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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Freiding; Freie; Freie Agrarvereinigung; Freie Ämter; Freie Berufe; Freie Bühne

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Freiding - Freie Bühne

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Freidenker'

wurde jedoch von den englischen F. nicht angegriffen. (Vgl. Deismus.) In Frankreich wurde die Freidenkerei durch den Geistesdruck, den die herrschende Kirche ausübte, hervorgerufen; sie war anfangs nur in kleinern Kreisen verbreitet, gewann aber bald eine große Ausdehnung. Man schritt hier von einer scharfen Kritik des kirchlichen Glaubens und des ganzen kath. Kirchenwesens, wie sie z. B. Voltaire und Rousseau übten, bis zur grundsätzlichen Verneinung aller Religion und zum Atheismus fort. Die Führer dieser Bewegung waren die Encyklopädisten d'Alembert, Diderot und Helvétius sowie der Baron von Holbach. In Deutschland haben die F. namentlich seit der Wiederherstellung des orthodoxen Kirchentums, aber auch infolge der modernen Zeitströmung in den verschiedensten Volkskreisen Anhang gefunden. – Vgl. Lechler, Geschichte des engl. Deismus (Stuttg. und Tüb. 1841); Noack, Die F. in der Religion (3 Bde., Bern 1853–55).

Freiding, soviel wie Femgericht (s. d.).

Freie waren bei den Germanen der Hauptteil der Nation. Die Bevölkerung gliederte sich in F. (Gemeinfreie), Halbfreie (Liten oder Hörige) und Knechte. Letztere sind rechtlos und stehen im Eigentum eines Herrn. Die Halbfreien sind im Genusse des Volksrechts; sie sind nur der Gewalt eines Schutzherrn unterworfen. Unter den F. ragen die Adligen hervor, ursprünglich die Glieder von durch ihre Dienste ausgezeichneten Geschlechtern. Die F. hatten das volle Wergeld (s. d.), die Hörigen nur das halbe, die Knechte wurden nur nach ihrem persönlichen Sachwerte geschätzt. Der F. hatte das Recht und die Pflicht, dem Heere anzugehören, den Zutritt zu den Volks- und Gerichtsversammlungen, das Recht des Eides und des Zeugnisses gegen F. Zur vollen Wirkung der Freiheit gehörte, daß der F. Grundbesitz besaß. Die Entwicklung der öffentlichen Verfassung Deutschlands wurde wesentlich durch die Schicksale des Standes der F. bestimmt, der mehr und mehr abnahm. Eine große Zahl der frühern F. gingen in den Stand der Fürsten und Herren, sowie in den Ritterstand über. Andererseits waren diejenigen F., die nicht im stande waren, persönliche Kriegsdienste zu leisten, vielfach genötigt, sich in den Schutz (Vogtei) eines Landesherrn zu begeben. Während jener den Kriegsdienst übernahm, mußten diese ein Schutzgeld oder einen Zins zahlen. Sie bewahrten ihre Freiheit, wurden aber abhängig. In den Städten erhielten sich ebenso wie auf dem Lande freie Geschlechter. Aber auch hier bildeten sich unter Zurückdrängen der alten neue Standesverhältnisse. Es entstand ein neuer freier Stand, der Bürgerstand, der die Vorstufe zu der modernen Freiheit, dem allgemeinen Staatsbürgertum ist. – Vgl. Hüllmann, Geschichte des Ursprungs der Stände in Deutschland (2. Ausg., Berl. 1830).

Freie Agrarvereinigung nennt sich eine Gruppe im österr. Abgeordnetenhause, die sich 1887 unter Führung Lienbachers zur Wahrung der Interessen der Landgemeinden bildete, deren Mitglieder aber keinem Klubzwang unterworfen und nicht verpflichtet sind, zu stimmen, wie es die Mehrheit der F. A. beschlossen hat. Anfangs nahmen zahlreiche Abgeordnete verschiedener Klubs an den zwanglosen Besprechungen der F. A. teil, in denen wirtschaftliche Fragen rein fachlich mit Außerachtlassung polit. und nationaler Gesichtspunkte erörtert wurden; nur die Polen verhielten sich grundsätzlich ablehnend. Nach den Neuwahlen 1891 hörte zwar diese Teilnahme anderer Klubmitglieder auf, doch nimmt die F. A. mit ihren 42 Mitgliedern der Kopfzahl nach die vierte Stelle im österr. Abgeordnetenhause ein. Vorsitzender ist Lienbacher, Stellvertreter Jax.

Freie Ämter, s. Freiamt.

Freie Berufe, in der Statistik die Berufsarten der Ärzte, Anwälte, Schriftsteller und Künstler.

Freie Bühne, ein im Herbst 1889 nach dem Vorbild des von Ch. Antoine in Paris begründeten Théâtre libre von Schriftstellern und Kunstfreunden in Berlin gebildeter Verein, der sich zur Aufgabe stellte, «eine Bühne zu begründen, welche frei ist von den Rücksichten auf Theatercensur und Gelderwerb». Die Räume eines Theaters mietend, unterschied er sich von Dilettantenvereinen dadurch, daß er die Stücke durch berufsmäßige Schauspieler darstellen ließ. In der Auswahl der dramat. Werke und in der Art ihrer schauspielerischen Darstellung sollten «die Ziele einer der Schablone und dem Virtuosentum abgewandten lebendigen Kunst angestrebt werden». Ferner erklärte die F. B.: «Wir binden uns an keine ästhetische Theorie und schwören auf kein Programm, sondern heißen alles willkommen, was frei und groß und lebend ist; nur das Werk der erstarrten Form bleibe uns fern, das Produkt der Berechnung und der Konvention.» Die Aufführungen waren nur den Vereinsmitgliedern zugänglich. Die F. B. wollte der modernen realistischen Richtung durch Privataufführungen die Anerkennung der Zeitgenossen erringen, weil auf den öffentlichen Theatern polizeiliche Censur und private Bedenken der Bühnenleiter diesen Bestrebungen mehrfach im Wege standen. Hervorragend beteiligt an der Begründung waren: Otto Brahm, Paul Schlenther, H. Hart, J. Hart und Julius Stettenheim. Im ersten Spieljahre 1889/90 zählte der Verein über 600 Mitglieder; der Spielplan führte Stücke an, wie: «Vor Sonnenaufgang» von Gerh. Hauptmann, «Gespenster» von Ibsen, «Familie Selicke» von Holz und Schlaf u. s. w. Im zweiten Spieljahre 1890/91 hatte sich die Mitgliederzahl erheblich vermindert. Bei Anfang des dritten Spieljahres 1891/92, in dem nur Strindbergs «Comtesse Julie» aufgeführt wurde, sah sich der Vorstand genötigt, den Verein auf zum Teil neuer Grundlage zu rekonstruieren: eine bestimmte Anzahl von Vorstellungen sollte nicht mehr gewährleistet werden, «weil die öffentlichen Theater dem modernen Realismus, soweit er von echten, dramat. Talenten vertreten wird, zugänglicher geworden waren, als es vor Begründung der F. B. der Fall war». 1892/93 kamen «Die Weber» von G. Hauptmann und «Dämmerung» zur Aufführung.

Nach dem Muster dieser F. B. bildeten sich neue Vereinigungen zu gleichen oder ähnlichen Zwecken; in Berlin selbst entstand (1890) ein Konkurrenzverein Deutsche Bühne, der «nur Neuheiten deutscher Schriftsteller auf dem Gebiet des modern-realistischen und histor.-realistischen Dramas» in seinem Spielplan verzeichnete. Schon nach den fünf Aufführungen des ersten Spieljahres trat der Verein nicht mehr in die Öffentlichkeit. – Eine sehr rege Thätigkeit zeigt hingegen die Freie Volksbühne, die sich 1890 unter Bruno Wille, J. Hart u. a. bildete; ihre Tendenz ist: «die socialistische Weltanschauung in geeigneten Werken von der Bühne herab zu verbreiten». Die Plätze zu den Aufführungen der Freien Volksbühne werden durch das Los bestimmt, das die Mitglieder aus Urnen ziehen. Die Mitgliederzahl dieses Vereins war bald so groß, daß

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 258.