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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Forste - Forster (Georg)
rechnet, daß eine größere Anzahl von Fällen gleich-
zeitig verhandelt werden kann. Der F. ist nicht
Gegenstand der Reichs- sondern der Landesgesetz-
gebnng. Mit Ausnahme von Hamburg und Bre-
men haben die deutschen Bundesstaaten sämtlich
eigene Gesetze über den F. Die meisten sind dem
preuß. Gesetze vom 15. April 1878 nachgebildet;
die einiger thüring. Staaten gleichen dem für das
Königreich Sachsen geltenden Gesetze vom 30. April
1873. In Bayern einschließlich der Pfalz sind die
Forststrafgesetze vom 28.März 1852 und vom 23.Mai
1846 in der Redaktion vom I. 1879 in Geltung.
Das älteste Gesetz (vom 4. Febr. 1837) hat Hessen.
In vielen dieser Gesetze, namentlich dem preußischen,
sind vom F. ausdrücklich ausgeschlossen: Kräuter,
Beeren und Pilze: das unbefugte Sammeln dieser
Forstprodukte unterliegt polizeilichen Bestimmun-
gen. (S.auch Forstfrevel.) - Vgl.Ziegner-Gnüchtel,
Der F. (in der "Zeitschrift für die gesamte Straf-
rechtswissenschaft", hg. von Liszt, Bd.'8, Verl. 1888).
Forste, Stadt in der Lausitz, s. Forst.
Forsteinrichtung, Betrieb sregulierung,
täe zeitliche und räumliche Ordnung des gesamten
Wirtschaftsbetriebes in einem Walde in der Weise,
daß der Zweck der Wirtschaft möglichst erreicht wird.
Forsttaxation oder Forstabschätzung und" Wald-
ertragsregelung sind Teile der F. Diese hat es
hauptsächlich nur mit der Hauptnutzung, dem Holz,
zu thun, die Nebennutzungen bilden für die F. nur
modifizierend einwirkende Faktoren, wenn deren
Erträge manchmal auch sehr bedeutend sind. Die
F. ist besonders wichtig für größere Waldungen,
da in diesen gewisse Eigentümlichkeiten der Forst-
wirtschaft mehr oder weniger eine gewisse Gleich-
mähigkett der jährlichen Nutzung bedingen. Die
Lehre der F. hat zu behandeln die allgemeinen theo-
retischen Grundlagen, auf die sie sich stützen muß
(s. Normalwald), dann die Ausführung der betref-
fenden Arbeiten selbst. Diese zerfallen in Vorarbei-
ten, und zwar geometrische (f. Forstvermessung) und
taxatorische (s. Forstabschätzung), Waldcinteilung
(s< d.), Waldertragsregelung (s. d.), Zusammenstel-
lung des Wirtschaftsplanes (s. d.), Erhaltung und
Fortbildung des Einrichtungswerkes durch Nach-
tragsarbeiten (s. d.) und Revisionen (s. d.). - Vgl.
G. L. Hartig, Anweisung zur Taxation und Be-
schreibung der Forsten (Gießen 1795: 4. Aufl.,
2 Tle., 1819); H. Cotta, Systematische Anlei-
tung zur Taxation der Waldungen (2 Tle., Verl.
1804); derselbe, Anweisung zur F. und Abschätzung
(Tl. 1, Dresd. 1820); von Klipstein, Versuch einer
Anweisung zur Forstbetriebsregulierung (Gießen
1823); Hundeshagen, Die Forstabschätzung (2 Tle.,
Tüb. 1826: 2. Aufl., hg. von Klauprecht, 1848);
C. Heyer, Die Waldertrags-Regelung (Lpz. 1841;
3. Aufl., hg. von G. Heyer, ebd. 1883); Grebe,
Die Betriebs- und Ertragsregulierung der Forsten
(2. Aufl., Wien 1879); Iudeich, Die'F. (5. Aufl.,
Drcsd. 1894); Graner, die Forstbetriebseinrichtung
(Tüb. 1889); Iudeich, Aufgabe und Bedeutung der
F. für die gegenwärtige Forstwirtschaft (Wien 1890);
Weber, Lehrbuch der F. (Berl. 1891).
Förftemann, Ernst Wilh., Sprachforscher, geb.
18. Sept. 1822 zu Danzig, studierte in Berlin und
Halle und kehrte 1844 nach Danzig zurück. Als 1846
auf I. Grimms Anregung von der Berliner Aka-
demie eine Sammlung der ältern deutschen Eigen-
namen zum Gegenstand einer Preisaufgabe ge-
macht wurde, versuchte F. ihre Bearbeitung in
seinem "Altdeutschen Namenbuch" (2 Bde., Nordh.
1856-59; Bd. 2, die Ortsnamen umfassend, in
2. Aufl. 1872). 1851 wurde F. Lehrer am Lyceum
zu Wernigerode und grast. Bibliothekar, 1865 Ober-
bibliothckar der königl. Bibliothek zu Dresden, de-
ren Reorganisierung und neue Katalogisierung er
durchgeführt hat; diese Stellung legte er 1887 nie-
der und übernahm die Verwaltung der Privat-
bibliothek des Königs von Sachfen sowie der prinz-
lichen ^kundogemtur-Bibliothek. Ins bibliothe-
karische Fach gehören seine Schriften "Die gräfl.
^tolbergische Bibliothek zu Wernigerode" (Nordh.
1866) und "Über Einrichtung und Verwaltung von
Schulbibliotheken" (ebd. 1865). Außerdem unter-
nahm er eine "Geschichte des deutschen Sprach-
stamms" (Bd. 1-2, Nordh. 1874 u. 1875) und
eine Ausgabe der Dresdener "Mayahandschrift"
(Lpz. 1882; 2. Aufl., Dresd. 1892) und schrieb "Er-
läuterungen zur Mayahandschrift" (Dresd. 1886)
und "Zur Entzifferung der Mayahandschriften",
I-IV (ebd. 1887-94).
Forsten, s. Forst. ftau (Bd. 2, S. 7589.).
Förstenbau, soviel wie First end au, s. Berg-
Forster, Wein, s. Forst (in der Pfalz).
Forster, Francois, franz. Kupferstecher, geb.
22. Aug. 1790 in'Locle in Neuchätel, kam 1805
nach Paris und erhielt 1814 den ersten großen
Preis. Der König von Preußen bewilligte ihm ein
Stipendiuni auf zwei Jahre, woraus er 1818 mit
Leopold Robert nach Rom wanderte. Hier stach er
besonders histor. Bilder nach ältern ital. Meistern.
Nach Frankreich zurückgekehrt, gewann er mit seinen
durch gewandte und korrekte Grabstichelführung aus-
gezeichneten Arbeiten bald einen bedeutenden Ruf.
Er wurde 1844 in die Akademie der bildenden Künste
aufgenommen und starb 27. Juni 1872 in Paris.
Als Hauptblätter seines nicht sehr umfangreichen
Kupferstichwerkes sind zu erwähnen: Aurora und
Kephalos (1821), Aneas und Dido (1828), beide
nach Gulirin, Franz I. und Kaiser Karl V. in der
Königsgruft zu St. Denis nach Gros, die Visite
Qu I)Ä3-r(5li6i' nach Leonardo da Vinci (1835), die
Vi6iF6 äe 1a. in3.i8on ä'0ri63.Q8 nach Raffael (1838),
Die heil. Cäcilie nach P. Delaroche (1840), Die drei
Grazien nach Raffael (1841), sowie Dürers Selbst-
bildnis (1823) und Nasfaels Selbstbildnis (1836).
Forster, Georg, Reisender und Schriftsteller,
der älteste Sohn des folgenden, geb. 27. Nov. 1754
zu Nassenhuben bei Danzig, folgte feinem Vater,
11 I. alt, nach Saratow und setzte in Petersburg
seine unter des Vaters Leitung begonnenen Studien
fort, begleitete ihn nach London und arbeitete hier
auf einem Comptoir. Nach der Rückkehr von seiner
'Reise um die Welt unter Cook, die er in "^. vo^F?
i'nunä tko >v0i-1ä" (1777) für die Deutschen bearbei-
tete, begab er sich 1775 nach Paris und von da über
Holland 1777 nach Deutschland, wo er 1779 einen
Lehrstuhl der Naturgeschichte an dem Carolinnm in
Cassel erhielt; 1784 folgte er einem Rufe nach Wilna.
Als der Plan der Kaiserin Katharina, eine Reise um
die Welt zu veranstalten, die F. als Historioaraph
begleiten sollte, infolge des Türkenkrieges scheiterte,
lebte F. zunächst in Göttingen, bis ihn der Kurfürst
von Mainz 1788 zum ersten Bibliothekar und Pro-
fessor ernannte. Im I. 1793 wurde F., der den
Grundsätzen der Revolution mit Eifer ergeben war,
von den republikanischen Mainzern nach Paris ge-
schickt, um ihre Vereinigung mit Frankreich beim.