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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn
selben bis jetzt über 143 Mill. M. betragen. Nach
Beendigung der Vorarbeiten und nachdem die in
das Freihafengebiet einzuziehenden Gebände (es
waren im ganZen über 500, welche von 23000 Men-
schen bewohnt waren) niedergerissen waren, began-
nen 1884 die eigentlichen Vauarbeiten, die so ge-
sördert wurden/daß 15. Okt. 1888 der Anschluß H.s
an das Zollgebiet und bereits zwei Tage später der
sreie Verkehr eintreten konnte (die Nachversteuerung
der in dem angeschlossenen Gebiete befindlichen zoll-
pflichtigen Waren ergab einen Reinbetrag von
5,7 Mill. M., der in die hamburgische Staatskasse
floh). 29. Okt. besuchte Kaiser Wilhelm II. H. und
setzte in der Brooksbrücke den Schlußstein, womit
der Zollanschluß sein würdigstes Ende erfuhr.
Mit dem Eintritt H.s in die Zollgemeinschaft
war die weitere Entwicklung seines Handels zwar
zum Teil in andere Bahnen gelenkt, aber keineswegs
behindert worden; das zeigte sich in dem Anwachsen
des Schiffsverkehrs in den nächsten Jahren, was
eine weitere beträchtliche Ausdehnung der Hafen-
anlagen nötig machte, fowie in dem Beschlusse der
Anlegung eines großen Nothafens in Cuxhaven,
wofür 1890: 7,0 Mill. M. bewilligt wurden. Der
allgemeine wirtschaftliche Rückgang der letzten Jahre
hat auch H. nicht unberührt gelassen, doch wuchs der
Schiffsverkehr, wenn auch in geringerm Maße, stetig
dvs Mitte 1892. Eine große Schädigung des Han-
dels hatte die im August 1892 plötzlich ausgebrochene
Choleraepidemie zur Folge. Diefe wahrscheinlich
zur See eingeschleppte Seuche verbreitete sich mit
außerordentlicherSchnelligkeit über die ganze Stadt,
sodaß die Zahl der Erkrankungen an Cholera von
2 am 16. Aug. bis auf 1024 am 27. Aug. stieg;
die höchste Zahl der an einem Tage (2. Sept.) an
Cholera Gestorbenen betrug 561. Infolge der
energischen und umfassenden Bekämpfung der Epi-
demie (wofür über 3 Mill. M. bewilligt wurden)
war dieselbe bereits Ende Oktober erloschen; sie hatte
im ganzen 16956 Personen ergriffen, von denen
8605 starben. Der Verlebr zu Lande war aus Angst
vor Einschleppung der Seuche auch nach deren Er-
löschen außerordentlich vermindert worden, noch
viel stärker war aber der Rückgang im Seeverkehr.
Die Anzahl und der Tonnengchalt der von H. aus-
gehenden Seeschiffe betrug in den Monaten Septem-
ber und Oktober 1892 zusammen 1262 mit 812000 t
(davon ein großer Teil in Ballast) gegen 178l mit
1 134000 t'in denselben Monaten 1891; in den
ersten sechs Monaten 1893 hob sich der Seeverkehr
jedoch wieder auf 4152 ausgehende Schiffe mit
2815000 t. Die bereits vor'dem Ausbruche der
Cholera als notwendig oder doch wünschenswert
empfundenen Änderungen in verschiedenen Zweigen
der Verwaltung, was schon vordem zur Reorgani-
sation der Polizeibehörde, der Armenverwaltnng
u. a. geführt hatte, wurden nunmehr als dringend
anerkannt; zur Vorbereitung dieser Änderungen
wurde eine aus Senats - und Bürgerschaftsmitglie-
dern bestehendeKommission eingefetzt. Behufs Besse-
rung der Gefundheitsverhültnisse wurden umfang-
reiche und tief einschneidende Maßregeln ergriffen,
so die Errichtung eines Hygieinischen Instituts, die
beschleunigte Fertigstellung der großartigen Sand-
filter der Wasserkunst (Mai 1893 beendet), die Re-
vision des Vaupolizeigesetzes, wodurch für die neu
zu erbauenden Wohnungen für reichlichere Zufuhr
von Luft und Licht gesorgt ist, sowie das vom Renate
hei der Bürgerschaft beantragte Gesetz über die
Wohnungspflege, durch welches insbesondere die
Bewohnung der ältern ungesunden Wohnungen ver-
hindert und die Benutzung der Gelasse zu Wohn-
zwecken überhaupt gewissen Beschränkungen und
einer stetigen Überwachung unterworfen werden soll.
Die Errichtung gesunder und billiger Arbeiterwob-
nungen durch gemeinnützige Gesellschaften unter Bei-
hilfe des Staates ist gleichfalls geplant.
Litteratur. Außer vielen andern Schriften
Lappenbergs (s. d.) vgl. dessen Hamburgisches Ur-
kundenbuch, Bd. 1 (Hamb. 1842), die "Zeitschrift"
des von ihm gegründeten Vereins für Hamburgische
Geschichte (seit 1841) und die "Mitteilungen" dieses
Vereins (seit 1879); ferner Hetz, H., topographifch,
politisch und historisch beschrieben (2. Aufl., 3 Bde.,
Hamb. 1810-11); Bärmann, Hamburger Denk-
würdigkeiten (anonym, ebd. 1794; Anhang 1796);
ders., H.s Chronik (2. Aufl., ebd. 1822); Beneke, H.s
Geschichten und Sagen (2. Aufl., ebd. 1854); ders.,
Hamburgische Geschichten und Denkwürdigkeiten
(ebd. 1856); Neddermeyer, Topographie der freien
und Hansestadt H. (ebd. 1832); ders., Zur'Statistik
und Topographie der Freien Stadt H. (2 Bde.,
ebd. 1847); Wichmann, Heimatskunde (ebd. 1863);
Gallois, Geschichte der Stadt H. (ebd. 1867); ders.,
Hamburaische Chronik (2. Aufl., 5Bde., ebd. 1870);
die Publikationen des Statistischen Bureaus:
Statistik des Hamburgischen Staates (seit 1867,
16 Hefte); H., die Stadt, die Vororte, Gemeinden
und Ortschaften des Hamburgischen Staates (1875)
und Statist. Handbuch für den Hamburgifchen Staat
(1874, 1880, 1885, 1891);'die alljährlich vom
Handelsstatistischen Bureau herausgegebenen Ta-
bellen: H.s Handel und Schisfahrt; Gädechens,
Histor. Topographie der Freien und Hansestadt H.
(2. Aufl., Hamb. 1880); Scclig, Führer durch Ham-
burg-Altona und Umgegend (24. Aufl., ebd. 1892);
von Melle, HamburgM)es Staatsrecht (ebd. 1890);
H. und feiiie Bauten (ebd. 1890); Dilling, Landes-
tunde der Freien und Hansestadt H. und ihres Ge-
bietes (Bresl. 1893); H.s Handel und Verkehr.
Illustriertes Erporthandbuch der Börsenhalle 1892
-94 (Hamb. 1892); von Halle und Koch, Die
Cholera in H. in ihren Ursachen und Wirtungen
(3 Tle., ebd. 1893); Um- und Ausbau der Ham-
burgischenStaats-lmdSelbstverwaltung(ebd.1893).
Hamburg - Altonaer Verbindungsbahn,
mit Einschluß derVerbindungsstrecke nach demBahn-
bofe der Berlin-Hamburger Eisenbahn, dem sog.
Berliner Bahnhofe, und dem Venloer (Hannover)
Bahnhof, 8 km lang, verbindet die Hamburger Sta-
tionen Klosterthor, Dammthor und Sternfchanze
mit dem auf Altonaer Gebiet gelegenen Stationen
Holstonstraße (früher Schulterblatt) und Altonaor
Bahnhof. (Bei dem bevorstehenden Umbau der
H. V. ^f. unten^j werden auch noch Änderungen in
den Stationen eintreten.) Die anf Kosten der Ältona-
Kicler Eisenbahn (s. d.) hergestellte Strecke vom
Altonaer Bahnhof bis zur frühern Station Schulter-
blatt wurde 30. Sept. 1865, der übrige dem Ham-
burger Staat gehörende Teil 16. Juli 1866 eröffnet.
Die Hamburger Strecke, ursprünglich von der
Altona-Kieler Eifenbahn auf 3 Jahre gepachtet, ging
1. Jan. 1870 in den Betrieo der Berlin-Hamburger
Eifenbahn über. Seit der 1884 erfolgten Verstaat-
lichung der Altona-Kieler und der Berlin-Hamburger
Eisenbahn wird die Verbindungsbahn vom preuß.
Staate betrieben. Die Fahrpreise, die auch im Vor-
ortverkehr der Verbindungsbahn mit den Stationen