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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flötenvogel - Flottieren
pfeife, deutsche F. genannt, wird von Buchs-
daum- oder Ebenholz und Elfenbein, zuweilen auch
aus Silber, Porzellan oder Glas gearbeitet und be-
steht aus einer aus vier Stücken zusammengesetzten
Röhre (im 17. Jahrh, nur aus einem Stück), sieben
Tonlöchern und aus einer, vier, acht, selbst vierzehn
oder fünfzehn Klappen. Letztere sind erst seit dem
17. Jahrh, allmählich angebracht worden', die F.
Friedrichs d. Gr. z. B. hatten nur zwei. Sie dienen
zur reinern Erzeugung der chromatischen Töne, die
vordem nur durch Halbdeckung der Löcher u. s. w. zu
erlangen waren. Ihr jetziger Umfang geht von dem
eingestrichenen ä bis zu dem viergestrichenen a; auch
benutzt man zum Soloblasen F. von dem Umfange
des kleinen F bis zum fünfgestrichenen e. Außer-
dem wendet man, um einen durchdringenden Ton
im Orchester zu erzielen, noch folgende F. an: a. die
Terzflöte, die eine Terz böher klingt, als sie ge-
schrieben wird, zwar den Umfang, jedoch nicht den
vollen Ton der gewöhnlichen hat; d. das Piccolo
oder die Oktav flöte, die mit dem Umfang der F.
übereinstimmt, aber eine Oktave höher klingt; c. das
^ 8 - P i c c o l o, das einen halben Ton höher steht als
das vorige; d. das I^-Piccolo, das denselben Ton-
umfang wie die beiden vorgenannten hat, aber um
eine Terz höher als das erstere und um einen Ton
höher als das letztere steht; 6. das (^-Flötchen,
die kleinste Flötengattung, steht um eine Septime
höher als die Oktavflöte. Die F. ist das beweglichste
unter allen Blasinstrumenten und war lange Zeit
auch das beliebteste. Um die Verbesserung der F.
haben sich Quanz, Nibock, Trommlitz und in neuester
Zeit vorzüglich Theobald Vöhm (s. d.) Verdienste
erworben. Flötenschulen lieferten Fürstenau, Drouet,
Veyer, Hugot, Wunderlich u. a. - Eine kleine Art
Querflöte ist die Querpfeife (s. d.).
Flötenvogel ((^mnoi-tiin^ (?) a//), krähenartige
Vögel aus Australien von schwarz und weißer Fär-
bung, die sich durch ihre helle flötenartige Stimme
bemerkbar machen. Häusig in den zoolog. Gärten,
wo sie wie die Naben gehalten werden. Ihr Preis
schwankt zwischen 20 und 30 M.
Flötenwerk, eine kleine Orgel (s. d.), die nur
Labialstimmen enthält und die vermöge einer durch
Gewichte bewegten Walze automatisch spielt.
Flotow, Friedr., Freiherr von, Opernkomponist,
geb. 26. April 1812 zu Teutendorf, einer Besitzung
iciner Eltern in Mecklenburg-Schwerin, war ur-
sprünglich zur diplomat. Lausbahn bestimmt, ging
aber mit 16 Jahren zur Musik über und machte
ieitdem Kompositionsstudien bei Reicha in Paris.
Dort schrieb er zuerst einige Opern für Privatthea-
tcr, dann für öffentliche Bühnen ("1^6 naufra^O äe
)a. Neäu86", auch u. d. T< "Die Matrofen"; "I^'ämk
6n p6w6", auch u. d. T. "Der Förster"), die bald
wieder verschwanden. 1855 als Kammerherr und
Hoftheaterintendant nach Schwerin berufen, gab
F. diese Stellung 1863 wieder auf, lebte feit 1868
als Privatmann auf einem Ritterguts bei Wien
und starb 23. Jan. 1883 in Darmstadt. Populari-
tät gewann F. durch die Opern "Alessandro Stra-
della" (1844 in Hamburg) und "Martha, oder der
Markt zu Richmond" (1847 in Wien), die über
Deutschland hinausdrangen. Ein starkes melodi-
sches Element mischt in ihnen Aubersche Koketterie
mit deutscher Sentimentalität. F.s spätere Opern
"Die Grohfürstin","Nübezahl","Indra" und "Albin"
hatten wenig Glück. - Vgl. Friedrich von F.s Leben.
Von seiner Witwe (Lpz. 1892).
Flott heißt in der Ecemannssprachc alles, was
schwimmt; flott machen bedeutet ein auf Grund
geratenes Schiff wieder abschleppen, so daß es in
"freies Wasser" kommt, d. h. flott wird.
Flottbek, Groß- und Klein-Flottbek,
Dörfer im Kreis Pinneberg des yreuß. Reg.-Bez.
Schleswig, 7 km westlich von Altona, durch das
Villenviertel Neu - Othmarschen voneinander ge-
trennt, mit (1890) 1024 und 1012 meist luth. E.,
Gärtnerei und Landwirtschaft. Klein-Flottbek liegt
an der Linie Altona-Blankenese der Preuß. Staats-
bahnen, unweit des rechten Ufers der Elbe und hat
Post, Telegraph, Brauerei, großartige Parkanlagen
sowie eine berühmte von James Booth (s.d.) begrün-
dete Baumschule. Einer der größten Parks Teutsch-
lands, mit Gewächshäusern, ist der des frühern Ham-
burger Senators Ienisch. Klein-Flottbek und das
unmittelbar an der Elbe gelegene Teufels brücke,
mit Hotels und Badeanstalt, werden viel besuckt.
Flotte (frz.), die Gesamtheit der Schiffe eines
Staates. Man unterfcheidet Kriegsflotte und
Handelsflotte (Kauffahrteiflotte). Vor-
nehmlich bezeichnet F. eine zu einem bestimmten
Zweck versammelte größereAnzahl vonKriegsschiffen,
die von einem gemeinschaftlichen Befehlshaber, einem
Admiral, Vice- oder Konteradmiral oder Kommo-
dore geführt werden. In frühern Zeiten knüpfte sich
der Name F. an eine bestimmte Zahl von Schlacht-
schiffen und zwar nicht unter neun. Eine Abteilung
geringerer Zahl nannte man Geschwader (s. d.).
Zur bessern Führung und Beweglichkeit der F. teilte
man dieselben in drei Hauptteile: Vorhut, Centrum
und Nachhut. Ein Admiral befehligte das Ganze
und besonders das Centrum, ein Viceadmiral die
Vorhut und ein Konteradmiral die Nachhut. Da
indessen bei großen F. die Zahl der Schiffe sich, z. B.
in den Holland.-engl. Kriegen im 17. Jahrh., bis-
weilen auf 120 bis 130 belief, so gliederte man die
Hauptabteilungen wieder in Divisionen. (S.Marine
und Flottille.) Neuerdings versteht man unter F.
die Vereinigung mehrerer Geschwader uu^r ge-
meinsamem Oberbefehl. So würde eine neuere
Schlachtflotte sich zusammensetzen aus einem
oder mehrern Panzergeschwadern, einem oder
mehrern Kreuzergeschwadern und einer Torpedo-
bootflottille sowie einer Anzahl von Torpedodoot-
jägern, Lazarettschiffen und Handelsschiffen für
die Kohlen-, Munition- und Proviantzufuhr, über
die deutsche Kriegsflotte s. Deutsches Heerwesen
(Bd. 5, S. 69 fg.) ;^über Handelsflotte s. Handels-
marine. - F. in der Färberei, s. d. (S. 574 k).
Flottenstammdivision, ehemaliger Name der
Matrosendivision (s. d.).
Flottenstation, die Marinebezirke von See-
staaten, deren Küsten an verschiedenen Meeren liegen.
So teilt sich die russ. Marine in die F. der Ostsee,
des Schwarzen und Asowschen Meers, des Kaspischen
Sees und in die sibirische F.; die franz. Marine in
die F. des Atlantic und des Mittclmeers. Auch kann
man unter F. befestigte, dem Kolonialbesitz einer
Seemacht angehörige Häfen verstehen, in dencwdie
Kriegsschiffe durch Werftanlagen und Kohlenstatio-
nen ihre Ausrüstung ergänzen und Reparaturen v or-
Flotthäfen, s. Dock. ^nehmen können.
Flottholz, zur Verfertigung von Schwimmern
(Flotten) m der Netzfischerei (s. d.) geeignetes
leichtes Holz, z. B. von der Schwarzpappel.
Flottieren (frz.), fchwimmen, schweben, hin und
her schwanken; veralteter Ausdruck für das Hin-