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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feuerzüge - Feuillet
genannte Eigenschaft wieder zu erhalten, mäßig
stark geglüht werden.
Eine wichtige Epoche in der Geschichte der che-
mischen F. bildet das Tauch- oder Tunkzünd-
hölzchen, das bereits 1812 fabriziert, aber erst
um das I. 1820 allgemein bekannt wurde. Man
nennt so Schweselhölzcr, deren geschwefeltes Ende
mit einer Zündmasse aus 1 Teil Schwefel und
3 Teilen chlorsaurem Kalium mit einer Beimengung
von Zinnober oder Indigo als Farbstoff umgeben
war, die, beim Benetzen mit konzentrierter Schwefel-
säure verpuffend, die Entzündung der Schwefel-
schicht und dem Holz mitteilte. Man bediente sich
hierbei kleiner Gläser, die mit Schwefelsäure im-
prägnierten Asbest enthielten. Bis 1843 waren
diese F. die allein üblichen. In England waren sie
unter dem Namen I>roni6t1i63N8 gebräuchlich, und
zwar in Form von Papierröllchen, die eine geringe
Menge chlorsauren Kaliums und Schwefel und
ein mit konzentrierter Schwefelsäure gefülltes, ge-
schlossenes Glasröhrchen enthielten; zerdrückte man
dieses, so fand eben beschriebener Vorgang statt.
Nachdem seit 1820 der Phosphor versuchsweise,
namentlich in Vezug auf seine Selbstentzündlichkeit,
in feinverteiltcm Zustand zur Erzeugung von Feuer
angewendet worden war, kamen unter dem Namen
Congrevcsche Streich- oderZündhölzer 1832
die ersten brauchbaren phosphorhaltigen F. auf. Ur-
sprünglich enthielten sie über dem Schwefel noch einen
aus Kaliumchlorat und Schwefelantimon bestehenden
Überzug, der jetzt statt Schwefelantimon Phosphor
enthält. Auch wird das Kaliumchlorat durch andere
saucrstoffreiche Verbindungen (Salpeter, Braun-
stein, Mennige und Vleisuperoxyd) ersetzt. (S.
Zündhölzchen.)
Die Wirkungen der Elektricität sind schon früh
für die Herstellung von A. verwendet worden, und
zwar in Verbindung nut Wasserstoffentwicklungs-
apparaten, ähnlich der Döbereinerfchen Maschine,
mit Lcuchtgasbrcnnern und Petroleumlampen, un-
ter Benutzung des elektrischen Funkens oder in den
Stromkreis einer galvanischen Batterie eingeschal-
teter glühender Platinspiralen. Bis jetzt haben indes
alle derartigen Apparate wenig praktische Bedeu-
tung erlangt.
Seit längerer Zeit sind Venzinlämpchen von
verschiedener Form in Verbindung mit einer Zünd-
vorrichtung als Taschen- und Tischfeuerzcuge viel-
fach in Gebrauch gekommen. Als Zünder dienen
bei denselben die sog. Zündblättchen (s. d.), die band-
förmig aufgerollt sich in einer an dem Lämpchen
befestigten Blechkapfel befinden und deren je eins
bei einmaliger Umdrehung des seitlichen kleinen
Handgriffs explodiert, wodurch die Lampe entzündet
wird; oder es dient als Zünder ein elektrischer
Strom, dcr in einem der Lampe beigefügten galva-
nischen Element erzeugt oder von einer etwa vor-
handenen Haustelegraphenlcitung abgezweigt wird
und, indem er eine in nächster Nähe des Lampen-
dochts in den Stromkreis eingeschaltete Platindraht-
spirale erglühen macht, das Benzin entzündet.
Feuerzüge, bei Feuerungsanlagen, namentlich
Dampfkesseleinmauerungen, die Wege, welche die
heißen Verbrennungsgase zurücklegen müssen, wäh-
rend sie ihre Wärme an das zu erwärmende Gefäß
(Muffel, Kessel u. dgl.) abgeben.
Feuillants (frz., spr. solang; lat. 1"uIi6N868),
ein Zweig der Cistercienser, benannt nach dcr Abtei
Fcuillans bei Toulouse, begründet von dcm Abt
Jean de la Varriöre (gest. 1600). Sixtus V. be-
stätigte die Genossenschaft 1586; Clemens V11I.
trennte sie 1595 von den Cisterciensern und mil-
derte ihre Regel. Urban V11I. teilte sie 1630 in
zwei Kongregationen, jede mit einem besondern
General, die sranz. <Ü0iiFi-6F3ti0ii Ü6 ^otrs Damo
äs ^6ui1I".u8 und die italienische: I Nifoi-mati äi
83,11 LernHi-äo (verbesserte Bernhardiner). Eine
mit den F. verbundene Frauenkongregation (Feuil -
lantinnen, Fulienserinnen) hat nur geringe
Verbreitung gefunden. - F. nannte man 1755 die
Partei des Kultusministers (miniLtre äs 1k louilw)
Boyer, die auf der Versammlung der Geistlichkeit
bei dem Streite über die Bulle HuiF6iiiw8 die
mildere Richtung vertrat. - Das ehemalige Kloster
der F. zu Paris diente während der Revolution
1790 als Versammlungsort eines polit. Klubs (an-
fangs "Gesellschaft von 1789", später "Klub der
F." genannt), welcher die Herstellung einer Verfas-
sung nach engl. Muster erstrebte; auf Drängen der
Jakobiner wurde ihnen das Lokal 27. Dez. 1791
verboten, worauf der Klub seine Sitzungen noch
einige Zeit im Palais Richelieu fortsetzte, ohne
jedoch großen Einfluß auf den Gang der Revolution
ausüben zu können.
roui11o(frz.,spr.föj), Blatt; keuille-inorts (spr.
mort), hellbraun; 1?. als Flüssigkeitsmaß, s.Feuillette.
Feuillet (spr. föjeh), Octave, franz. Roman-
schriftsteller und Dramatiker, geb. 11. Aug. 1812
zu St. Lö (Manche), erhielt seine Schulbildung
in Paris und trat hier 1845 im "AiUionai" mit
dem Roman "1^6 Fi-a,uä visiiiarä" hervor, dem 1846
"1^6 lrnit dekenäu" in der "Ii6vu6 uonv6ii6", "1^6
coQt6 äc; ?olic1iiii6ii6" und einige dramatisierte Sce-
nen im "viadls 3. ?3,ri8" folgten. Anfänglich schrieb
F. unter dem Pseudonym Desirö Hazard. Von
1848 an veröffentlichte er in der "I^6vu6 äs8 Osux
Nonä68" eine Anzahl von Proverbes und Komö-
dien, Novellen und Romanen, wie: "I^o 90111- 6t
16 conti-6" (1848), "1^3 pai-tis äe cia,m68" (1850),
"1^3, ci6k d'oi-", "I^'ei'initaFe" (1851), "1^3 l66"
(1854) und "Vollöl" (1850), "1^3 petits conit6386"
(1856), "1^6 rom3n cl'un ^6UN6 d0inm6 p3iivr6"
(1858; deutsch u. d.T. "Ein verarmter Edelmann",
Potsd. 1859). Der letzte Roman machte zuerst F.s
Namen berühmt. Später folgten: "I^Iii8t0ir6 äe 87-
dilie" (1862), <M0ii3i6ur ä6 ^3m0i-8" (1867), u<5nlik
äs ^i'Lcwur" (1872), "IIn "13,1-13^6 äau8 16 monäö"
(1875), "1^68 2.IN0UI'8 66 ?1i11ipp6" (1877), "1^6
^0U1-N3,I ä'un6 t'6inm6" (1878), "Hi3wii'6 ä'un6 I>a-
1-181611116" (1881) und "1^3. M0i-t6" (1886). Teil-
weise sind diese Romane für die Bühne bearbeitet
worden, wie "<Iii1i3. ä6 Ir^ewul" als "1^6 8p1iinx"
(1874), daneben verfaßte F. auch eine Anzahl von
Originalstücken, wie das Schauspiel "I)3iii3," (1856),
das wirkungsvolle, gegen die Gesellschaftsmoral
des zweiten Kaiserreichs gerichtete Lustspiel (Mont-
^076" (1863), den Einakter "1^oroV)^6" ^873)
u. a. F. erwarb sich durch die, bisweilen aufdring-
liche, sittliche Tendenz, adlige Gesinnung und Fein-
heit des Tones seiner frühern Romane den Beifall
besonders der gebildeten vornehmen Frauen; später,
unter dem Einfluß von Dumas dem Jüngern, wen-
dete er sich in Roman und Drama auch an gewag-
tere sittliche Probleme, denen seine mehr für feine
Zeichnung und zarte Schattierung des Dargestellten
beanlagte Natur nicht gewachsen ist. Gerade seine
kleinern dramatischen Schöpfungen (gesammelt in
"8c6N68 6t p!-0V6I-l)63" und "3c6N68 6t 60IN6(Ii68",