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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Georgia Augusta; Georgianbai; Georgiastraße; Georgien; Georgier

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Georgia Augusta - Georgier

1755 eine Provinziallegislatur. 1802 überließ G. gegen Entschädigung seine Ansprüche auf das Land jenseit der jetzigen Westgrenze an die Union. Während des zweiten engl. Krieges (1813) fand ein Grenzkrieg mit den Indianern statt. Konflikte zwischen der Staats- und Bundesregierung betreffs Landabfindung der Creeks und Cherokees fanden 1838 durch Versetzung derselben nach dem Indianerterritorium eine friedliche Lösung. G. trat 1861 der Konföderation der Südstaaten bei und hatte während des Bürgerkrieges schwer zu leiden. Bekannt ist der Marsch des Generals Sherman nach der Einnahme von Atlanta zur Küste nach Savannah. Die Aufhebung der Sklaverei verursachte einen bedeutenden Rückgang, insbesondere der landwirtschaftlichen Produktion; doch hat sich G. schon längst wieder davon erholt.

Vgl. C. C. Jones, The History of G. (bis ungefähr 1783; 2 Bde., Boston 1883): I. W. Avery, The History of G. from 1850 to 1881 (Neuyork 1884); J. Winsor, Narrative and critical history of America, Bd. 2 (Boston 1886); Appleton, American Annual Cyclopedia (Neuyork 1861-89).

Georgia Augusta, der Name der 1734 vom König Georg II. gegründeten Universität Göttingen.

Georgianbai (spr. dschórdschien-), s. Huronsee.

Georgiastraße, Meeresstraße zwischen der Insel Vancouver und der Westküste von Britisch-Columbia in Nordamerika, ist etwa 240 km lang, 25-30 km breit; die Ufer bilden inselreiche Fjorde oder Inlets; Strömungen machen die Schiffahrt gefährlich. Unter 49° der Breite mündet der Fraser. Im S., wo die Juan de Fucastraße die G. mit dem Meere verbindet, teilen die Inseln des San Juan-Archipels den Kanal in zahlreiche Arme; im N. führt der Königin-Charlotte-Sund zum offenen Meer.

Georgien, bei den Russen Grusien, bei den Eingeborenen Sakartwelo (Kartalinien), bei den Persern und Türken Gurdschistan, im Altertum Iberia, Landschaft im westl. Teil Transkaukasiens in der großen Einsenkung (60000 qkm), die von den Flußgebieten des Rion, Tschoroch, Ingur und der Kura gebildet, im N. vom Großen Kaukasus, im S. vom armenischen Hochland und dem Kleinen Kaukasus begrenzt und durch das Meschische Scheidegebirge in eine größere östliche, bis zur Vereinigung des Alasan mit der Jora reichende und eine kleinere westliche, ans Schwarze Meer grenzende Hälfte geteilt wird. Sie bildet die Hauptbestandteile der Gouvernements Kutais und Tiflis im russ. Generalgouvernement Kaukasien und ist nach den daselbst wohnenden Georgiern (s. d.) benannt. In kirchlicher Beziehung bildete das Land früher einen Zweig der griech.-kath. Kirche, die georgische oder grusinische Kirche, an deren Spitze der Katholikos in Mzchet stand. Das 1836 errichtete grusinische Exarchat oder die grusinische Eparchie steht unter der Leitung des Heiligen Synod (s. Synod) in Petersburg und umfaßt außer G. noch das Gouvernement Jelisawetpol. An der Spitze steht ein Erzbischof in Tiflis mit drei Vikaren in Jelisawetpol, Achalzych und für Imeretien. 1888 umfaßte die Eparchie 426169 griech. Katholiken, 13 Klöster, 1059 Kirchen, 770 Geistliche und 565 Vorleser. - Vgl. Leist, Georgien (Lpz. 1885).

In der Geschichte G.s erscheint als erste chronologisch einigermaßen fixierbare Gestalt ein georgischer König Pharnabazus zur Zeit Alexanders d. Gr.; auf ihn wird von den georgischen Schriftgattungen die sog. Kriegerschrift zurückgeführt. Im 2. und 1. Jahrh. v. Chr. scheint sich im Georgischen Reiche der Einfluß der Könige von Parthien und Pontus gekreuzt zu haben; im Mithridatischen Kriege ist Pompejus als Sieger nach G. gelangt, und von da an scheint eine Art von röm. Schutzherrschaft über das Land bestanden zu haben. Im 3. Jahrh. kam eine sassanidische Dynastie auf den georgischen Thron, deren erster Vertreter Miriam durch die armenische Missionarin Nune oder Nino zum Christentum bekehrt sein soll. Im 5. Jahrh. ist der Hauptvertreter der georgischen Macht Wachtang-Gurgaslan; er erobert Mingrelien, Ossetien und Abchasien, gründet das Patriarchat in Mzchet und die Stadt Tiflis. Vom Ende des 6. Jahrh. an regierte von Tiflis aus, wohin inzwischen die Residenz verlegt worden war, die Dynastie der Guramiden, eines Zweiges der Bagratunier (s. d.), deren erster, Guram, zugleich den byzant. Rang eines Kuropalates innehatte. Seit 788 kommt mit Aschot I. der georgische Zweig der Bagratunierfamilie als Könige G.s empor. Unter Bagrat IV. beginnen seit 1048 Verwüstungen G.s durch die Seldschuken, die 1064 Tiflis erobern und erst unter David III. um 1123 völlig vertrieben werden. 1184-1212 regierte in G. eine Königin Thamar, Tochter Georgs III. und Mutter Georgs IV., ebenso berühmt durch kriegerische Erfolge wie als Ausbreiterin des Christentums und als Erbauerin von Monumenten, eine Persönlichkeit, die sich in der Erinnerung der Georgier bis heute ebenso typisch eingeprägt erhält wie etwa Schah Abbas in der der Perser. Unter ihrer Herrschaft reichte G. vom Kaspischen Meere bis nach Trapezunt und schloß zeitweise noch Erzerum, Kars und Ani ein. Von 1222 an kam über G. eine Reihe von Verheerungen durch die Mongolen, die ärgste durch Timur 1393-94. Als im Anfange des 15. Jahrh. das Reich wieder aufzublühen begann, teilte es zu seinem Unglücke Alexander I., Sohn Georgs VII., 1424 unter seine Söhne als Imereth, Karthli und Kachetien. Diese Länder sahen sich bald (seit 1492) veranlaßt, einzeln den Schutz der russ. Zaren zu suchen, und das georgische Klientelverhältnis zu Rußland ist dann nach manchen Steigerungen und Zwischenpausen die Übergangsstufe geworden zu der 1801 durch Zar Alexander I. vollzogenen Einverleibung G.s in Rußland. Es bestand damals aus vier selbständigen Gebieten; dem eigentlichen grusinischen Königreich, Imeretien, Mingrelien und Gurien. 1838 wurde das Grusinisch-Imeretische Gouvernement errichtet, aus dem 1846 die Gouvernements Kutais und Tiflis hervorgingen.

Vgl. Brosset, Histoire de la Géorgie depuis l'antiquité jusqu'au XIX<sup>e</sup> siècle (2 Bde., Petersb. 1850-59); Leist, G. Natur, Sitten und Bewohner (Lpz. 1885).

Georgier, im engern Sinn die Bewohner des ehemaligen Königreichs Grusien, das größtenteils mit dem jetzigen Gouvernement Tiflis des russ. Generalgouvernements Kaukasien zusammenfällt. Sie nennen sich selbst nach ihrem Stammvater Karthlos Karthweli oder Karthli; bei den Russen heißen sie Grusinen (Grusiny), bei den Persern und Türken Gurdschi, woraus wahrscheinlich der in Westeuropa gebräuchliche Name G. im Mittelalter entstanden ist. Im weitern Sinn versteht man unter G. die ganze sog. kartwelische Völkergruppe, die Transkaukasien von der Küste des Schwarzen Meers bis zur Mündung des Alasan in