerte die unbehilflichen großen
Schlachthaufen, wodurch die Infanterietaktik (in
dieser Form niederländische Ordnung ge-
nannt) beweglicher wurde; der Gruudgedanke diel er
Ordnung war: die Musketiere, deren Feuerwirkung
als das entscheidende Moment anerkannt wurde,
in möglichst flacber Ausstellung zu entwickeln und