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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Föhr - Foix
Rasch erfolgen wärmere und immer wärmere Stöße, ^
das Barometer fällt, das Thermometer steigt. Bei
Menschen und Tieren zeigen sich Unbehagen und!
Erschlaffung, die Pflanzen werden welk. Wird der !
F. seiner orkanartigen Heftigkeit wegen oft gefürch- !
tet, so daß während seiner Dauer kein Schiff den
Urner- und den Walensee zu befahren wagt und in
Glarus und andern dem F. ausgesetzten Orten kein
Feuer brennen darf, so ist er andererseits als "Schnee-
fresser" wohlthätig, der rascher als die Sonne die
Schneemassen des Winters schmelzt und dem Früh-
ling den Weg bahnt, und es zeigen denn auch die
Föhnaebiete, wie das Rhönethal, das Oberhasli,
das obere Reuß- und das Linththal, das bündnerische
und das St. Gallenfche Nheinthal, das Montavon
u. s. w., höhere mittlere Temperatur und südlichere
Vegetation, als ihnen nach ihrer Meereshöhe und
ihrer Breite zukämen. Beim Aufhören des F. ent-
laden sich die ihm folgenden Wolkenmassen in flut-
artigen Regengüssen, und auch auf der Südseite der
Alpen gehen die Föhnniederschläge dem Winde nicht
voran, sondern folgen ihm nach. Beim Eintritt des
F. haben die Thäler am Südabfall der Alpen meist
hohen Barometerstand und ruhige Luft, erst im Ver-
lauf der Erscheinung werden auch die tiefern Luft-
schichten der Südseite in die Bewegung hinein-
gezogen und steigen am Alpenkamme in die Höhe,
wobei Kondensation des Wasserdampfes eintritt.
Der F. entsteht, wie Hann und Billwiller nach-
gewiesen haben, in den Alpen selbst, sobald im nördl.
Atlantischen Ocean, zwischen der Bai von Biscaya
und Nordschottland, ein tiefes Varometerminimum
auftritt. Diese Minima ziehen zunächst die Luft
Westeuropas in den Wirbelsturm hinein, dann auch
die Luft über dem ndrdl. Vorland der Alpen und den
Alpenthälern, und indem diese Luft nach N. und
NW. hin abfließt, stürzt zum Ersatz die Luft von dcn
Alpenkämmen in die Thäler hinab, erwärmt sich da-
bei und bildet den F. Wie die nördl. Alpenthäler
den Südföhn, haben die füdlichen einen Nordföhn,
wenn tiefe Varometermimma über dem Mittelmeere
liegen, und ähnliche Winde sind auch in Westgrön-
land, auf der Ostscite der Neuseeländischen Alpen
u.s.w. beobachtet worden. - Vgl. Hann, über den
F. in Bludenz (Bd. 85 der "Sitzungsberichte der
kaiferl. Akademie der Wissenschaften", Abteil. 2,
Wien 1882; auch separat, ebd. 1882); Berndt, Der
Alpenföhn in feinem Einfluß auf Natur- und
Menschenleben (Ergänzungsheft Nr. 83 zu "Peter-
manns Mitteilungen", Gotha 1886).
Föhr, eine der nordfrief. Infeln der Nordsee,
82 hkm groß, 13 kin lang und 8 km breit, zum Kreis
Tondern der preuh. Provinz Schleswig-Holstein
gehörig, ist von dem nächsten Hafen Dagebüll
9 km entfernt und steht mit diesem und Husurn
in regelmäßiger Dampffchiffahrtsverbindung. F.
ist in drei Kirchspiele geteilt und bildet mit Amrum
(s. d.) einen Lcmdvogteibezirk von 4394 E.; die südl.
Hälfte der Insel besteht aus hoher, sandiger, aber
fruchtbarer Geest, die nördliche aus angeschwemmter
Marsch, die seit 1492 von einem hohen Deiche ge-
schützt wird. Waldung findet sich gar nicht. Die
Dörfer liegen fast alle auf der Grenze zwischen
Marsch und Geest. Die Bewohner von F. und Am-
rum sprechen unter sich eine besondere nordfries.
Sprache, der die Sylter und Helgoländische sehr nahe
steht. Im östlichen F- überwiegt bereits das Platt-
deutsche, welches in Nyk und Nieblum ausschließlich
gesprochen wird. Kirchen- und Schulsprache ist hoch-
deutsch. Die Männer sind als tüchtige Seeleute be-
kannt. Einen eigentümlichen Erwerbszweig bilden
die 6 sog. Vogelkojen, in welchen zur Herbstzeit die
Krickenten und andere wilde Enten in großer Zahl
gefangen werden. In der Nähe ergiebige Austern-
bänke. Hauptort ist Wyk(s.d.).-Vgl.O.C.Nerong,
F. früher und jetzt (Wyk 1885); Chr. Iensen, Die
nordfries. Inseln Sylt, F., Amrum und die Halligen
(Hamb. 1891); Chr. Johansen, Dienordfries.Sprache
nach der Föhringer und Amrumer Mundart (Kiel
1862); eine Anthologie sind die "Terrengan ömreng
Stacken üb Rimen", hg. von O. Bremer (Halle 1888).
Föhrde, f. Fjord.
Föhre, s. Kiefer.
Föhrenschwärmer, s. Fichtenschwärmer.
Foix (spr. foa). 1) Arrondissement im franz.
Depart. Arie'ge, hat 2111,?6 <ikm, (1891) 77030 E.,
139 Gemeinden und zerfällt in die 8 Kantone
Ar-les-Thermes (378,"i ykm, 5815 E.), La Vaftide-
de-Ssrou (138,i8hkm, 6890 E.), Les Cabannes
(314,83 tikm, 5862 E.), F. (299,87 ykm, 21877 E.),
Lavelanet (313,42 ykm, 14361 E.), Que'rigut
(120,59 (ilcm, 2529 E.), Tarascon (221,o? ykin,
12 835 E.), Vicdeffos (325,19 ^m, 6861 E.). -
2) Hauptstadt des Depart. Ariege und des Arron-
dissements F., in malerischer Nmgebung am Fuße
der Pyrenäen und links des Arie'ge und an der
Linie Toulouse-F.-Ax der Franz. Südbahn gelegen,
Sitz eines Präfekten, eines Gerichts- und Assisen-
hofs, ist schlecht gebaut, hat (1891) 6348, als
Gemeinde 7568 E., in Garnison einen Teil des
59. Infanterieregiments; Reste eines Schlosses auf
hohem Fels, Museum, Lehrerseminar, Bibliothek
und Krankenhäuser; Eisenwerke, Wollspinnerei,
Lichtzieherei und Handel. - F. (^uxum), seit dem
11. Jahrh. Hauptort der Graffchaft und später des
Gouvernements F. (4310 ykm), litt schwer während
der Religionskriege.
Foix (spr. föa), altes franz. Grafengeschlecht,
das von der Grafschaft F. im südöstl. Frankreich
den Namen empfing. Roger von F. erbte von
seinem Vater Vernard, dem jüngern Sohne des
Grafen Roger I. von Carcassonne, einen Teil seines
Gebietes und nahm um 1050, nachdem er noch durch
Erbschaft das übrige vereinigt, den Grafentitel an.
Raimond Vernard von F. begleitete 1190
Philipp I. August von Frankreich nach Palästina.
Doch wurde er nachher der Teilnahme an der Ketzerei
der Albigenser (s. d.) beschuldigt, worauf Simon
von Montfort sich in den Besitz seiner Güter setzte.
Gegen diesen im Bunde mit Raimond VII. von
Toulouse kämpfend, starb er 1223. Sein Sohn
Roger Bernard II. focht ebenfalls auf feiten
des Grafen von Toulouse, mußte sich 1230 Frank-
reich unterwerfen und starb 1240. Roger Ver-
nard III. kämpfte 1274 gegen Philipp III. von
Frankreich, dann gegen Peter von Aragon, der ihn
gefangen nahm. 1285 wurde er frei und starb 1303.
- Gaston II. von F. stand in den engl. Kriegen
(s. Frankreich) auf feiten der franz. Krone und er-
hielt dafür einen Teil von Lautrec. Er fiel 1343
bei der Belagerung von Algeciras, wo er Alfons XI.
von Castilien gegen die Mauren unterstützte. Sein
Sohn Gaston III. von F., Vicomte von Warn,
seiner Schönheit wea,en Phöbus (Phöbus) genannt,
prachtliebend und kriegerisch, unterstützte Philipp VI.
gegen die Engländer und wurde dafür Gouverneur
von Languedoc. Seine Gemahlin Agnes, Tochter
Philipps III. von Navarra, verstieß er. Des Ein-