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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gausta - Gautier
von Maser, 2. Aufl., Nerl. 1889), einem Werk voll der
feinsten mathem. Spekulation, durch welches die
höhere Arithmetik mit den schönsten Entdeckungen be-
reichert worden ist. Als zu Anfang des 19. Jahrh,
die neuen Planeten entdeckt wurden, fand G. neue
Methoden zur Berechnung ihrer Bahnen; unter den
Methoden zur Bahnberechnung ist namentlich die
bereits 1795 erfundene Methode der kleinsten
Quadrate berühmt geworden. Er veröffentlichte
dieselben in einem andern seiner.Hauptwerke, der
"liieoria. motu3 colporuni in 860tionidu3 conici^
8oi6in Kindi6ntwni" (Hamb. 1809; deutsch von
Haase, Hannov. 1865), die viel dazu beigetragen
hat, dem um diese Zeit erwachenden Sinn für ge-
nauere astron. Beobachtungen die rechte Richtung zu
geben. Auch seine "Iksoria conidinatiouiZ od86r-
vAtionuin 6rroi-idu8 ininimi8 odnoxiae" (Gott. 1823;
deutsch als "Abhandlungen zur Methode der kleinsten
Quadrate", hg. von Börsch und Simon, Verl. 1887)
war eine wesentliche Bereicherung der Wissenschaft.
Mit praktisch-astron. Arbeiten hatte G. sich schon
während seines Aufenthalts in Vraunschweig viel-
fach beschäftigt. Die Göttinger Sternwarte, welche
seit 1755 bestand, bot dazu vergrößerte Hilfsmittel
dar, noch mehr aber die neue Sternwarte, deren Bau
zwar schon 1803 begonnen, aber durch die Zeit-
verhältnisse lange unterbrochen gewesen war, bis
er 1811 unter G.' Leitung wieder aufgenommen
und 1817 vollendet wurdet Im Auftrage der Re-
gierung setzte er seit 1820 die dän. Gradmessung im
Königreich Hannover fort, bei welcher Gelegenheit
er auch nach einer andern Seite hin den Reichtum
seines Geistes bekundete. Er erfand unter anderm
den Heliotropen, stellte für die Projizierung der auf
der Sphäre liegenden Dreieckspunlte auf die Ebene
der Karte neue Regeln auf und bediente sich zur
Kompensation der Messungsfehler der bereits er-
wähnten Methode der kleinsten Quadrate. Die Ge-
nauigkeit seiner Triangulation übertraf alle frühern
Leistungen dieser Art. Neben seinen mathem. und
astron. Arbeiten und der Ausführung umfangreicher
Regierungsaufträge pflegte G. sich von jeher mit
einem oder dem andern Gegenstande der Physik
speciell zu beschäftigen.
Seit der Ankunft Wilhelm Eduard Webers (s. d.)
in Göttingen wandte G. feine Aufmerksamkeit be-
sonders dem Erdmagnetismus zu. Das von ihm
erfundene Magnetometer eröffnete hier ein ganz
neues Feld der Beobachtung. Mit diesen Studien
aufs engste verknüpft war die Theorie des Elektro-
magnetismus, die G. mit besonderm Interesse ver-
folgte, da er die Erfolge einer richtigen Benutzung
dieser Kraft für die Telegraphie, deren wissenschaft-
licher Begründer er ist, mit klarem Blick voraussah.
Mit Weber führte er auch die erste Anlage eines
elektromagnetischen Telegraphen (s. Elektrische Tele-
graphen, Bd. 5, S. 1004a) in Göttingen zwischen
dem Physik. Kabinett und der eine Viertelstunde
davon entfernten Sternwarte und dem magnetischen
Observatorium aus. Mit Weber gab G. die "Re-
sultate aus den Beobachtungen des Magnetischen
Vereins" (6 Bde., Gott. 1837 - 38; Lpz. 1838
-43) nebst "Atlas des Erdmagnetismus" (Lpz.
1840) heraus. Andere Gebiete der Physik betreffen
die "Allgemeinen Lehrsätze in Beziehung auf die im
verkehrten Verhältnisse des Quadrats der Entfer-
nung wirkenden Anziehungs- und Abstoßungs-
kräfte" (Lpz. 1840) und die "Dioptrischen Unter-
suchungen" (Gott. ldN). In der lchtcn Zeit be-
schäftigte sich G. vorzugsweise mit der Theorie der
Geodäsie, über welche er "Untersuchungen über
Gegenstände der höhern Geodäsie" (2 Abteil., Gott.
1844-47) veröffentlichte. Alle seine Schriften
zeichnen sich durch große Klarheit und Schärfe der
Entwicklung wie durch Einfachheit in der Dar-
stellung aus. Eine Gesamtausgabe seiner Schrif-
ten, die in den astron. Fachjournalen, Poggendorsfs
"Annalen",den "Göttinger Gelehrten Anzeigen",na-
mentlich aber in den "Abhandlungen" der Göttinger
Gefellfchaft der Wissenschaften enthalten sind, wurde
von letzterer Gefcllschast veröffentlicht (6 Bde., Gott.
1863-74; Bd. 7, hg. von Schering, Gotha 1871),
einige sind in deutscher Übersetzung in Ostwalds
"Klassikern der exakten Wissenschaften" (Lpz. 1889 fg.,
Nr.2,5,14,19)erschienen. SchonvorherhattePeter^
den "Briefwechsel" zwischen G. und seinem Freunde
Schumacher (6 Bde., Altona 1860-65) heraus-
gegeben. Der "Briefwechsel zwischen G. und Bessel"
wurde auf Veranlassung der königlich preuß. Aka-
demie der Wissenschaften (Lpz. 1880) herausgegeben.
- Vgl. Sartorius von Waltershausen, G. zum Ge-
dächtnis (Lpz. 1856); Hänselmann, Karl Friedr. G.
Zwölf Kapitel aus seinem Leben (ebd. 1878).
Gausta, der höchste Berg im südl. Norwegen,
in Telemarken, Amt Bratsberg, ist 1884 m hoch.
Gautäma (Götama), Name Buddhas.
Gautier (spr. gotieh), Le'on, franz. Litterarhisto-
riker und Palä'ograph, geb. 8. Aug. 1832 zu Havre,
besuchte das Gymnasium zu Laval und das Institut
Ste.-Varbe zu Paris, wurde 1855 Mitglied der Ur-
kundenschule und hierauf Archivar des Depart.
Haute-Marne. 1859 erhielt er eine Stelle beim
kaiferl. Archiv in Paris. Seit 1871 lehrt er die
Paläographie an der Urkundenschule. Unter seinen
zahlreichen Schriften ist die vorzüglichste sein Werk
über die franz. Heldendichtung des Mittelalters:
"1.68 6P0P668 li'HNM868" (Bd. 1-3,1866-68;
2. Aufl., 4 Bde., 1878-92), das i^it dem Gobert-
schen Preis (1866 und 1868) ausgezeichnet wurde.
Seine Ausgabe der "OKangon ä6 Noianli" (Tours
1872 u. ö.) ist in Frankreich die beste und verbreitetste.
Außer diesen Werken verfaßte er: "Comment lmit-ii
MZ6r 16 IN0^6N kA6?" (1858), "Hu6iqu63 IN0t8 8N1'
1'6tuä6 66 13. Mi60Zr3.p1ii6 6t Ü6 13. äipionmtihue"
(1858 u. ö.), "Döünition cat1i0ii(iu6 ä6 1'1ii8toir6"
(1860), "3c6N63 6t N0UV61168 cMio1i<1U68 " (1861),
"Vo^ÄAL ä'un c3.t1i0iihU6 Hutour (16 83. ci^in^ro"
l1862), "I56ii0it XI, 6tuä6 8U1- 13. P3p3,ut6" (1863),
"^tuä63 di8t0I'iqU68 pour 13. ä6t6N86 ä6 1'1^1i36"
(1864), "?0rti'ait31itt6i-3,ii-63"(1868; 2. Aufl. 188Y,
"VinFt N0UV63.UX P0!'tr3,it8" (1878), "1^3 c^6VHi6i-i(;"
(1884; 2. Aufl. 1890), "?0rtrait8 äu XVII° 8i6cw"
(1890); "Nwä68 6t tadi63.ux lii8t0i-i<iu68" (1890).
Gautier (spr. gotieh), Thöophile, franz. Dickter
und Kunstkritiker, geb. 31. Aug. 1811 zu Tarbes, kam
mit seinen Eltern schon 1814 nach Paris und be-
suchte die Schulen I^0ni8-i6-(Fi'Änäund5d^i'i6muFn".
Anfangs wurde er, um das Malen zu erlernen,
Schüler Rioults, doch da es ihm in diefer Kunst
nicht gelang, ging er 1830 als Dichter unter die
Romantiker und stürzte sich, für Victor Hugo be-
geistert, mit Feuereifer in den Streit wider die
Klassiker. Er schrieb sür die "I^iic6 litt^airk"
und andere Blätter, veröffentlichte Gedichte wie "1^6-
mi6r68 p068ioss" (1830; neue Ausg. 1873), "^1d6r-
tu3 on 1'am6 et 16 p6cd6" (1832), "1^3. coiii6äi6 (16
la, inoi-t," und verfaßte seit 1836 für die "?r6836"
^> Jahre lang Kunst- und TlMtcvkntiten (gesam-