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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Girardin; Girardin (Delphine Gay); Girardin (Emile de)

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Girardin (Cécile Stanislas Xavier, Graf von) – Girardin (Emile de)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Girardet'

in Paris, hat sich als Kupferstecher einen Namen gemacht. Von seinen Stichen in Mezzotintomanier sind die bedeutendsten: Schlacht bei Isly und Erste Messe in Kabylien nach H. Vernet, Gefecht bei Rivoli nach Philippoteaux, Übergang Washingtons über den Delaware nach Leutze (1855), Marie Antoinette vor dem Revolutionstribunal nach P. Delaroche (1857), Religionsgespräch zu Poissy nach Robert-Fleury (1859), Die Goldene Hochzeit (1801), Der Taschenspieler (1865), beide nach Knaus, Die Armada auf der Höhe von Plymouth nach Seymour Lucas, Rückkehr vom Fest nach Moreau (1883).

Girardin (spr. schirardäng), Cécile Stanislas Xavier, Graf von G., ältester Sohn von René Louis de G., geb. 19. Jan. 1762 zu Lunéville, wurde jung Kavalleriehauptmann. Als die Französische Revolution ausbrach, wendete er sich derselben zu und veröffentlichte eine «Lettre du vicomte d’Ermenonville à M...». 1790 wählte ihn das Depart. Oise in die Nationalversammlung, wo er sich auf der Linken bei allen Fragen lebhaft beteiligte, später aber seinen Sitz auf der Rechten, unter den Konstitutionellen, nahm. Im Aug. 1792 verteidigte er das konstitutionelle Königtum, wurde deshalb verfolgt und verhaftet und nur durch den Tod Robespierres frei. Die Bekanntschaft mit Joseph Bonaparte verschaffte ihm nach dem 18. Brumaire (9. Nov. 1799) das Amt eines Präfekten im Depart. Oise und darauf eine Stelle im Tribunat, in dem er für die Familie Bonaparte sehr thätig war. Nachdem er 1804 als Hauptmann in die Armee wieder eingetreten war, begleitete er Joseph Bonaparte 1806 nach Italien, später nach Spanien, wo er als Brigadegeneral am Kriege teilnahm. Nach seiner Rückkehr trat er wieder in den Gesetzgebenden Körper, und 1812 wurde er Präfekt im Depart. Seine-Inférieure. Er übernahm 1819 die Präfektur im Depart. Côte-d‘Or und wurde gleichzeitig in die Kammer gewählt, wo er seinen Sitz auf der Linken als eifriger Verteidiger der konstitutionellen Freiheit behauptete. Er starb 27. Febr. 1827 und hinterließ «Discours et opinions» (2 Bde., Par. 1828) und «Journal et souvenirs» (2 Bde., ebd. 1828; neue Aufl. 1834).

Girardin (spr. schirardäng), Delphine Gay, Madame Emile de, franz. Schriftstellerin, Gemahlin des folgenden, geb. 26. Jan. 1804 zu Aachen als die Tochter der Schriftstellerin Sophie Gay (s. d.), besang schon als junges Mädchen die Griechen, die Franzosen, den General Foy, Napoleon und auch Karl X. Eine Reise nach Italien (1827) glich einem Triumphzug. Zu Rom wurde sie in die Accademia Tiberina aufgenommen und auf dem Kapitol bekränzt. Zwei Sammlungen «Essais poétiques» (1824; 4. Aufl. 1829) und «Nouveaux essais poétiques» (1825) bezeichnen vorzüglich diese erste Periode. Ihre beste lyrische Dichtung, «Napoline» (1833), hatte wenig Erfolg. Seit ihrer Vermählung mit Emile de G. schrieb sie die Romane «Le lorgnon» (1832), «Contes d’une vieille fille» (1832 u. ö.) und andere Erzählungen. Ihre Prosa ist bestimmt, lebhaft, scharf und klar. Hauptsächlich zu ihrem Ruhme trugen ihre «Lettres parisienne» bei, die bereits 1836–39 in der «Presse» unter dem Namen Vicomte de Launay u. d. T. «Courrier de Paris» erschienen waren. 1853 veröffentlichte sie ferner «Le Vicomte de Launay. Correspondance parisienne» (neue Ausg., 4 Bde., 1856). Als Bühnendichterin begann sie mit den Tragödien «Judith» (1843) und «Cléopatre» (1847), doch zeigte sich ihr Talent hauptsächlich im ↔ eleganten Sprichwörterspiel, und ihre Stücke «C’est la faute du mari» (1851), besonders aber «La joie fait peur» (1854) machten entschiedenes Glück; auch «Lady Tartuffe» (1853) behauptete sich auf der Bühne. Delphine G. starb 29. Juni 1855 zu Paris. Später erschienen ihre «Poésies complètes» (neue Aufl., Par. 1857) und ihre «Œuvres complètes» (6 Bde., ebd. 1860–61). – Vgl. Imbert de Saint-Amand, Madame de G. (Par. 1874).

Girardin (spr. schirardäng), Emile de, franz. Publizist, geb. angeblich 22. Juni 1806 zu Paris, wahrscheinlich 1802 in der Schweiz, hieß zuerst de Lamothe, und legte erst 1827 sich den Namen de G. bei als natürlicher Sohn des Grafen Alexandre de G., der ihn durch eine öffentliche Erklärung, anerkannte. G. trat 1827 mit der Jugendschrift «Emile» (zuerst anonym; 4. Aufl., Par. 1853) hervor, die in Form von Bruchstücken den Roman seiner Geburt und seiner ersten Jahre enthielt. Unter dem Ministerium Martignac wurde er Kunstinspektor. Er begründete die Journale: «Le Voleur» (1828) und «La Mode» (1829), und mit besserm Glück das «Journal des connaissances utiles» (1831). Gleichzeitig befaßte er sich mit industriellen Unternehmungen und Spekulationen, die teilweise einen schlimmen Ausgang für ihn hatten. Er gründete 1836 als Organ der konservativen Politik die «Presse» und brachte durch sie im franz. Zeitungswesen eine Umwälzung hervor. Die heftige Polemik, die sich zwischen G. und seinen polit. Gegnern entspann, veranlaßte sein Duell mit dem Redacteur des «National» Armand Carrel, der an den Folgen seiner Schußwunde starb. Von dem Bezirk Bourganeuf zum Abgeordneten gewählt, behielt er dies Mandat bis zum 24. Febr. 1848. Von 1849 bis 1851 vertrat er in der Gesetzgebenden Versammlung das Depart. Niederrhein und stimmte hier mit den Männern des Bergs, die seine Kandidatur begünstigt hatten. Nachdem er das Guizotsche Ministerium, die Provisorische Regierung, die monarchische Reaktion und die gemäßigte Republik abwechselnd in der «Presse» verteidigt und bekämpft, setzte er alle Hebel in Thätigkeit, um Cavaignac zu stürzen und dessen Nebenbuhler, den Prinzen Ludwig Napoleon, ans Ruder zu bringen. Doch wandte er sich dann auch gegen diesen und feindete ihn aufs äußerste an. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 wurde G. zufolge des Dekrets vom 9. Jan. 1852 aus Frankreich verbannt, durfte aber zwei Monate darauf, als seine Schwiegermutter starb, dahin zurückkehren. Er widmete sich wieder der Redaktion seines Journals, die er erst 1856 aufgab, als er seinen Eigentumsanteil an die Bankiers Millaud+Comp. für 800000 Frs. verkaufte. Doch übernahm er 1862 nochmals die Redaktion der «Presse», die er 1866 von neuem aufgab, um die imperialistische «Liberté» zu begründen. Auch in der Dramatik versuchte er sich und erlebte die Freude, daß über seine Theaterstücke «Le supplice d’une femme» (1865) und «Les deux sœurs» (1865) ein leidenschaftlicher Streit entbrannte. Die Berufung seines Freundes Emile Ollivier zum Minister des Innern 2. Jan. 1870 stimmte ihn versöhnlich, ja sogar enthusiastisch für den scheinbar demokratischen Imperialismus und machte aus ihm einen der eifrigsten Beförderer des Plebiscits. Inzwischen verkaufte er sein Journal an den Bonapartisten Detroyat und erhielt 27. Juni zum Lohn für die energische Verteidigung der gouvernementalen Politik einen Sitz im Senat. Wäh-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 17.