Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Glykosurie - Glyptodon

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C20H27NO11 + 2H2O = C6H5.CHO + HCN + 2C6H12O6

Amygdalin Bittermandelöl Blausäure Zucker.

Andere bekannte G. sind Äsculin (s. Äsculetin), Arbutin, Helicin, Hesperidin, Koniferin, Myronsäure, Phlorizin, Quercitrin, Salicin, Saponin u. s. w. (S. die betreffenden Artikel.) - Vgl. O. Jacobsen, Die G. (Bresl. 1887).

Glykosurie (Glycosuria), s. Diabetes.

Glykuronsäure, eine organische Säure von der Zusammensetzung C7H10O7, die sich aus der Euxanthinsäure (s. d.) beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure abspalten läßt. Sie bildet sich auch im tierischen Organismus und erscheint bei Benzolfütterung von Versuchstieren im Harn als Phenoläther, aus dem sie ebenfalls abgespalten werden kann. Die G. steht in naher Beziehung zum Traubenzucker; sie ist nach der Konstitutionsformel CHO*(CHOH)4*COOH Zucker (Aldehydalkohol) und Säure zugleich. Durch Oxydation geht sie in Zuckersäure über.

Glyndwr, s. Owen Glendower.

Glyoxal, der einzige bekannte Doppelaldehyd der Fettreihe von der Formel CHO*CHO, der sich bei der Oxydation von Alkohol, Aldehyd- oder Äthylenglykol (s. Glykol) mit Salpetersäure bildet. Es ist eine amorphe weiße Masse, die an der Luft zerfließt, und besitzt alle für die Aldehyde charakteristischen Eigenschaften. Es neigt sehr zu Kondensationen; mit konzentriertem Ammoniak giebt es eine eigentümliche Base, Glyoxalin oder Imidazol, C3H4N2. Man nimmt in demselben einen Atomring von drei Kohlenstoffatomen und zwei Stickstoffatomen an nach beistehender Formel

HC - N = CH.

||

HC - NH -

Durch Ersetzung von Wasserstoffatomen leiten sich von dieser Verbindung zahlreiche Glyoxaline ab, die zum Teil auf verschiedenen synthetischen Wegen gewonnen worden sind.

Glyoxalin, Glyoxaline, s. Glyoxal.

Glyoxalsäure oder Glyoxylsäure, eine organische Säure, die zugleich Aldehyd und Säure ist, was sich in folgender Formel ausdrückt: CHO*COOH. Sie entsteht durch Oxydation von Glykol, Alkohol, Aldehyd und am leichtesten aus Dichloressigsäure beim Überhitzen mit Wasser. Sie kommt in ganz grünen Früchten (Weinbeeren, Stachelbeeren u. s. w.) natürlich vor. Sie bildet eine dicke, in Wasser leicht lösliche Flüssigkeit, die erst bei längerm Stehen krystallisiert. Mit Wasserdämpfen ist sie flüchtig.

Glyoxylin oder Schießwoll-Dynamit, ein Sprengstoff, der zu den Dynamiten (s. d.) und speciell zu den Abeliten (s. d.) gehört; er wurde als der älteste Repräsentant dieser Klasse 1867 von Sir Fred. Abel erfunden. Er besteht aus 65 Teilen Nitroglycerin, 30 Teilen Schießbaumwolle, 4 Teilen Kalisalpeter und 1 Teil Soda.

Glyoxylsäure, s. Glyoxalsäure.

Glyphogenie, eine besondere Methode der Ätzung von Stahlplatten. Die im Ätzgrunde auf gewöhnliche Weise radierte Platte wird mit einem 2-3 cm hohen Wachsrand umgeben und mit Vorätzwasser (destilliertem Wasser mit 5 Proz. reiner Salpetersäure und einem Zehntel seines Volumens Weingeist) übergossen, bis die radierten Striche sich braun färben. Die Platte wird dann mit Spülwasser (destilliertem Wasser mit dem dritten Teil seines Volumens Weingeist vermischt) abgewaschen und durch Aufblasen von Luft mittels Blasebalgs getrocknet, worauf man wieder Vorätzwasser aufgießt, bis die Striche braun erscheinen. Dann wird die Flüssigkeit abgegossen und durch Ätzwasser (30 Teile destilliertes Wasser, 15 Teile Weingeist, 6 Teile reine Salpetersäure, 1/2 Teil Höllenstein) ersetzt, das die Platte 15 mm hoch bedecken muß. Das Ätzwasser bleibt auf der Platte, bis der sich bildende feine Schlamm die ganze Fläche gleichmäßig bedeckt, worauf die Platte mit reinem Wasser vermittelst eines weichen Haarpinsels so lange gewaschen wird, bis alle Striche ausgewaschen erscheinen. Je nach der beabsichtigten Tiefe der Striche wird die Ätzung noch ein- oder mehreremal wiederholt. Flacher zu haltende Stellen deckt man durch Auftragen eines in Terpentinöl gelösten Ätzgrundes. Die Ätzung ist bei einer Temperatur von annähernd 15° C. auszuführen.

Glyphographie, Chemiglyphie, ein von Palmer in London erfundenes und von Ahner in Leipzig vervollkommnetes Verfahren, Buchdruckgalvanos in Holzschnittmanier so herzustellen, daß die Zeichnung direkt zur Herstellung von Reliefgalvanos benutzt wird. Hierbei wird eine Kupferplatte mit Schwefelkalium oder Schwefelleberlösung behandelt. Das sich bildende Schwefelkupfer giebt der Platte einen schwarzen Grund; nachdem sie mit Wasser abgespült und getocknet ist, wird sie mit einer schreibpapierstarken Wachsschicht oder einem weißen Radiergrunde aus burgund. Pech, Wachs, Kolophonium, Walrat und Zinkweiß überzogen und dann die Zeichnung mit der Radiernadel in den weißen Grund, wie sie im Druck erscheinen soll, bis auf den schwarzen Grund eingeritzt, und es darf auf keinen Fall das blanke Kupfer freigelegt werden. Die radierte Zeichnung erscheint alsdann tiefschwarz auf weißem Grunde. Die Platte wird nun graphitiert und im galvanischen Apparat eine Hochdruckplatte erzeugt.

Glyptik (grch.), die Kunst, in Stein oder Metall Figuren erhaben oder vertieft einzugraben. (S. Steinschneidekunst.)

Glyptodon hat Owen eine jetzt in mehrere Untergattungen (Chlamydothermium, Panochthus) geteilte Gattung riesiger fossiler Panzertiere genannt, welche zwar den heutigen Gürteltieren in vielen Beziehungen nahe standen, aber doch in andern wesentlich abwichen. Sie erreichten die Größe des Tapirs oder Nashorns, hatten einen runden, abgestutzten Kopf wie die Faultiere und mit diesen auch einen absteigenden Fortsatz am Jochbeine gemein. Die Kiefer trugen nur wurzellose Backzähne, die durch tiefe Einkerbungen von beiden Seiten her in rautenförmige Prismen zerlegt scheinen. Auf dem oben nur sehr dünnen Schädel befand sich eine, wie der übrige Panzer, aus einzelnen Stückchen zusammengesetzte Deckplatte. Der Hautpanzer, welcher den ganzen Körper vom Halse bis zum Schwanze umschließt und nur am Bauche offen ist, zeigte keine Ringe, wie der Panzer der Gürteltiere, sondern bildete ein Zusammenhängendes, aus einzelnen, meist sechseckigen, oft mehrere Centimeter dicken Knochenstückchen zusammengesetztes Schild. Die Tiere konnten sich also nicht zusammenrolln, wie die Gürteltiere. Der Schwanz stak in einer ebenso gebildeten Röhre, die bald aus Ringen, bald aus einem Stücke