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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haarkalk - Haarmenschen

entspannt wird, aber leicht wieder durch die Stellschraube f in die richtige Spannung gebracht werden kann; g ist das abnehmbare Gehäuse. Der Zeiger c giebt auf der Skala b direkt die relative Feuchtigkeit an. Das H. von Klinkerfues bietet den Vorteil, daß der Zeiger auf einer horizontalen Fläche spielt und sich so bequemer beobachten läßt. Ähnlich wie die Haare lassen sich auch Pflanzenfasern (z. B. von Geranium), Darmsaite, Holz, Elfenbein, Fischbein u. s. w. verwenden.

Haarkalk, s. Mörtel.

Haarkies, Mineral, s. Millerit.

Haarknopf, Haarkrankheiten, s. Haare (animalische, S. 606 a und 607 b).

Haarkugeln, soviel wie Bezoarsteine (s. d.).

Haarlem (Harlem), Hauptstadt der niederländ. Provinz Nordholland, 17 km im W. von Amsterdam, an den Linien Rotterdam-Amsterdam (90 1cm), H.-Uitgeest (18 km) und H.-Zandvoort (9 km) der Holländ. Eisenbahngesellschaft, unweit vom Haarlemer Meer (s. d.), am Spaarne, der durch Kanäle mit Amsterdam und Leiden in Verbindung steht, hat (1891) 53 692 E. und ist Sitz eines kath. Bischofs. Die reinlichen, von Kanälen durchschnittenen Straßen sind fast durchgehends mit Bäumen besetzt. Auf dem Großen Markte befindet sich seit 1856 das 4 m hohe eherne Standbild von L. J. Coster (s. d.); unter den Kirchen zeichnet sich die Kathedrale oder die reform. Groote Kerk (St. Bavo) aus, Ende des 15. Jahrh. erbaut, eine kreuzförmige Basilika, 140 m lang, mit 1519 vollendetem, 80 m hohem, durchsichtigem Glockenturm und einer weltberühmten, 1735-38 aufgestellten Orgel (4 Klaviaturen, 8000 Metallpfeifen, 64 Register), ferner der Ziegelbau der Fischhalle (1602-3 errichtet) und das Rathaus, ursprünglich ein Palast der Grafen von Holland, mit Gemäldesammlung, die neben andern holländ. Bildern acht große Gemälde Frans Hals' enthält. Andere Sammlungen sind: das bischöfl. Museum mit kirchlichen Altertümern, das Teyler-Museum, Stiftung eines Kaufmanns, mit physik. und geolog. Kabinett, Sammlung von modernen Gemälden und Radierungen, einer Bibliothek und einem Saale für wissenschaftliche Vorlesungen, ferner das Kunstgewerbemuseum (1877 vom Verein zur Förderung des Gewerbfleißes gegründet), und das Kolonialmuseum mit reichhaltigen ostind. Sammlungen, beide im Pavillon, einst Lustschloß Ludwig Napoleons, und die städtische Bibliothek. H. ist Sitz der 1752 gegründeten holländ. Gesellschaft der Wissenschaften, welche über bedeutende Einkünfte verfügt, hat ein Gymnasium, ein auch von Teyler gestiftetes Armenhaus, ein reform. Mädchenwaisenhaus und andere Wohlthätigkeitsanstalten. H. besitzt die angeblich älteste Buchdruckerei der Niederlande. Früher war die Industrie blühend. Jetzt sind die Fabriken in Seide, Leinwand, Zwirn u. s. w. herabgekommen, wichtig sind noch Rotfärberei, Baumwollbleicherei und Druckerei, Spinnerei, Maschinenweberei und Kautschukfabrikation. Berühmt ist die Blumenzucht, die im S. und W. der Stadt in großartigstem Maßstabe getrieben wird. Im S. liegt das parkähnliche Haarlemer Holz, nahe den Dünen das Dorf Bloemendaal. - Die Stadt war schon um die Mitte des 12. Jahrh. wohlhabend und nahm an den Kriegen Hollands mit den Westfriesen bedeutenden Anteil. Sie wurde 1492 durch die aufständischen nordholländ. Bauern eingenommen, von dem kaiserl. Statthalter Herzog von Sachsen wieder erobert, aller Privilegien beraubt und mit drückenden Steuern belegt. Bei dem Aufstand der Niederlande trat H. 1572 auf die Seite der Verbündeten, mußte sich aber 13. Juli 1573 nach siebenmonatiger Belagerung an Albas Sohn, Friedrich, ergeben, der furchtbare Rache nahm. Nachdem 1577 der Prinz von Oranien die Stadt wieder genommen, blieb sie seitdem mit den Niederlanden vereint. Ihre höchste Blüte erreichte sie im 17. Jahrh.; allmählich sank ihr Wohlstand.

^[Abb.]

Haarlemer Balsam, Terpentin-Schwefelbalsam (Oleum Terebinthinae sulfuratum, Balsamum Sulfuris terebinthinatum), früher offizinell, eine Lösung von 1 Teil geschwefeltem Leinöl in 3 Teilen Terpentinöl, gilt als Universalheilmittel und wird als Geheimmittel viel vertrieben.

Haarlemer Meer hieß früher ein 45km langer und 22 km breiter See in den niederländ. Provinzen Nord- und Südholland, zwischen Haarlem, Leiden und Amsterdam. In alten Zeiten befanden sich hier vier kleinere Seen: das Alte, das Leidensche, das Spiering- und Helle Meer, die Ende des 16. Jahrh. infolge eines Einbruchs des Meers zu einer Wasserfläche vereinigt wurden. Die Tiefe betrug nur 4 m, doch stieg das Wasser, das durch den Spaarne mit dem Meeresarm des Y und durch diesen mit der Zuidersee in Verbindung stand, oft zu bedeutender Höhe und konnte nur durch Deiche und Schleusen zurückgehalten werden. Um den Gefahren vorzubeugen und nutzbares Land zu gewinnen, begann man 1840 das H. M. auszutrocknen. Man umgab es rings mit einem Kanal, lenkte in diesen die in das Meer mündenden kleinen Gewässer ein und führte sie daraus in das Y (jetzt Nordseekanal) ab; der Kanal sollte zugleich zur Unterhaltung der Schifffahrt dienen. Die ausgegrabene Erde wurde nach der Seite des Meers aufgeworfen und dadurch mit Hinzufügung großer Massen von Dünensand ein ebenfalls das Meer umschließender Deich gebildet, über welchen hinaus das Wasser (800 Mill. cbm) mittels dreier mächtigen Dampfpumpmühlen hinausgeschleudert wurde. Die Trockenlegung war 1853 mit einem Aufwand von 8 981 344 holländ. Fl. (15 268 284 M.) vollendet. Die gewonnene Bodenfläche (der Haarlemer Polder) ist jetzt eine Insel von 180 qkm und bildet die Gemeinde Haarlemer-Meer mit (1891) 15 559 E. Der Boden, meist sehr fruchtbar, erzeugt hauptsächlich Öl und Hafer und wird zur Viehzucht benutzt.

Haarlemer Polder, s. Haarlemer Meer.

Haarlinge, Pelzfresser (s. d.) der Säugetiere.

Haarmenschen (Hundemenschen, Bärenmenschen), Menschen, die mit einer seltenen Mißbildung, der sog. Hypertrichosis universalis behaftet sind. Ein sehr weicher, abnormer Haarwuchs bedeckt ihren Rumpf und ihre Extremitäten. Ganz besonders dicht findet sich aber die abnorme Behaarung im Antlitz, wo sie außer dem roten Lippensaum und dem obern Augenlid keine Stelle unbedeckt läßt. Die Kopfhaare wachsen über die ganze Stirn bis zu den Augenbrauen herab. Die Nase ist mit langen Haaren dicht bedeckt, welche dem Gesicht das Aussehen eines Affenpinscherkopfes geben. Stirn, Oberlippen und Wangen sind ebenfalls dicht behaart, letztere namentlich in der Nähe der Ohren. Die Ohrmuscheln tragen auf der Innen- und Außen-^[nächste Seite]