Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

720
Hammal - Hammer (Bernh.)
oder Kieseln (Sserir), sondern mit kantigen Stein-
splittern bedeckte Eluvialebenen, in denen nur wenige
Holzgewächse vegetieren.
Hammal, ein aus dem Arabischen in sämtliche
Sprachen des Islam aufgenommenes Wort, be-
deutet Lastträger. Die bekanntesten H. sind die-
jenigen Konstantinopels, meistens aus dem östl.
Anatolien stammende junge Armenier und Türken
von staunenswerter Kraft und Genügsamkeit, die
eine privilegierte Gilde mit einem selbstgewählten
Obern (H.Baschi) bilden.
Hammäm, s. Hamam.
ll2.nuna.tiokbru8, s. Eichenbockkäfer.
Hamme oder Hammi, mit Artikel el-Hammi,
bedeutet im Arabischen heiße Quellen. (S. Iarmuk
und Tiberias.)
Hamme, Ort in der belg. Provinz Ostflandern,
8 km im NNO. von Dendermonde, rechts derDurme
und an der Linie Dendermonde - St. Nicolas der
Belg. Privatbahnen, hat (1890) 12039 E., Ackerbau,
Tabakkultur, Spitzen- und Leinwandfabrikation.
Hammel oder Schöps, das zum Zwecke der
Mästung kastrierte männliche l^chaf.
Hammelburg. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.
Bez. Unterfranken, hat 350,70 hkm, (1890) 19 977
(9671 männl., 10306 weibl.) E., 36 Gemeinden mit
58 Ortschaften, darunter 1 Stadt. - 2) Bezirksstadt
im Bezirksamt H., 24km nordwestlich von Schwein-
furt und 19 km südwestlich von Kissingen, rechts
der frank. Saale und an der Nebenlinie Gemünden-
H. (27,8 km) der Bayr. Staatsbahnen, Sitz des
Bezirksamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht
Schweinfurt), hat (1890) 2889 E., darunter 42 Evan-
gelische und 172 Israeliten, Posterpedition, Tele-
graph, ein schönes Schloß, eine Lateinschule, Wein-
und Wiesenbau, Kalk- und Sandsteinbrüche. In
der Nähe das alte Schloß ^aaleck mit Weinbergen,
das Franziskanerkloster Altstadt, die Marienkapelle
Stcinthal sowie die Bergschloßruine Amalienburg.
Letztere wurde von der Schwester Karls d. Gr.
(Amaley) erbaut und bewohnt, später war sie Som-
mcrsitz der Bischöfe von Fulda. - H. wurde von Karl
d. Gr. der Abtei Fulda geschenkt; 1854 brannte es
fast ganz ab. Im Deutschen Kriege 1866 ging
10. Juli die preuß. Division Beyer (rechter Flügel
der Mainarmee) gegen H. vor und stieß auf die
bayr. 6. Infanteriebrigade und Teile der Reserve-
tavallerie und warf dieselbell über die^aale zurück.
Bei der Übermacht der Preußen gingen die Bayern
rechtzeitig zurück. - Vgl. Chronik der Kriegsereig-
nisse in der Stadt H. 1866 (Hammeld. 1867); Kunz,
Feldzug dcr Mainarmee 1866 (Berl. 1890).
Hammelsprung, eine ursprünglich scherzhafte,
jeftt allgemein gebräuchliche Bezeichnung für eme
besondere Art der Abzählung der Stimmen bei
parlamentarischen Abstimmungen (s. d.).
Hamme-Öste Kanal, s. Tabelle zum Artikel
Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6, S. 629).
Hammer, ein Werkzeug, das vermöge der ihm
erteilten lebendigen Kraft auf ein Werkstück oder
Werkzeug einen Schlag oder Stoß ausübt; dasfelbe
besteht aus dem Hammerkopf (dem eigentlichen H.)
und dem <^tiel (Helm). Der Hammerkopf hat je
nach der Arbeit, zu der er gebraucht wird, eine ver-
schiedene Gestalt. Fig. 1 zeigt die gebräuchlichste
Form, den sog. H andhammer (Vankham mcr,
Schmiedehammer). Die breite Fläche dieses H.
heißt Vabn, die schmale, spitz zulaufende Fläche Finne
oder Pinne. Das Gewicht der Handhämmer ist je
nach ihrem Zweck verschieden, doch sind dieselben nie
schwerer als 2,5 k^; schwerere H. von 3 bis 10 kF
heißenZuschlag- oder Vorschlaghämmer, weil
sie in den Schmieden von den Gehilfen des Schmie-
des, den Zuschlägern, geführt werden. Steht, wie
bei dem in Fia. 2 abgebildeten Zuschlaghammer,
die Finne parallel zum Stiel, so wird der H. auch
Kreuzschlag genannt. Fig. 3 zeigt den H. des
Fig. 4.
Fig. 5.
Tischlers, dessen Finne geschlitzt ist, um zum
Ausziehen von Nägeln dienen zu können. Die H.
zum Treiben, Biegen, Glätten, überhaupt zum Be-
arbeiten der Metalle auf kaltem Wege, haben
die mannigfaltigsten Formen; zwei folcher H., wie
sie beifpielsweise vom Kupferschmied gebraucht
werden, sind in Fig. 4 u. 5 veranschaulicht. Die
meisten H. bestehen aus Schmiedeeisen und haben
verstählte Arbeitsflächen. Neuerdings macht man
auch oft die kleinern H. ganz aus ^tahl; seltener
und nur ganz speciellen Zwecken dienend sind H.
aus Kupfer, Blei oder Holz. - über die mechanisch
bewegten H. s. Fallhammer. - über den als elek-
trischen Stromunterbrecher dienenden Neeffchcn oder
Wagnerfchen H. s. Wagnerscher Hammer.
Hammer (Na1i6U8), in der Anatomie das größte
und am weitesten nach außen gelegene der Gehör-
knöchclchen. (S.Gehör,Bd. 7, S. 689a, und Tafel:
Das Gehörorgan des MenschenI,Fig.3,i-.-,.)
Hammer, Beruh., fchweiz. Staatsmann, geb.
1822 zu Ölten, studierte in Genf, Areiburg i. Br.,
Berlin und Zürich Jurisprudenz, ließ sich dann in
^olothurn als Rechtsanwalt nieder und wurde 1850
zum Staatsanwalt, 1853 zum Amtsgerichtspräsi-
denten, 1856 zum Mitgliede des Verfassunas- und
Kantonsrates gewählt. Daneben widmete sich H. mit
Eifer dem Miütärwcsen, nahm 1847 als Artillerie-
offizier am Sonderbundskriege teil und avancierte
1862 zum Obersten und Oberinstruktor der Artillerie.
1868 wurde er Gesandter der schweiz. Eidgenossen-
schaft in Berlin, zuerst beim Norddeutschen Bunde,
dann beim Deutschen Reiche bis 1876; hierauf führte