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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hebel (Joh. Peter) - Heber
Hebelarm angreifende kleinere Kraft einen entsprechend großen Weg zu beschreiben hat. Anwendungen des H. bieten die Schnellwage, die Zangen, Scheren, Brecheisen, Hebebäume, Schaufeln u. s. w. dar. Zuweilen setzt man zwei oder mehrere H. derartig miteinander in Verbindung, daß die Kraft am ersten, die Last am letzten wirksam ist; solche zusammengesetzte H. kommen an den Brückenwagen, an Zerreißungsapparaten, Plombierzangen u. s. w. vor.
Hebel, Joh. Peter, Dialektdichter, geb. 11. Mai 1760 zu Basel als Sohn armer Tagelöhner, besuchte zuerst die Dorfschule zu Hausen bei Schopfheim, wurde dann von Gönnern unterstützt und erst in Lörrach, seit 1774 in Karlsruhe für die Universität vorbereitet, studierte 1778-80 in Erlangen, wurde 1782 Pfarrvikar zu Hertingen, 1783 Lehrer am Pädagogium zu Lörrach, 1791 Lehrer am Gymnasium zu Karlsruhe mit dem Prädikat eines Subdiakonus. 1805 erhielt er den Titel als Kirchenrat, wurde 1808 Direktor des Lyceums, 1809 Mitglied der evang. Kirchenkommission, 1819 Prälat und starb 22. Sept. 1826 auf einer Reise zu Schwetzingen. Für seine berühmten "Allemannischen Gedichte" (Karlsr. 1803; hg. und erläutert von Götzinger, Aarau 1873; von Behaghel in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur", Stuttg. 1883; mit Bildern von Ludwig Richter, 2. Aufl., Lpz. 1882) wählte H. die naive, bewegliche und schalkhafte Mundart, welche in mancherlei Abwechselungen in einem großen Teile des südl. Schwarzwaldes, namentlich in dem Winkel herrscht, den der Rhein bei Basel bildet. Sie enthalten treffliche Naturschilderungen, idyllenartig gehaltene Sittengemälde aus dem bäuerlichen Leben und durch naive Anschaulichkeit und Gemütlichkeit der Naturauffassung ausgezeichnete Lieder im echten, doch veredelten Volksgeschmack. Unter den verschiedenen hochdeutschen Bearbeitungen der Lieder, in denen sie jedoch viel von ihrer naiven Frische eingebüßt haben, ist die von Reinick (6. Aufl., Lpz. 1876) hervorzuheben. H.s Vorschriften: "Der rheinländ. Hausfreund, oder Neuer Kalender mit lehrreichen Nachrichten und lustigen Erzählungen" (Karlsr. 1808-15 u. ö.), "Schatzkästlein des rheinländ. Hausfreundes" (Tüb. 1811; hg. von Behaghel in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur", Stuttg. 1883) und "Die biblischen Geschichten" (2 Bde., Stuttg. und Tüb. 1824; neue Aufl., Karlsr. 1873) sind Muster volkstümlicher Darstellung, in der H. sich an Math. Claudius an schloß. Goethes in der "Jenaischen allgemeinen Litteraturzeitung" mitgeteilte Recension über die zweite Auflage der "Allemannischen Gedichte" trug viel dazu bei, H.s Namen berühmt zu machen. H.s "SämtlicheWerke" sind wiederholt aufgelegt worden. - Sein Leben beschrieb I. G. Schultheiß (Heidelb. 1831). Vgl. außerdem Längin, Joh. Peter H. Ein Lebensbild (Karlsr. 1874); ders., Aus H.s ungedruckten Papieren (Tauberbischofsheim 1882); Briefe von H., hg. von O. Behaghel (Karlsr. 1883); B. Auerbach, Schrift und Volk. Grundzüge der volkstümlichen Litteratur, angeschlossen an eine Charakteristik H.s (Lpz. 1846).
Hebeladen, seit dem 17. Jahrh. unter diesem Namen bekannt, sind eine einfache Art der Hebeapparate (s. d.). Man unterscheidet die franz., die deutsche und die schwed. Hebelade; letztere ist die gebräuchlichste und dient z. B. in der in nachstehender Figur dargestellten Form als Zugvorrichtung für Schleusen. Der Hebel E E schwingt lose um einen in dem Bockgestell G befestigten Zapfen C und drückt abwechselnd aus der einen oder andern Seite gegen einen der Bolzen K und L, welche in die entsprechenden Löcher der geschlitzten Zugstange A B gesteckt werden. Vermöge des Schlitzes in dieser Stange kann sich dieselbe frei an dem festen Drehbolzen C emporschieben; auch pflegt man zur Vermeidung einseitiger Wirkungen auch den mittlern Teil 51? des Hebels E E für den Durchgang der Zugschiene A B gabelförmig zu gestalten. Im Punkt D ist der Schützen mittels Zugstange befestigt. Die Hubhöhe beträgt 1-2 m.
Hebelschere, s. Blechbearbeitung (Bd. 3, S. 105 a) und Tafel: Blechbearbeitungsmaschinen, Fig. 1 u. 6.
Hebemaschinen, s. Hebeapparate.
Heber, ein Apparat, der mittels des Luftdruckes Flüssigkeiten über ihren Spiegel (Niveau) zu heben gestattet. Der Stechheber (Fig. 1) besteht aus einem oben und unten engen, in der Mitte oder nach oben zu erweiterten, an beiden Enden offenen Rohr; er dient zum Herausheben von Flüssigkeitsproben aus Fässern oder ähnlichen Behältnissen. Man taucht ihn zu diesem Zwecke beiderseits offen mit dem untern Ende in die Flüssigkeit; diese steigt innerhalb des H. bis zu ihrem äußern Niveau. Dann schließt man die obere Öffnung luftdicht mit dem Finger und hebt den H. heraus. Nachdem zunächst ein wenig Flüssigkeit abgeflossen ist, wobei die im H. befindliche Luft sich ausgedehnt hat, hält der Druck der äußern Luft demjenigen der innern und der Flüßigkeitssäule das Gleichgewicht und hindert damit weiteres Ausfließen. Man kann auch durch Saugen am obern Ende das Steigen der Flüssigkeit im Stechheber bewirken. Durch vorsichtiges Lüften des Fingers und Niederverschließen der Öffnung kann man das Ausfließen und den Stand der Flüssigkeit im H. regulieren. Das Princip des Stechhebers findet Anwendung bei der Pipette (s. d.).
^[Abbildung]Fig. 1.
Der Saugheber, Schenkelheber oder gekrümmte H. (Fig. 2) ist eine knieförmig gebogene Röhre mit ungleich langen Schenkeln. Man taucht den kürzern Schenkel in die Flüssigkeit und saugt an dem längern. Der Luftdruck treibt die Flüssigkeit dann in dem kurzen Schenkel empor dis zum höchsten Punkt der Biegung., von wo aus dann die Flüssigkeit durch den längern Schenkel (dessen Öffnung tiefer liegen muß als der Flüssigkeitsspiegel) ausfließt, und zwar ununterbrochen so lange, als noch der kürzere Schenkel in die Flüssigkeit taucht oder als der Flüssigkeitsspiegel höher liegt als die Ausflußöffnung des langen Schenkels. Eine Modifikation des Saughebers ist der Giftheber, bei dem das Anfangen durch ein an dem längern Schenkel angebrachtes Seitenrohr geschieht, um das Ein-^[folgende Seite]
^[Abbildung]Fig. 2.