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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grosse - Größe
Neichsverfassnng im Frankfurter Parlament machte
sich zuerst dieser Gegensatz geltend. Nach Bildung
des Nationalvereins (s. d.), der das kleindeutsche
Progrannn zu verwirklichen suchte, versammelten
sich die Großdeutschen, etwa 500, am 28. Okt. 1862
in Frankfurt a. M. und gründeten daselbst den
DeutsckenReformverein, dessen Zweck war, die
Reform der deutschen Verfassung durch Einsetzung
eines Vundesdirektoriums und einer Versammlung
von Delegierten der einzelnen Kammern zu fordern,
auf der Grundlage der Erhaltung der vollen In-
tegrität Tcutfchlands. Dieser Verein bestand meist
aus Süddeutschen, und zwar aus aristokratischen,
klerikalen und demokratischen Elementen, unterstützte
das österr. Reformprojekt 1863 (s. Deutschland und
Deutsches Reich, Bd. 5, S. 199) und sprach sich
ebenso wie der Nationalverein in der schlesw.-Hol-
stein. Sache für das Erbrecht des Herzogs Friedrich
von Augustenburg aus. Nach der Gründung des
Norddeutschen Bundes (1866) agitierten die Groß-
deutschen für die Errichtung eines Südbnndes und
für engen Anschluß an Österreich. Das I. 1870
nahm dem Programm der Großdeutschen jede polit.
Bedeutung.
Grosso (frz., spr. gross'), in der franz. Nechts-
sprache die mit derVollstreckbarkeitsformel versehene
Ausfertigung eines Urteils oder einer Notariats-
urkunde.
Grosse, Julius, Dichter, geb. 25. April 1828
in Erfurt, studierte in Halle und ging 1852 nach
München, um die Akademie der bildenden Künste
zu besuchen; doch bald siegte die Neigung zur Poesie.
)855 übernahm G. die Mitredaktion der "Neuen
Münchener Zeitung" (später "Bayr. Zeitung"), bis
diese (1867) von der "Süddeutschen Presse" ver-
drängt wurde. 1870 erhielt er einen Ruf als Sekretär
der Schiller-Stiftung nach Weimar und siedelte als
solcher mit jedem Wechsel des Vorortes nach Dres-
den, Weimar, München und zuletzt wieder (1890)
nach Weimar über. G. bewegt sich auf allen Ge-
bieten dichterischen Schaffens mit großer Formge-
wandtheit. Seine ersten "Gedichte" erschienen 1857
(Göttingen); sie wurden weit übertroffen von den
Gedichten "Aus bewegten Tagen" (Stnttg. 1869).
Eine nene Ausgabe sämtlicher Gedichte G.s veran-
staltete Paul Heyse (Berl. 1882). Zu dem Besten, was
G. gedichtet hat, gehören seineKriegslieder "Wider
Frankreich" (Berl. 1870). In den "Episoden und
Epilogen" (Münch. 1888; 2. Aufl. 1890) tritt die
Ballade in den Vordergrund. Von seinen größern
epischen Dichtungen (Gesamtausgabe: "Erzählende
Dichtungen",6Bde.,Berl.1872-73; später erschien
nock "Das Volkramslied", Dresd. 1889; 2. Aufl.
1890) verdienen außer der "Gundel vom Königssee"
(die auch mehrfach für die Bühne bearbeitet wurde)
das "Mädchen von Capri" und "Der graue Zelter"
den Vorzug. Auch das komische Epos wurde von
G. mit Glück gepflegt, wie sein "Pesach Pardel, ein
modernes Epos in zehn Gesängen" (Halle 1871)
und "TerWasungerNot", tragikomisches.Heldenlied
aus dem 18. Jahrh. (Berl. 1872), beweisen. Seine
zahlreichen dramat. Werke erschienen gesammelt in
sieben Bänden (Lpz. 1870); einen Erfolg auf der
Bühne errang ernnr mit "Tiberius". G. liebt in der
ernsten Noveile das psychol. Problem, in der heitern
das seltsam Barocke. Von seinen Novellen und
Romanen sind zu erwähnen: "Novellen" (3 Bde.,
Münch. 1862-64), "Untreu aus Mitleid" (2 Bde.,
Braunschw. 1868), "Maria Mancini" (2 Bde.,
Stuttg. 1869; 2. Aufl. 1871), "Ein Revolutionär"
(ebd. 1869; 2. Aufl. 1871), "Eine alte Liede"
(Braunfchw. 1869), die großenteils phantastischen
Erzählungen "Vox populi, Phantasiestücke aus der
Theaterwelt" (ebd. 1869), "Gegen den Strom"
(3 Bde., ebd. 1871), "Offene Wunden" (3 Bde., Lpz.
1873), "Ein bürgerlicherDemetrius" (Dresd. 1884),
"Der getreue Eckart" (2 Bde., Verl. 1885), "Mi-
mosen. Theaternovellen" (Münch. 1886), "Der
Spion" (2 Bde., Dresd. 1887), "Das Vürgerweid
von Weimar" (2 Bde., Vresl. 1887), "Ein Frauen-
loos. Roman" (Münch. 1888), "Tante Carldore.
Roman" (2 Bde., Dresd. 1890), "Am Walchcnsec"
(ebd. 1893) u. a. In freier Nachbildung veröffent-
lichte G. die "Gedichte des Großfürsten Konstantin"
(Berl. 1891). - Vgl. H. Ethe, Julius G. als epischer
Dichter (Berl. 1874).
Große, Theodor, Maler, geb. 23. April 1829 zu
Dresden, kam 1843 erst als Bildhauer auf die Dres-
dener Akademie und trat 1847 in das Atelier Bende-
manns ein. 1852 malte er eine Leda mit dem Schwane
(in der Dresdener Galerie) und 1853 ein Mädchen
mit der Laute. Auch half er Vendemann an den
Bildern im königl. Schlosse und führte 1854 in der
Kuppel und im Venetianerfaale des Neuen Mu-
senms gran in grau Allegorien aus. Im Schlosse
zu Wildcnfcls malte G. im Auftrage des Grafen
Solms 1856 - 58 mit Wachsfarben die geistlichen
und weltlichen Tugenden, später Scenen aus der
Geschichte der Grafen Solms. 1858 ging er als
Stipendiat der Akademie nach Florenz, dann nach
Rom, wo er längere Zeit im Umgänge mit Corne-
lius lebte und unter anderm 1863 eins feiner besten
Ölbilder: Besnch der drei Engel bei Abraham (Städti-
sches Mnseum zu Leipzig) schuf. Nach seiner Rück-
kehr aus Italien vollendete er 1864-71 die Ans-
malung der östl. Loggia des Leipziger Museums
(Mythen und Allegorien im Gebiete der Kunst; photo-
graphisch nachgebildet, mit Text vonIordan, 6 Lfgn.,
Lpz. 1865-74). Seit 1867 lebte G. wieder in Dres-
den, wo er als Professor an der Kunstakademie thätig
war und 12. Okt. 1891 starb. Für das dortige nene
Theater besorgte er 1877 die Ausschmückung des
Foyer mit Darstellungen aus dem Sagenkreis des
Bacchus. Die Dresdener Galerie besitzt sein großes,
1879 vollendetes Ölgemälde: Ankunft der Seelen
im Purgatorio, nach Dante. Auch als Porträtmaler
war G. vielfach beschäftigt. Sodann malte er: Das
Urteil des Neides (1885), Madonna am Rosenbnscd
sitzend (1886). In den achtziger Jahren schmückte
G. außerdem die Aula der Landesschule St. Afra in
Meißen mit Wandgemälden aus, welche die Alle-
gorie der Wissenschaft, Plato im akademischen Haine,
Aristoteles unter seinen Schülern und Cicero gegen
Catilina darstellen. Auf der Internationalen Kunst-
ausstellung in Berlin 1891 sah man von ihm: Ma-
donna mit dem Kinde, Der gesteinigte Etephanus
wird aufgefunden.
Größe, der Begriff des Wie groß, ist als einer der
fundamentalsten aller Erkenntnisbegriffe von Aristo-
teles wie von Kant unter die Kategorien (s. d.)
aufgenommen. Der Ausdruck der bestimmten G.
ist die Zahl. Sie beruht auf der Einheit. Aus
Einem und wieder Einem u. s. f. entsteht, durch Ver-
knüpfung mehrerer Einheiten zu einer neuen Ge-
dankeneinheit, die Zweiheit, Dreiheit u. s. w., allge-
mein die Vielheit (Mehrheit). Wird eine Vielheit
als abgeschlossen, d. h. wiederum als Einheit vor-
gestellt, so entsteht der Begriff der Allheit. Wiro
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