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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamburg
Badeanstalt eine mitten im Wasser belegene Restan-
ration "Alsterlnst" entstanden, die ebenso wie das
"Fährhaus" auf derUhlenhorst im Sommer beson-
ders während der Regatten viel besucht wird. Die
zweimal jährlich auf der Rennbahn bei Horn ab-
gehaltenen großen Rennen sind durch den "Deut-
sches Derby" genannten großen Wettlauf weit be-
kannt. Eine zweite Bahn befindet sich bei Groß-
Vorstel (nördlich von H.), ferner eine Bahn für Trab-
fahrcr auf dem Mühlenkamp in Winterhude,während
die Nadfahrer ihre Fahrbahn in Harvestehude be-
sitzen ; selbst für regelmäßige Hundcrennen ist gesorgt.
Die weitere Umgebung bietet reiche Abwechselung
für Ausflüge mit Dampfbooten die Elbe hinab bis
Blankenese oder aufwärts uach den Vierlanden.
Geschichte. H. soll dadurch begründet worden
sein, daß Karl d. Gr. zu Anfang des 9. Jahrh,
auf der Höhe zwischen der Elbe und dem östl. Ufer
der Alster als Vormauer gegen die benachbarten
Heiden eine Burg und eine Kirche (den spätern Dom)
erbauen ließ. 823 erbaute Erzbischof Eppo, der
von Ludwig dem Frommen mit der Verbreitung
des Christentums in Nordalbingien betraut wurde,
in dem nach ihm benannten Eppendorf eine Ka-
pelle. 831 wurde H. Bistum (f. Ansgar), 834
Erzbistum; doch wurde nach der Plünderuna durch
die Normannen (845) das Erzbistum mit Bremen
vereinigt. Die Lage an den Flüssen Alster und Bille
fowie an demjenigen Punkte der Elbe, wo die Flut
aufhörte aus der See hinaufzutreiben, und die
Fischerei veranlaßten sehr bald viele, sich daselbst
anzubauen. Die von den Dänen und Slawen mehr-
mals zerstörten Anlagen wurden schnell wiederher-
gestellt und H. fortwährend erweitert. Als Handels-
ort begann es im 12. Jahrb. wichtig zu werden,
beschirmt durch die Grafen Schauenburg (Adolf Hl.
ist der Schöpfer der damaligen Neustadt) und be-
günstigt namentlich vom Kaiser Friedrich I., der
l l89 für hamburgische Schiffe und Waren die Elbe
von H. bis zur Ausmündung vom Zoll befreite, und
Kaiser Otto IV., der H. zur Freien Reichsstadt erhob.
Bereits im Besitze eines ansehnlichen Gebietes
und einer Menge Immunitäten, hob sich die Stadt
als Mitglied der Hansa (s. d.), zu der sie durch ihre
Handelsverbindung mit Lübeck den Grund legte,
immer mächtiger empor. Auch erwarb sie Güter
uud Dörfer in der Nähe und 1304 das Amt Ritze-
büttel. Nach dem Verfall der Hansa wußte sich H.
seinen Handel blühend zu erhalten, und seine ban-
seatifche Verbindung mit Lübeck und Bremen bestand
ununterbrochen bis 1810 und wurde 1813 und 1814
wieder angeknüpft. Die Einführung der Refor-
mation geschah durch den Receß vom 18. Febr. 1529.
Doch behauptete der Bischof von Bremen den Dom
fortwährend und im Westfälischen Frieden kam der
selbe an Schweden, später mit dem Herzogtum Bre-
men an Hannover. H. erhielt 1618 von demReichs-
kammergericht die Reichsstandschaft ausdrücklich zu-
erkannt. InsolgedessenbedrohteDäneluarkdie Stadt
mit Krieg, die nur durch große Opfer den Frieden
zu erkaufen und endlich zum ruhigen Besitze der
Reichsstandschaft zu gelangen vermochte. Der
Dreißigjährige.Nrieg, während dessen ganzer Dauer
sie keinen Feind in ihren Mauern sah, führte ihr
eine Menge neuer Bewohner zu, nachdem schon
früber zahlreiche Niederländer eingewandert waren.
Dennoch herrschten im 17. Jahrh, in der Stadt fort-
während Unruhen, die wiederholt zu Ausständen
gegen dcn Senat führten und 1708 so gefährlich
wurden, daß die angesehensten Bürger das Reich
um Vermittelung angingell, worauf der Receh von
1712 zu stände kam, auf dem die bis 1860 geltende
Verfassung H.s beruhte.
Während sich die Vürgerzahl durch Einwanderung
vom Rhein, aus den Niederlanden und aus Frank-
reich mehrte, hob sich auch der Handel zur höchsten
Blüte, besonders durch den unmittelbaren Verkehr
mit den amerik. Freistaaten sowie durch die Kriege in
denNiederlandenundamRhein,infolgederensichein
bedeutender Teil des dortigen Handels nach H. zog.
1803 erhielt die Stadt auch den Dom nebst Zubehör
zufolge des Reichsdeputationshauptschlusses, und
ihre Selbständigkeit, besonders Dänemark gegen-
über, wurde von neuem anerkannt. So war H. zu
Allfang des 19. Jahrh, einer der reichstell und glück-
lichsten Freistaaten. Das Einrücken der Franzosen
in Hannover 1803 hatte jedoch auch für H. bald fehr
nachteilige Folgen. Die Stadt sah sich gezwungen,
den hannov. ständen 2125000 M. Vco. vorzu-
schießen. Die Franzosen bemächtigten sich 1806 des
Amtes Ritzebüttel, um den Engländern die Elbe zu
sperren, und nach der Schlacht bei Lübeck besetzten
19. Nov. 1806 die Franzosen unter Mortier die Stadt,
worauf England eine Blockade der Elbe verfügte.
H. mußte nun seinen Seehandel über Tönnina,
und Husum betreiben, und was durch das Hanno-
vcrsche und die Elbe aufwärts verschickt werden
follte, mußte als nichtbrit. Ursprungs gekennzeichnet
werden. Nach dem Frieden von Tilsit wurde die
Stadt von den franz. Truppen geräumt und unab-
hängig, doch war dies nur ein Schatten der vorigen
Unabhängigkeit. Auch ward sie fortwährend von
franz. Befehlshabern ausgesogen und litt infolge
der Dekrete Napoleons, die alles Leben der Gewerbe
und des Handels lahmten, unberechenbar. Endlich
wurdeH. sogar durch das Dekret vom 13. Dez. 1810
dem franz. Reiche förmlich einverleibt und derHaupt-
ort des neugeschaffenen Departements der Elbe-
mündungen. Nachdem 18. März 1813 der russ.
Oberst Tettenborn die Stadt besetzt hatte, stellte sie
sofort ihre frühere Verfassung wieder her und rüstete
sich zur Teilnahme an dem Kampfe gegen Frank-
reich. Allein sehr bald drängten die Franzosen die
Verbündeten zurück, bemächtigten sich wieder des
linken Ufers der Niederelbe und begannen in der
Nacht auf den 20. Mai, nachdem tags vorher die
dän. Hilfstruppen abgezogen waren, die Stadt zu be-
schießen. Infolge von Mißverständnissen zwischen
den militär. Befehlshabern und dem Senat suchte
letzterer dän. Vermittelung nach, weshalb 29. Mai
Tettenborn die Stadt räumte. Noch vor der Kapi-
tulationrücktelldieDänellalsfranz.Bundesgenosscn
und 30. Mai abends der Marschall Davout mit
Truppen in die Stadt ein. Teils um die Stadt zu
befestigen, teils um sie zu züchtigen, wurden die
härtestell Maßregeln schonungslos durchgeführt.
Man trieb eine Geldbuhe von 48 Mill. Frs. teil-
weife ein, und Davout nahm 5. Nov. die Bank
mit 7506956 M. Vco. in Befchlag. Ende 1813
waren nach und nach mehr als 30000 Menschen
aus der Stadt getrieben und der Strenge des Win-
ters preisgegebeil. Gleichzeitig brannteil die Fran-
zosen die Wohnungen von etwa8000 E. nieder. Da
die Russen unter Wallmoden und dann unter Ben-
uigsen zu einer Belagerung nicht stark genug waren,
blieb Davout bis nach Beendigung des Krieges im
Besitz der Stadt, die er erst 31. Mai 1814 räumte
und die nun Bennigsen bis zu Ende des Jahres be-
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