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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heinrich III. (röm.-deutscher Kaiser) - Heinrich IV. (röm.-deutscher Kaiser)
belagerte ihn vier Monate in Trier und sah sich, als
Adalbero bei seinem Bruder, dem Herzog Heinrich
von Bayern, Schutz fand, auch mit diesem in eine
Fehde verwickelt, die init dessen zeitweiliger Absetzung
endigte. Ferner empörten sich der Graf von Flan-
dern und der neue Markgraf von Meißen; doch
auch sie bezwang H. Wegen Burgund schloß H.
mit dem kinderlosen König Rudolf III. 1006 einen
Vertrag, demgemäß dieses Land nach Rudolfs Tode
an das Deutsche Reich fallen sollte. Thatkräftig
und tapfer, war H. zugleich der Kirche aufrichtig er-
geben und hat sich vorzüglich durch die Stiftung
des Bistums Vamberg 1007 ein Andenken gesickert.
Hier ist aber auch fein Name von Fabeln um-
wuchert und aus dem kriegerischen Fürsten ein
mönchischer Frömmler gemacht worden. H. starb
kinderlos 13. Juli 1024 zu Grona bei Göttingen,
wurde im Dom zu Bamberg begraben, wo sich
sein und seiner Gemahlin Kunigunde prächtiges, von
Tilman Riemenschneider 1513 vollendetes Grabmal
befindet. Von Papst Eugen III. wurde H. 1146
unter die Heiligen versetzt. - Vgl. S. Hirsch, Jahr-
bücher des Deutschen Reichs unter H. II. (fortge-
setzt von Pabst und Brehlau; 3 Bde., Verl. und
Lpz.1862-75); Giesebrecht, Geschichte der deutschen
Kaiserzeit, Bd. 2 (5. Aufl., Lpz. 1885); Usingcr,Zur
Beurteilung H.s II. (in der "Histor. Zeitschrift",
Bd. 8, 1862); Cohn, Kaiser H. II. (Halle 1867);
Zeißberg, Die Kriege H.s II. mit Herzog Boleslaw
von Polen (in den "Sitzungsberichten" der Wiener
Akademie, 1857).
Heinrich III., römisch-deutscker Kaiser
(1039-56), der zweite aus dem Hause der salischen
Franken, Kaiser Konrads II. und Giselas Sohn, geb.
28. Okt. 1017, wurde schon 1026 zum deutschen König
designiert, 1028 gewählt und gekrönt, 1027 Herzog
von Bayern, 1038 Herzog von Schwaben und König
von Burgund und folgte seinem Vater 1039 in
der deutschen Königswürde. Durch ausgezeichnete
Naturgaben und eine treffliche Erziehung unter-
stützt, frühzeitig in den Waffen geübt, von strengem,
gebieterischem Charakter, hielt er die Zügel des
Reichs und der Kirche in starker Hand und war
einer der gewaltigsten Herrscher Deutschlands. Um
die Gefahren, die feiner Krone seitens der über-
mächtig gewordenen Herzöge drohten, abzuwenden,
behielt er entweder die verfallenen Herzogtümer für
sich und seine Familie, oder vergab sie, wie Bayern
und Kärnten, an minder mächtige Herren. Nur
Bernhard von Sachsen behauptete sein Ansehen;
allein auch ihm gab H. in dem Landgrafen Ludwig
dem Bärtigen von Thüringen und in dem Erzbiscdoj
Adalbert von Bremen ein mächtiges Gegengewicht.
Den Herzog Bretislaw von Böhmen, der einen
Beutezug gegen Polen gemacht, Breslau zerstört,
Krakau ausgeplündert und die Leiche des heil. Adal-
bcrt aus Gnescn nach Prag entführt hatte, zwang
er 1041 mit seinen Großen vor ihm in Regensburg
zu erscheinen, ihm barfuß zu uahen und sich im
Fußfall zu demütigen, dann gab er ihm Böhmen
als Lehn zurück. Auf drei Feldzügen, 1042, 43, 44,
drang er tief in Ungarn ein, ließ sich das Land vom
Kahlenberg bis zur Leitha abtreten, vertrieb den
König Aba, erhob 1044 den König Peter, den Aba
einst verjagt hatte, wieder auf den Thron und 1017,
nach Peters Absetzuug, deu König Andreas, der
wie die vorigen sein Vasall wurde; doch vermochte
H. in den spätern Feldzügen gegen Ungarn (1051
und 1052) seinen Einfluß nicht zu behaupten.
Dagegen gelang es ihm in Oberitalien, besonders
in Mailand, die Zwistigkeiten der Parteien zu be-
schwichtigen und die Normannen in Apulien und
Calabrien durch Anerkennung der von ihnen ge-
machten Eroberungen zu seinen Vasallen zu machen.
Größern Widerstand fand er in Lothringen, wo
Herzog Gottfried der Bärtige (s. d.) von Niedcr-
lothringen nach feines Vaters Tode auch Obcr-
lothringen unter seine Herrschaft bringen wollte.
Zweimal mußte H. gegen diefen zu Felde ziehen,
ehe er sich 1049 des Herzogtums bemächtigen konnte;
auch trat Gottfried später in Italien gegen den
Kaiser auf. 1046 zog H. nach Italien und ließ auf
einer Versammlung der Bifchöfe zu Sutri die drei
gleichzeitig regierenden Päpste Benedikt IX., Syl-
vester III. und Gregor VI. absetzen, worauf er den
deutfchen Bischof Suitger von Bamberg als Cle-
mens II. zum Papst erhob, der ihn am Weihnachts-
fcft zum Kaiser kröute. Die Einsetzung der Päpste
wurde ihm, um der Unordnung ein Ende zu machen,
förmlich übertragen. Jetzt wirkte H. mit den nach-
einander von ihm emgesetzten Kirchenhäuptern
eifrigst sür die Beseitigung der Gebrechen der Kirche
und Umwandlung der Lebensweise der Geistlichen
im Sinne der vom Kloster Cluuy ausgegangenen
reformatorischcn Richtung und aus dem Bewußtsein
seines kaiscrl. Aussichtsrechts. Aber ^schon unter
Leo IX. kam die Partei, welche volle Selbständig-
keit und Herrschaft der Kirche erstrebte, unter der
Führuug des päpstl. Kaplans Hildcbrand zu großem
Einflnß, und nach H.s Tod und dem bald darauf
folgenden Tode des deutschen Papstes Victor II.
gewann sie völlig die Oberhand. H. starb 5. Okt.
1056 zu Bodfeld am Harz; von seiner Gemahlin
Agnes von Poitiers hinterließ er den Knaben Hein-
rich (IV.), der schon 1054 zum König gewählt war.
H.s eigenmächtige Negiernng hatte große Unzufrie-
denbcit bei den Reichsfürsten erzeugt, die schon ihn
selbst bedrohte und seines Sohnes Stellung unter-
grub. Die von ihm betriebene Kirchcnreform be-
förderte auch die wissenschaftlichen Studien, welche
damals einen hohen Grad der Blüte erreichten. -
Vgl. Steinhosf, Das Königtum und Kaisertum
H.s III. (Dissertation, Gott. 1865); Meyndt, H. III.
und Andreas I. (Dissertation, Lpz. 1870); Stein"
dorff, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter H. III.
(2 Bde., Lpz. 1874-81); Giesebrecht, Geschichte der
deutschen Kaiserzeit, Bd. 2 (5. Aufl., ebd. 1885);
Martens, Die Besetzung des päpstl. Stuhles unter
H. III. und IV. (Freiburg 1886).
Heinrich IV., römisch-deutscher Kaiser
(1056-1106), der Sohn des vorigen, geb. 11. Nov.
1050 wahrscheinlich zu Goslar, war beim Tode seines
Vaters ein Kind von fünf Jahren; die Verwaltung
des Reichs fiel daher zugleich mit der Erziehung
seiner Mutter Agnes (s. d.) zu. Obgleich mit vielen
Vorzügen begabt und bei den Regierungsgeschäften
zuerst von Papst Vietor II., später vom Bischof
Heinrich von Augsburg thätig unterstützt, war die
Kaiserin doch der schwierigen Stellnng, in der sie
sich den anspruchsvollen Reichsfürsten und der auf-
strebenden Papstmacht gegenüber befand, keines-
wegs gewachfen. Um die gereizten Gemüter der von
Heinrich III. gedrückten Fürsten in Deutfchland zu
beruhigen und dem Königshause feste Stützen zu
gewinnen, gab sie Gottfried dem Bärtigen das
ihm von ihrem Gemahl entrissene Lothringen zurück.
Graf Rudolf von Rhcinfeldcn erhielt mit der Hand
ihrer Tocktcr Mathilde das Herzogtum Schwaben,
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