Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Haverhill; Haversische Kanälchen; Haverstraw; Havet; Havin; Havlicek; Havre

913

Haverhill - Havre

broke in Wales und Municipalborough, liegt malerisch aus einem Hügel am Cleddy, dessen Ästuar kleinen Fahrzeugen den Zugang zur Stadt gestattet, 13 km im NNO. von Milford und an der Eisenbahn, hat (1891) 6179 E., eine alte St. Marykirche, Ruinen einer Augustinerpriorei (12. Jahrh.) und Mauern eines Kastells inmitten der Stadt. Infolge der Ansiedelung von Flamländern (1105) wird in H. nicht walisisch gesprochen.

Haverhill (spr. häwwĕrill), Stadt in der engl. Grafschaft Suffolk, im SO. von Cambridge, unweit des Stour, hat (1891) 4587 E.

Haverhill (spr. hehwĕrill), Stadt im County Essex des nordamerik. Staates Massachusetts, nördlich von Boston, auf der Nordseite des Merrimac, hat (1890) 27 412, mit Bradford 31 132 E., eine Stadthalle, Bibliothek, Kriegerdenkmal und Fabriken für Stiefel, Hausschuhe, Sohlen, Hacken u. s. w., im ganzen mehr als 200 Firmen dieses Geschäftszweiges, deren Erzeugnisse (1890) 25 Mill. Doll. Wert erreichten, außerdem Lederhandel.

Haversische Kanälchen, s. Knochen

Haverstraw (spr. häwwĕrstrah), Stadt im County Rockland des nordamerik. Staates Neuyork, am Westufer des Hudson, hat viele Ziegeleien und (1890) 5170 E.

Havet (spr. aweh), Ernest, franz. Schriftsteller und Philosoph, geb. 11. April 1813 zu Paris, wurde, nachdem er die Normalschule durchgemacht hatte, nach Dijon und 1846 als Suppleant Victor Leclercs an dem Lehrstuhl der Éloquence latine an die Sorbonne berufen. Dasselbe Lehrfach vertrat er seit 1855) am Collège de France als ord. Professor, was er bis 1885 blieb. 1880 wurde er in die Akademie der moralischen und polit. Wissenschaften des Instituts gewählt. Unter seinen Arbeiten sind namentlich zu erwähnen seine Doktordissertation "De la rhéthorique d'Aristote" (1846) und "De Homericorum poëmatum origine et unitate" (1843), deren Titel schon die Tendenz anzeigte. Besonders aber machte er sich bekannt als religiös-philos. Schriftsteller, namentlich durch eine Schrift "Jésus dans l'historie" (1863), die nichts weniger als orthodoxe Tendenzen verfolgte. In seinem Hauptwerk "Le christianisme et se origines" (4 Bde., Par. 1872-84) stellte er namentlich die Ansicht auf, daß der Ursprung des Christentums weniger in dem Alten Testament, als in der Idee der griech. Philosophie zu suchen sei. Dieselbe hellenistische Tendenz verfocht er in einer Schrift "Mémoires sur la date des écrits qui portent les noms de Bérose et de Manéthon" (1874). Er starb 20. Dez. 1889 in Paris. - Sein Sohn, Louis H., geb. 1849 in Paris, folgte ihm 1885 am Collège de France. Er veröffentlichte: "De Saturnio Latinorum versu" (1880) u. a. Dessen Bruder, Julian H., geb. 1853 in Vitry-sur-Seine, Hilfskonservator an der Nationalbibliothek, hat sich durch geschichtliche Quellenschriften bekannt gemacht.

Havin (spr. awäng), Léonor Joseph, franz. Publizist, geb. 3. April 1799 zu Paris, ging mit seinem 1816 verbannten Vater nach England und Belgien, kehrte 1830 nach Frankreich zurück und wurde zu Caen ein Führer der liberalen Partei. Er wurde 1830 Friedensrichter in St. Lo, 1831 Maire von Torigny und war 1831-48 Mitglied der Zweiten Kammer, wo er sich der Linken anschloß. In der Nationalversammlung 1848-49 hielt er sich zur gemäßigten Partei; 1849 trat er in den Staatsrat, aus dem er 1851 infolge des Staatsstreichs ausschied. Er nahm erst 1863 wieder eine Wahl in den Gesetzgebenden Körper an, wo er für die demokratischen Interessen wirkte. H. war seit 1851 Direktor des "Siècle", den er zu einer der gelesensten Zeitungen Frankreichs machte. Er starb 12. Nov. 1868 zu Torigny.

Havlicek (spr. -tschek), Karl, czech. Schriftsteller und Journalist, geb. 31. Okt. 1821 zu Borová bei Chotěboř (daher sein Pseudonym Borovský), studierte in Prag Philosophie, war 1842-43 Hauslehrer in Moskau und beschrieb seine dortigen Erfahrungen in den "Bildern aus Rußland" ("Obrazy z Rus"). Nach seiner Rückkehr nach Böhmen war er journalistisch thätig und erlangte besonders in den Jahren 1848-51 großen Einfluß durch Herausgabe der "Národní Noviny" in Prag und danach des "Slovan" in Kuttenberg. Diese Thätigkeit zog ihm mehrjährige Haft in Brixen in Tirol zu, was die Veranlassung zu H.s beißenden "Tiroler Elegien" wurde. 1855 ward ihm die Rückkehr nach Böhmen, zuletzt auch nach Prag gestattet, wo er 29. Juli 1856 starb. H. ist einer der originellsten und selbständigsten Charaktere der neuern czech. Bewegung. Seine stets scharf zugespitzten Epigramme schonten weder Freund noch Feind und sind daher zum großen Teil noch nicht gedruckt. Die von ihm hinterlassene satir. Dichtung "Die Taufe des heil. Wladimir" ("Křest sv. Vladímra") erschien erst 1877 in Prag. Auch war er geschätzter Kritiker, übersetzte aus Gogol, Voltaire u.a. H.s "Gesammelte Schriften" ("Sebrané Spisy", Bd. 1) erschienen zu Prag (1870). Eine Biographie H.s schrieb Tuma (Prag 1883).

Havre (spr. ahwr). 1) Arrondissement im franz. Depart. Seine-Inferieure, hat 904,61 qkm, (1891) 274 277 E., 128 Gemeinden und zerfällt in die 13 Kantone Bolbec (113,84 qkm, 22 554 E.), Criquetot-l'Esneval (135,94 qkm, 12 265 E.), Fécamp (80,5 qkm, 21 375 E.), Goderville (152,31 qkm, 12 551 E-.), H., Kanton 1-6 (136 103 E.), Lillebonne (110,31 qkm, 13 783 E.), Montivilliers (121,00 qkm, 16 743 E.), St. Romain-de-Colbosc (153,55 qkm, 11 903 E.). - 2) Le H. oder Le Havre de Grâce (spr. grahß), Hauptstadt des Arrondissements H., nächst Marseille der bedeutendste Handelshafen Frankreichs, an der Nordseite der hier gegen 9 km breiten und 6,15 m tiefen Mündung der Seine, bei dem 100 m hohen Kreidekap La Héve, an den Linien Paris-H. (228 km) und H.-Montivilliers (10 km) der Westbahn, hat (1891) 114 001, als Gemeinde 116 369 E. und in Garnison das 119. Infanterieregiment.

^[Abb.]

H. ist regelmäßig gebaut, an Stelle der 1851 niedergelegten Festungswälle stehen neue Stadtteile, ferner neun Quais und mehrere Plätze mit Fontänen. Die schönsten Straßen sind die Boulevards Francois I und Straßburg und der Cours de la République. Unter den Gebäuden sind hervorzuheben die Kirchen Notre-Dame (zwischen 1557 und 1600 erbaut) und St. Francois und das große Schauspielhaus, ferner das im Renaissancestil erbaute Hotel de Ville, die Börse, das Zeughaus, das Marinearsenal, das Zollhaus, die Tabakfabrik und das neu aufgebaute Etablissement Frascati. Vor dem Museum stehen die Bronzestatuen der hier geborenen Bernardin de Saint-Pierre und Casimir