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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heinrich V. (römisch-deutscher Kaiser)
Alpen, durchzog siegreich Oberitalien und stand zu
Pfingsten vor Rom. Doch konnte er erst nach drei
Jahren, im März 1084, sich der Stadt bemächtigen,
woraus er sich und seine Gemahlin von Clemens III.
am Osterfest feierlich krönen ließ; Gregor VII. hatte
sich in die Engelsburg geflüchtet und folgte später
den zu seinem Schutze gekommenen Normannen nach
Salerno, wo er als Flüchtling 25. Mai 1085 starb.
H. muhte sich jetzt wieder nach Deutschland wenden,
wo man 9. Aug. 1081 den Grafen Hermann von
Luxemburg zum König erwählt hatte, sodaß ein
neuer Bürgerkrieg begann. Hermann siegte über
H. bei Würzburg^(11.Äug. 1085), zog sich indessen,
der Abhängigkeit von den mit ihm verbündeten
Fürsten müde, 1087 zurück und starb bald darauf.
Von dem Markgrafen Eckbert von Meißen, der sich
selbst als Gegenkönig aufgestellt hatte, befreite ihn
1089 ebenfalls dessen Tod. Inzwischen war Vlc-
tor III. und nach dessen Tod Urban II. von der
gregorianischen Partei als Papst gewählt worden.
Um den kaiserl. Papst Clemens III. zu schützen und
zugleich sein Übergewicht in Italien aufrecht zu
halten, zog H. 1090 zum drittenmal über die Alpen.
Schon hatte er Mantua erobert und bekämpfte mit
wechselndem Glück die Gräsin Mathilde, als ihn die
Kunde traf, daß diese seinen ältesten Sohn Konrad
und seine (zweite) Gemahlin Praredis (Adelheid)
zum Abfall bewogen habe, ferner daß die Lombar-
den mit Herzog Welf gegen ihn ein Bündnis ge-
schlossen hätten. H. ließ sich dadurch nicht irre
machen. Nachdem er die mächtigsten deutschen Für-
sten, unter ihnen auch den Herzog Welf, durch Zu-
geständnisse wieder auf seine Seite gezogen hatte,
wurde seinem Wunsche gemäß Konrad auf dem
Reichstage zu Mainz der Königswürde für verlustig
erklärt und dafür sein zweiter Sohn, Heinrich, zu
seinem Nachfolger bestimmt. Da um diese Zeit
Urban (1099) und Clemens (1100) sowie der ab-
trünnige Konrad (1101) in Italien starben, so schien
Ruhe und Friede in das Reich zurückkehren zu wol-
len. Aber Paschalis II. sprach bald nach seiner Er-
hebung auf den päpstl. Stuhl über den Kaiser aufs
neue den Bann aus, und zugleich suchten einige
Große den König Heinrich anzureizen, dem Vater
die Krone zu entreißen. Der Jüngling zoa auch
gegen den Vater zu Felde, trieb ihn zur flucht,
wußte ihn dann durch friedliche Worte zu über-
listen, nahm ihn gefangen und zwang ihn, der Re-
gierung zu entsagen. Zwar entkam der Kaiser aus
der Haft, flüchtete nach Lüttich, fand auch jetzt wie-
der neuen Anhang, starb aber schon 7. Aug. 1106
zu Lüttich. Der dortige Bischof lieh ihn mit kaiserl.
Pracht begraben. Doch des Kaisers Feinde setzten
es durch, daß die Leiche wieder ausgegraben, nach
Speyer geschasst und hier in einer nicht geweihten
Seitenkapelle in einem steinernen Sarg so lange
unbeerdigt blieb, bis die Lösung des Banns erfolgte,
was erst nach fünf Jahren geschah. Kein anderer
Kaiser hat ein so wechselvolles Leben, eine so stür-
mische Regierung geführt wie H. Er besaß herrliche
Gaben des Geistes und Herzens. Er war treu und
erkenntlich gegen seine aufrichtigen Anhänger, mit-
leidig gegen Arme und Kranke, scharfsinnig im Rate,
listig in Gefahr, tapfer im Kampfe und ein Freund
des damals zuerst aufblühenden Bürgerstandes,
der dafür treu zu ihm hielt. Unter den schwierig-
sten Verhältnissen zur Regierung gelangt, hat er
mit nie ermüdender Thatkraft gekämpft für die Er-
haltung einer starken Königsgewalt und damit für
die gefährdete Einheit des deutschen Volkstums
gegenüber den Sonderbestrebungen der deutschen
Fürsten und Stämme, und für die Würde und
Selbständigkeit des Kaisertums Päpsten gegenüber,
die neben der kirchlichen auch alle weltliche Ober-
hoheit in ihrer Hand zu vereinigen sich berufen
glaubten. Ihm folgte als König sein Sohn Hein-
rich V. - Vgl. Floto, Kaiser H. IV. und sein Zeit-
alter (2 Bde., Stuttg. 1855-57); Giesebrecht, Ge-
schichte der deutschen Kaiserzeit, Bd. 3, Tl. 1 (5. Aufl.,
Lpz. 1890); Meyer v. Knonau, Jahrbücher des
Deutfchen Reichs, H. IV. (Bd. 1, ebd. 1890).
Heinrich V., römifch-deutscher Kaiser
(1106-25), Sohn des vorigen, geb. 1081, wurde
1098, als sein älterer Bruder Konrad sich gegen den
Vater empört hatte, zum deutschen König erwählt.
Nachdem auch er sich im Dez. 1104 gegen den Vater
empört und durch Unterwerfung unter die Gebote
des Papstes die streng kirchlich gesinnte Partei für
sich gewonnen hatte, wurde er auf des Papstes Pa-
fchalis II. Betrieb noch bei Lebzeiten des Vaters
1106 zu Mainz als König anerkannt. Dadurch war
er im stände, die gefunkene Königsmacht durch Züch-
tigung der meuterischen Großen im Innern und
durch Bezwingung der Fürsten von Polen und Böh-
men nach außen hin wieder zu Ansehen zu bringen.
Obgleich Paschalis II. auf der Kirchenverfammlung
zu Guastalla (1106) das Verbot der Investitur durch
Laienhand wiederholte, erteilte doch H. dieselbe wie
sein Vater und erklärte dieses Recht nicht entbehren
zu können, weil die Bischöfe die wichtigsten Rechte
und Landschaften vom Reich zu Lehn hatten. Nach
vergeblichen Verhandlungen zog er 1110 mit 30000
Mann nach Italien. Paschalis schloß nun einen Ver-
trag mit ihm, wonach die Bischöfe alle Regalien und
Reichslehen zurückgeben sollten; der König wollte
dafür die Wahl freigeben und auf die Investitur
verzichten, sodaß Staat und Kirche vollständig ge-
trennt worden wären. Als aber der Vertrag vor
der Krönung in der Peterskirche bekannt gemacht
wurde, scheiterte er an dem Widerstand der Bischöfe,
und da nun der Papst die Krönung verweigerte,
nahm H. ihn samt den Kardinälen gefangen und
erzwang nach zwei Monaten die Anerkennung des
alten Investiturrechts der Krone und das Verfpre-
chen, ihn nie zu bannen. Darauf wurde er 13. April
1111 zum Kaifer gekrönt. Kaum aber war H nach
Deutschland zurückgekehrt, als Paschalis au, einer
röm. Synode den Vertrag widerrief und auch zu-
ließ, daß sein Legat, der Erzbifchof Guido von
Vienne, auf einer Synode in Burgund über den
Kaiser den Bann aussprach. Diese Waffe jedoch
hatte seit Heinrich IV. viel von ihrer Schärfe ver-
loren. H. kümmerte sich nicht darum und wandte
sich zunächst gegen seine Feinde in Deutschland.
Die sächs. Fürsten nämlich hatten wegen der Will-
kür, mit der H. über Güter und Personen schaltete,
einen Aufstand erregt, der, obwohl durch den Sieg
seines Feldherrn, des Grafen Hoyer von Mansfeld,
bei Warnstädt scheinbar beruhigt, von den rhein.
und westfäl. Fürsten erneuert wurde und in der
Schlacht am Welfesholze an der Wipper (1115)
einen unglücklichen Ausgang für den Kaiser nahm.
Die üble Lage, in die er hierdurch geriet, benutzten
die ihm feindlich gesinnten Erzbischöfe von Köln
und Mainz, um den Bann nochmals über ihn aus-
zusprechen. Dies und der 24. Juli 1115 erfolgte
Tod der Markgräfin Mathilde (s. d.) bewogen ihn,
die Verteidigung Deutschlands den treu gebliebenen