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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Findikly - Fingerentzündung
Laufs unterhalb Forres in den Moray-Firtb. Seine
Ufer bieten die mannigfaltigsten Naturschönheiten.
Er ist reich an Lachs und Forellen. An der Mündung
das Fischerdorf F. mit 605 E. ftüklü.
Findikly, Vorstadt von Konstantinopel, s. Fün-
Findlay (spr. -le), Hauptstadt des County Han-
cock im nordamerik. Staate Ohio, südlich von To-
ledo, Eisenbahnknotenpunkt, hatte 1880 4633,1890
schon 18553 E. Diesen Ausschwung verdankt F. dem
natürlichen Gas, das hier zuerst von ganz Ohio
1884 erbohrt wurde, täglich etwa 17 Mill. kl liefert
und eine bedeutende Eisenindustrie und Glasbütten
entsteben liesi. Auch wird Petroleum gewonnen.
Findlinge, s. Findelkinder; über die Find-
lings blocke oder F. genannten geolog. Vorkomm-
nisse s. Erratische Blöcke und Diluvium.
Find MacCumaill (d. h. Sohn des Cumall),
lebte der irischen Sage nach im 3. Jahrh. n. Chr. und
war Fürst der Fiann, eines privilegierten Krieger-
korps, das unter dem speciellen Befehle des Ober-
königs von Irland stand; das einzelne Mitglied
derselben hieß Fennid oder Fenier. F. und sein
Vater bilden den Mittelpunkt eines ausgedehnten
Sagenkreises. Dieser drang später nach Schott-
land und lokalisierte sich daselbst; statt F. findet sich
hier auch die Namensform Fingal (gälisch Fionn-
ghal). Namentlich ist Fingal der Titelheld eines der
"1>okin8 ok 0381^11" von Macpherson, wo er als
König der Caledonier an der sck ott. Nordwestküste auf-
tritt. (S. Ossian.) Nach ihm sind Orte, auch Ruinen
und Höhlen benannt worden. (S. Fingalshöble.)
Finbon, Fischerdorf in der scbott. Grafschaft
Kincardine, 9 km südlich von Aberdeen, mit 156 E ,
gab einer Art geräucherter Schellfische, "^inüon
IlI,6äock3" oder "^innan IlHlläockZ", den Namen.
Findschan oder Fi losch an (pers.), kleine Por-
zellantasse zu Thee oder Kaffee.
rwo (ital.), Ende, Schluß, meist die Schluß-
unterschrift eines Musikstückes; häufig in Verbindung
mit Da ckpt) (s. d.): Da capo ".1 uns, noch einmal
bis zum Schluß.
I*iQ03 ker^ss (frz., spr. finsärb, d. h. seine Kräu-
ter), ein Gemisch von seingehackten Champignons,
Trüffeln, Schalotten und Petersilie, wozu man bis-
weilen noch Estragon, Pimpinelle u. s. w. nimmt.
Finesse (frz.), Feinheit, Schlauheit, feine Wen-
dung in der Rede, Kunstgriff.
Finfisch, s. Finnwal. ^ , >./. ^ .
Fingal, s. Find MacCumaill.
Fingalshöhle, eine der schönsten und merk-
würdigsten Grotten Europas, an der Südwestseite
der schott. Insel Staffa (s. d.), benannt nach Fingal
(s. Find MacCumaill). Sehr regelmäßige und per-
spektivisch geordnete Vafaltfäulcn tragen das Ge-
wölbe, dessen Inneres einem riesigen Münster gleicht,
während der Boden vom brausenden Meere bedeckt
wird, das am Eingänge 5,5, am Ende etwa 2,5 m
tief ist. Die Länge der Höhle beträgt 69,2 in; die
Breite ist an dem durch 6-12 in hohe Säulen,
welche einen 20 ui hohen Bogen tragen, gebildeten
Eingänge 13 in, am innern Ende 7 in, die Höhe in
der Mitte 20 in, die der Scitenwände 11 in. Die ein-
dringende Flut verursacht ein donnerartiges Getöse.
(S.Tafel: Höhlen II, Fig. 4.)
Finger (lat. äi^iws), die das vordere Tritteil
der menschlichen Hand (s. d.) bildenden fünf kleinern
Gliedmaßen. Jeder F. besteht aus drei Fing er -
knochen oder Phalangen, mit Ausnahme des
Daumens, welcher deren nur zwei hat. Die F. sind
Brockhaus' Konversations-Lexilon.. 14. Aufl. VI.
mit den Mittelhandknochen durch ein ziemlich freies
Gelenk verbunden; unter sich bilden die Phalangen
aber nur ein sog. Scharniergelenk (das bloß im
Winkel vor- und rückwärts aus- und zugeht). Längs
der Phalangen verlaufen die Sehnen der Beug- und
Streckmuskeln der F. Darüber breitet sich eine ge-
meinsame sehnige Hülle, ein Fettpolster und die
äußere Haut, welche hier, besonders an der Finger-
spitze, die reihenweise auf den feinen Hautleistchcn
stehenden sog. Tastwärzchen trägt, die eigentümlich
gebauten Enden der Gefühlsnerven, die das Gefühl
vermitteln. Die große Beweglichkeit der F. gestattet
einen ausgedehnten Gebrauch dieser Tastorgane.
Ferner sind die verschiedenen Kunstfertigketten, wo-
durch sich der Mensch vom Tier unterscheidet, vor-
zugsweise durch seine Fingerbeweglichkeit bedingt.
Aus diesem Grunde sind aber auch die F. vielen
Beschädigungen, z. B. Stichen und Wunden, Eiter-
bildungen (?anHi'itiuin) und der Einbohrung von
Parasiten (Krätzmilbe, Nagelpilz) sehr ausgesetzt.
(S. Fingerentzündung.)
Die F. werden im deutschen Mittelalter und bis
in die neueste Zeit, namentlich von den Nieder-
sachsen (Schleswig-Holstein), bei rechtlichen Hand-
lungen symbolisch gebraucht. Bei Versprechungen
und bei Auflassung von Grundeigentum wurde der
zweite und dritte F. der rechten Hand gekrümmt,
der Daumen eingekniffen; beim Eide wurden zwei
F., später drei F., jetzt alle F. der gehobenen Hand
ausgestreckt. Daher denn auch "im Heiligen Reich
ein gemeiner gebrauch ist, solchen falschschwörcrn
die zween F., damit sie geschworen haben, abzu-
bauen" (Oli-olina Art. 107).
Finger, Jakob, Hess. Staatsmann, geb. 13. Jan.
1825 in Monsheim als Sohn mennonitischer El-
tern, studierte 1841-46 in Gießen, Heidelberg und
Berlin die Rechte, Geschichte und Philosophie, war
dann an verschiedenen Gerichten thätig und wurde
1855 Rechtsanwalt am Bezirksgericht zu Alzey und
dem rheinhess. Kassationshofe zu Darmstadt. 1872
wurde F. als Ministen alrat in das Ministerium
der Justiz berufen und 1874 zum stellvertretenden
Mitgliede Hessens im Bundesrate ernannt. Bei
der 1878 erfolgenden Neuorganisation der obersten
Staatsbehörde siel ihm ein Hauptanteil an der
Einführung der neuen Reichsjustizgesetze in Hessen
zu. Nach dem Rücktritt Starcks 1884 wurde F.
zum Präsidenten des Ministeriums des Innern
und der Justiz ernannt und mit der Führung der
Gesckäfte des Etaatsministeriums beauftragt, bis
er Ende Juli desselben Jahres definitiv zum
^taatsminister, als welcher er zugleich Minister
des großherzogl. Hauses und des Äußern ist, und
zum Minister des Innern und der Justiz befördert
wurde. F. war auch von 1862 bis 1865 als Ver-
treter der Stadt Worms Mitglied der Zweiten Kam-
mer und gehörte dort zu den gemäßigten Anhängern
der Fortschrittspartei. Krankheitshalber verzichtete
er dann auf fein Mandat, trat aber nach 1866 leb-
baft für den Anfchluß Süddeutschlands an den
Norddeutschen Bund ein.
Fingerbeutler, s. Kuskus.
Fingerentzündung, Fing er wurm, Nm-
lauf, böser Finger (?HN3,ritiuin), eine mit
Eiterung und großer Schmerzhaftigkeit verbundene
Entzündung der Finger, welche Vorzugsweife deren
Nagelglieder betrifft, sich aber auch über den ganzen
Finger bis in den Handteller hinein erstrecken, ja
bei ungünstigem Verlauf den ganzen Arm in Mit-
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