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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Glaslaven; Glasmacherpfeife; Glasmalerei

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Glaslaven – Glasmalerei

Glaslaven, als zusammenhängende größere geflossene Massen oder als lose Auswürflinge im festen Zustande erstarrte vulkanische Produkte, die gänzlich oder größtenteils aus glasiger Substanz bestehen; dazu gehören Obsidian, Bimsstein, Perlit, Pechstein. Diese glasigen oder halbglasigen Laven besitzen ein geringeres spec. Gewicht als diejenigen Laven von derselben chem. Zusammensetzung, die zu einem krystallinischen Mineralaggregat erstarrt sind. Eine reichliche Entwicklung von Glassubstanz scheint bei einer festwerdenden geschmolzenen Masse namentlich da zu erfolgen, wo diese Erstarrung sehr rasch von statten geht, weshalb z. B. die Oberfläche der Lavaströme vielfach glasig ausgebildet ist und diese Beschaffenheit erst allmählich nach dem Innern zu in die gewöhnliche krystallinisch-steinige übergeht. Auch die ausgeworfenen Partikel zerteilter Lava, die als sog. vulkanischer Sand, Lapilli, kleinere Bomben niederfallen, sind deshalb oft sehr stark glasig ausgebildet.

Glasmacherpfeife, s. Glas (S.41a).

Glasmalerei, die Kunst, farblose Glastafeln zu bemalen (Kabinettmalerei) oder ganze Bilder aus Stücken farbiger Glastafeln zusammenzusetzen (Musivische G.). Ersteres geschieht, indem man durchsichtige Farben nach Art eines Gemäldes auf das Glas (Kathedralglas, Antikglas) aufträgt und durch Einbrennen fixiert; letzteres, indem farbige Glasstücke, die möglichst nach den Umrissen der Komposition zugeschnitten sind, durch Bleieinfassungen miteinander verbunden und die Schattierungen mit Schmelzfarben (Schwarzlot, dazu seit dem 14. Jahrh. Silbergelb, später auch die übrigen bei der Kabinettmalerei verwendeten Schmelzfarben) hineingemalt werden. Statt der einfach bunten Glasstücke kann auch «überfangenes» Glas, d. h. solches, bei dem farbiges Glas über andersfarbiges geschmolzen ist, verwendet werden; die Schattierung und Abtönung wird dann durch Ausschleifen mit Schmirgel bewirkt. (Hierzu die Tafeln: Glasmalerei I und II.)

Die G. ist im Altertum bisher nicht nachweisbar; im Mittelalter war sie ein bedeutender Kunstzweig. Vielleicht ist man durch das Mosaik, dessen Herstellung im frühern Mittelalter fortwährend in Übung blieb, auf sie gekommen. Die ältesten Glasgemälde sind in der That reine Glasmosaiken, d. h. farbige, durchsichtige Gläser, welche durch Bleifassung aneinander gefügt und nur mit Schwarzlot gemalt sind (Grisaillen). Die ersten Glasgemälde, welche erwähnt werden, befanden sich in dem bayr. Kloster Tegernsee; sie stammten aus der letzten Zeit des 10. Jahrh. Im 11. Jahrh. wird dort der Mönch Werinher als Glasmaler genannt. Durch deutsche Meister verbreitete sich diese Kunst in der Folge durch das ganze Abendland; sie scheint aber ihre Wiege in Frankreich zu haben. Aus dem 11. und 12. Jahrh., der Zeit des roman. Stils, ist nur äußerst Weniges erhalten, z. B. mehrere Fenster des Doms zu Augsburg, welche überhaupt als die ältest erhaltenen zu betrachten sind, des Straßburger Münsters, der Kunibertskirche in Köln, der bischöfl. Kapelle in Tournai (s. Taf. I, Fig. 2 u. 3). Dagegen hat die zweite Hälfte des 13. Jahrh. (s. Taf. I, Fig. 6) und die erste Hälfte des folgenden, also die Zeit der höchsten Blüte des got. Baustils, zahlreiche Denkmäler zurückgelassen, z. B. die Kaiserbilder im Straßburger Münster, die Fenster der Dome in Reims, Amiens und Oppenheim, der Elisabethkirche in Marburg, der Kapelle du St. Sang in Brügge (s. Taf. I, Fig. 7) u. s. w., sowie die Chorfenster des ↔ Kölner Doms (s. Taf. I, Fig. 1, 4, 8). Denn die Gotik, welche die Mauermasse in Fenster auflöste, gab dadurch der G. mehr Raum, als ihr die nur mäßig großen Rundbogenfenster des roman. Stils gewährten. Die meisten frühgot. Fenster stellen bunte Teppichmuster dar, vor denen unter Baldachinen Heilige, Propheten, Könige u. s. w. in ernster statuarischer Haltung stehen (s. Taf. I, Fig. 8); streng schieden die hohen Fensterstäbe Figur von Figur. Nur in den untern Fenstern sind, meist von zierlichen Ornamenten eingefaßt, Scenen aus der Geschichte Christi und der Ortsheiligen dargestellt. Von den Farben ist besonders das dunkle Purpurrot durch seinen feurigen Glanz ausgezeichnet.

Mit dem Ende des 14. und im 15. Jahrh. werden die G. immer zahlreicher. Aus dieser Zeit stammen die Fenster der Kirche St. Denis in Lüttich (s. Taf. I, Fig. 9) sowie der Frauenkirche in Lübeck und die des Doms zu Florenz, letztere beide wahrscheinlich von demselben Meister Francesco Livi aus Gambassi. Die Kirchen in Nürnberg verdanken einen Teil ihres Schmucks der dortigen Glasmalerfamilie der Hirschvogel (Tucherfenster, Volkamerfenster). Auch die Schweiz ist reich an Glasgemälden jener Zeit, obwohl durch die Bilderstürmer und die spätere Abneigung gegen lebhafte Farben hier wie an den meisten Orten Unzähliges zerstört wurde. Doch bildete die Schweiz im 16. Jahrh. eine eigentümliche Art der G. aus, eine Miniaturmalerei auf Glas, indem es Sitte wurde, die Fenster in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden mit kleinern Glasgemälden zu schmücken, auf welchen Familienwappen (s. Taf. I, Fig. 5), figürliche Scenen, Familienbilder u. dgl. mit großer Feinheit dargestellt waren. Das glanzvollste Erzeugnis der G. des Mittelalters sind die Fenster des nördl. Seitenschiffs im Dom zu Köln von 1509. Diese zeigen am deutlichsten die großen Fortschritte in der Technik, wenn man sie mit den Fenstern des Chors, die vor 1322 gearbeitet wurden, vergleicht. Auch sieht man, wie sich mit der übrigen Malerei auch in der G. ein Streben nach Darstellung der Wirklichkeit geltend macht, das sich nicht bloß in einer kräftigern Charakteristik der Figuren ausspricht, sondern auch zu freier, bewegter Komposition fortschreitet und statt des Teppichgrundes einen reichen architektonischen oder landschaftlichen Hintergrund entfaltet. So wird der G. ein ihrem Wesen durchaus widersprechender Schein des Körperlichen gegeben, während man sie früher mehr als einen vor die Fenster gehängten Teppich behandelte.

Auf der Grenze zwischen dem mittelalterlichen Stil und dem der Renaissance stehen die herrlichen Glasgemälde in den Chorkapellen des Münsters zu Freiburg i.Br. und die 1870–71 durch Brand vernichteten G. des Doms zu Metz (um 1530) sowie diejenigen mehrerer Kirchen in Paris und in England sowie die in der nördl. Kapelle der Gudulakirche in Brüssel (1540–47). Letztere, berühmt durch ihre architektonischen Hintergründe in reichem und edelm Renaissancegeschmack, bilden den Übergang zur letzten Epoche der G. Fortan versuchen nämlich die Glasmaler, sich möglichst der Ölmalerei zu nähern und dieselbe in Komposition und Farbe nachzuahmen. Dieser Epoche gehören schon die franz. Glasmaler Henriet und Monier von Blois an; in den Niederlanden die Brüder Dirk und Wouter Crabeth, die Schöpfer der Glasgemälde (12 Fenster, die übrigen 30 von ihren Nachfolgern) in der St. Janskirche zu Gouda (1555–77), die Glasmaler der Floris-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 54.