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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feldjäger - Feldmann
Sorge zu tragen haben. In Preußen und Hessen
bedars ihre Ernennung verstaatlichen Genehmigung.
An Stelle derF.können die Gemeinden auch Ehren-
feldhüter erwählen; F. wie Ehrenfeldhütcr sind
zur Führung von Dienstabzeichen verpflichtet.
Feldjäger, früher die zum Kriegsdienst heran-
gezogenen und in Compagnien eingeteilten gelern-
ten Jäger, später in Preußen feit Friedrich d. Gr.
als Kuriere zwischen den einzelnen Armeen und
schließlich auch als diplomat. Kuriere im Frieden
benutzt. Sie bilden jetzt das r c i t e n d e F e l d j ä g e r -
korps, das sich aus jungen Leuten ergänzt, die
im höhern Forstfach angestellt zu werden wünschen
und bereits die Charge eines Sekondelieutenants
der Reserve bekleiden. - Die österr. Armee hat
32 Feldjägerbataillone, die zusammen nüt
dem nnr aus Tirolern ergänzten Kaiserjägerbataillon
eine Art Elite-Infanterie darstellen.
Feldkaplan, s. Feldprediger.
Feldkirch. 1) Bezirkshauptmannschaft in Vor-
arlberg, hat 455,"6 cikm und (1890) 49145 E.
(24258 männl., 24 887 weibl.), darunter 275 Evan-
gelische, 48 741 Katholiken, 126 Israeliten; 8079
bewohnte Gebäude und 10136 Haushaltungen in
33 Gemeinden nüt 53 Ortschaften und umfaßt die
Gerichtsbezirke Dornbirn und F. - 2) Stadt und
Sitz der Vezirkshauptmannschaft F., an der III,
in 457 m Höhe, in malerischer Lage, in der Mitte
zweier Felsenengen, deren Pässe eine natürliche
Festung bilden, und an den Linien Innsbruck-F.
(157 km), F.-Buchs (18 km) und F.-Vregenz
(36 km) der Österr. Staatsbahnen, ist Sitz eines
Generalvikars, des Bischofs von Brixen, eines
Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdircktion, eines
Hauptsteuer- und Hauptzollamtes und einer Han-
delskammer und hat (1890) 3811 meist kath. E.
(415 Italiener), Post, Telegraph, Bezirksgericht
(246,3i hkm, 26 Gemeinden, 39 Ortschaften, 25269
E.); got.Pfarrkirche (1487) mit schönem Predigtstuhl
(15. Jahrh.) und Altarbild (angeblich von Holbein),
Kapuzinertirche mit fchönem Altarbild der Floren-
tiner Schule, Rathaus mit schönem Saal, neues Kur-
haus, großes Spital und Pfründhaus, botan.Garten
mit alpiner Anlage; ein k. k. Neal- und Obergym-
nasium, große Erziehungsanstalt der Jesuiten (8t6i1a.
M3.wtinü), Volksschule, Privatmädchen- und Fach-
zeichenschule sowie Baumwollspinnereien, Mühlen
Sägewerke u. s. w. über der Stadt auf einer Anhöhe
am Fuße des Steinwaldes die Ruine der im 9. Jahrh,
erbauten Schattenburg, einst Sitz der Grasen von
Montfort. Graf Rudolf VII. von Montfort verkaufte
die Herrfchaft F. 1375 an Osterreich. Etwa 1,5 km
westlich von F., am linken Ufer der III, liegt der
Margaretentapf (557 m) mit Parkanlagen nnd
schönerAussickt über das ganze Rhcinthal vom Falk-
nis bis zum Bodensee. Der Margaretenkapf wurde
1799 von 5000Österreichern unter GeneralIellachich
und den Vorarlberger Landesschützen gegen 18000
Franzosen unter Massena siegreich verteidigt.
Feldkirchen, Markt in der österr. Vezirkshaupt-
mannschaft Klagenfurt in Kärnten, an dem in den
Osfiacherfee fließenden Tiebelbache, in 549 m Höhe,
an der Linie St. Michael-Villach der Österr. Staats-
bahnen, hat (1890) 1929, als Gemeinde 4351 E.,
Post, Telegraph, Bezirksgericht si93,^o ykm, 12 Ge-
meinden, 286 Ortfckaftcn, 20 857 deutsche E., dar-
unter 2215 Evangelische); Flachsbau. In der Um-
gebung zahlreiche Stahlhämmer, Sensen-, Pfannen-,
Nägel- und Drahtfabriken, Pulvermühlen, Sägen
und Färbereien fowie das große Blech-, Pu'Ming-
und Walzwerk der Alpinen Montangesellschaft zu
Buch scheiden mit 130 Arbeitern und Torjbetricb.
7 km nordlich der Alpenkurort Bad Sankt Leon-
hard (1109 m) mit einer Quelle von 8" 0.
Feldkost, s. Verpflegung der Truppen.
Feldkreuz, f. Betfäule.
Feldkröte, f. Kröten.
Feldküchen, bei längerm Verbleiben an einem
Ort von den Truppen, Feldlazaretten u. a. errichtete
Küchen, die für die Mannschaften beim Mangel
der Quartierverpftegung die Speifen zubereiten.
Feldkulte, f. Ackerkulte. "um.
Feldkümmel, Pflanzenart, f. 1u^mu8 und ^3.-
Feldlafetten, die Lafetten der Feldgeschütze.
Feldlazarett, eine schnell bewegliche Feld-
sanitätsformation (s. d.) der deutfchen Armee,
dazu bestimmt, den Verwundeten sofort nach der
Schlacht sichere Pflege zu gewähren. Das F. wird
in den ersten Mobilmachungstagen formiert, folgt
feiner Truppe dicht auf dem Marsch und wird bei
einem Gefecht so nahe an das Schlachtfeld (außer
Schußweite) herangezogen, daß es in geeigneten
festen Räumen oder unter Benutzung von Kranken-
zclten, Baracken u. s. w. etabliert werden kann.
Es übernimmt die Schwerverwnndeten vom Haupt-
verbandplatz (s. d. und Sanitätsdetachement) und
sendet dieselben rückwärts in die stehenden Kriegs-
lazarette (s. d.) und Etappenlazarette (s. d.). Die
Ausrüstung der F. mit Lagerungsgegenständen,
Verbandmitteln, chirurg. Instrumenten, Medika-
menten ist für 200 Verwundete vorgesehen. Jedes
Armeekorps macht 12 F. mobil. Das F. verfügt
unter dem Befehl des ältesten Sanitätsoffiziers
(meist ein Oberstabsarzt als Chefarzt) über 5 Arzte,
1 Feldapotheker, 21 Lazarettgehilfen und militär.
Krankenwärter. - Andere Staaten haben ähnliche
Einrichtungen. (S. Ambulanz, Feldfpital.)
Feldlazarettdirektor, ein Obermilitärarzt bei
jedem mobilen deutschen Armeekorps, welcher der
Etappeninspcktion (f. Etappenlinien) oder dem
Etappenarzt unterstellt ist und durch persönliche
Einwirkung für das ungestörte Ineinandergreifen
der innerhalb des Etappendienstes sich begegnenden
und in ihrer Wirksamkeit anfeinander angewiefenen
Feldsanität5formationen (s. d.) verantwortlich zu
forgen hat. Zu seinen Obliegenheiten gehört die
Einrichtung von stehenden Kriegs- und Etappen-
lazaretten, die Regelung der Krankenverteilung im
Bereich der Etappeninspektion, die Sorge für recht-
zeitige Ablöfung der Feldlazarette, die Überwachung
des Dienstes bei den Zeichtkrankenfammelstellen und
die Revision der Lazarettreservedepots (s. d.).
Feldlerche, s. Lerche.
Feldlgeschütz, eine vierläufige Gewehrmitrail-
lcuse, vom Augsburger Ingenieur Fcldl erfunden
und von den Bayern während des Feldzuges 1870/71
mitgeführt, konnte 400 Schuß in einer Minute ab-
geben, war aber nicht einfach genug, um völlig
triegsbrauchbar zu sein.
Feldmagnete, bei einer Dynamomaschine die
znr Erzeugung des magnetischen Feldes (s. Feld,
magnetisches) derselben dienenden Elektromagnete.
Feldmann, Leop., Lustspieldichter, geb. 22. März
1801 zu München, von isracl. Abkunft, war kurze
Zeit bei einem Handwerker in der Lehre, ging wie-
der zur Schule und fchrieb schon 1817 ein Schau-
spiel "Der falsche Eid", das in dem sog. Lipperl-
Theater zur Aufführung kam; darauf wurde er