Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

982
Heinrich VI. (röm.-deutscher Kaiser) - Heinrich (VII.) (röm.-deutscher König)
Fürsten Schwabens überlassend, auss neue nach
Italien zu eilen, wo er nach Besitzergreifung der
Mathildischen Erbschaft Paschalis II. aus Rom ver-
trieb und nach dessen Tode Gregor VIII. zum Papst
wählen ließ. Der Gegenpapst Gelasius II. sprach
aufs neue den Bann über den Kaiser aus und
entfloh dann nach Frankreich. Nach Gelasius' Tode
(1119) wurde der Erzbischof von Vienne unter dem
Namen Calixtus II. zum Papst erwählt.
Unterdes hatte der Bürgerkrieg in Deutschland
mit wechselndem Glück fortgedauert, und die Fürsten
bedrohten den Kaiser mit Absetzung. H. eilte daher
nach Deutschland, legte auf dem Reichstage zuTri-
bur die Zwistigkeiten mit den Fürsten durch Fest-
setzung eines Landfriedens und das Versprechen,
jedem Beraubten sein Eigentum wiederzuerstatten,
bei und erneuerte beides nach abermaligem zwei-
jährigem Bürgerkriege auf dem Reichstage zu Würz-
burg (1121). Hier vereinigten sich die Fürsten mit
ihm zur Herstellung auch des kirchlichen Friedens;
der Kaiser, hieß es, solle behalten, was ihm gehöre,
der Papst, was dem Papst gehöre. Calixtus, der
auch seinerseits über den Kaiser uoch einmal den
Bann ausgesprochen hatte, bequemte sich nunmehr
zudem sog. Wormser Konkordat (1122). Darin
wird dem Kaiser zugestanden, daß er den erwählten
Bischof mit allen fürstl. Rechten belehne, und zwar
soll in Deutschland die kaiserl. Belehnung stets der
päpstl. Weihe vorangehen, während in Italien und
Burgund zuerst die Weihe, dann die Belehnung er-
folgt. Hier wie dort hat auch der Kaiser das Recht,
bei der Wahl entweder selbst zugegen zu sein oder
sich durch Boten vertreten zu lassen. Damit blieb
also wenigstens in Deutschland der vorwiegende
Einfluß bei der Besetzung der Bistümer in der Hand
des Kaisers. H. starb 23. Mai 1125 zu Nimwegen
und wurde zu Speyer beigesetzt. Da seine Ehe mit
Adelheid (Mathilde), der Tochter Heinrichs I. von
England, kinderlos war, erlosch mit seinem Tode das
salische oder frank. Kaisergeschlecht. Sein Nachfolger
war Lothar der Sachse. - Vgl. Gervais, Geschichte
Deutschlands unter der Negierung H.s V. und Lo-
thars (2 Tle., Lpz. 1841-42); Giesebrecht, Ge-
schichte der deutschen Kaiserzeit, Bd. 3, Tl. 2 (5. Aufl.,
ebd. 1890); Vernheim, Zur Geschichte des Wormser
Konkordats (Gott. 1878).
Heinrich VI., römisch - deutscherKaiser
(1190-97), der Sohn Kaiser Friedrichs I. (s. d.) und
der Beatrix von Burgund, geb. im Herbste 1165 zu
Nimwegen, wurde schon 15. Aug. 1169 zum deutschen
König gekrönt, vertrat seit dem berühmten Psingst-
feste zu Mainz 1184, wo er das Schwert empfangen
hatte, seinen Vater erst in Deutschland, dann seit
seiner Hochzeit mit Konstanze, der Erbin Siciliens,
und nach seiner Krönung zum Könige Italiens 1186
auch in diesem Lande und übernahm die Negierung
des Kaisers überhaupt, als der Vater im Mai 1189
den Kreuzzug unternahm, auf dem er den Tod fand.
Zunächst mußte H. gegen Heinrich den Löwen (s. d.)
Mieg führen, weil dieser eigenmächtig aus der Ver-
bannung zurückkam. Indessen sah H. sich bald zu
friedlicher Ausgleichung mit diesem genötigt, da
1189 durch den Tod König Wilhelms II. die Er-
ledigung des sicil. Königsthrons eintrat, worauf
ihm durch seine Gemahlin das Recht der Nachfolge
zustand. Auf die Nachricht, daß die sicil. Barone den
Grafen Tancred von Lecce, einen unehelichen Sohn
von Konstanzcs Bruder Wilhelm, auf den Thron
gehoben hätten, eilte H. nach Italien. Er brachte
die lombard. stände auf seine Seite, gewann die
Römer durch treulose Auslieferung der ihnen ver-
haßten Nachbarstadt Tusculum, ließ sich vom Papst
Cölestin III. zu Ostern (15. April) 1191 zum Kaiser
krönen und drang nun siegreich ins Königreich Si-
cilien ein. Aber die Stadt Neapel widerstand und
eine im Lager ausgebrochene Pest zwang den Kaiser
zum Abzüge. Nach Deutschland zurückgekehrt, em-
pfing H. die durch den Tod Herzog Welfs VI. ihm zu-
gefallene reiche Erbschaft, übertrug das durch Her-
zog Friedrichs Ableben erledigte Schwaben seinem
Bruder Konrad, brachte den vom Kreuzzuge heim-
kehrenden engl. König Richard Löwenherz in seine
Gewalt, sprengte ein Bündnis feindlicher Fürsten,
versöhnte sich mit Heinrich dem Löwen, dessen Sohn
seine Nichte, die Pfalzgräsin Agnes, heiratete, und
zog jetzt, gefördert durch das Richard abgepreßte
Lösegeld, aufs neue nach Italien, um die feste
Vereinigung der sicil. Krone mit der deutschen zu
erreichen. Tancred war 1194 gestorben und sein
junger Sohn Wilhelm III. unter Vormundschaft der
Königin Sibylle zum König ausgerufen worden.
Neapel öffnete diesmal die Thore, Salerno wurde
gestürmt, auch Sicilien unterwarf sich, und 20. Nov.
1194 hielt der Kaiser seinen feierlichen Einzug in
Palermo, wo er am Weihnachtstage sich zum Könige
siciliens krönen ließ.
Jetzt entsagten Sibylle und Wilhelm gegen das
Versprechen, die Graffchaften Lecce und Tarent be-
halten zu dürfen, der Krone Siciliens. Aber H.
ließ unter dem Vorwande einer Verschwörung bald
darauf die Königin Sibylle und ihre Tochter ver-
haften und nach dem Kloster Hohenburg im Elsaß
bringen, Wilhelm blenden und entmannen, selbst
Tancreds Leichnam mißhandeln und alle Anhänger
des normann. Königshauses ergreisen und ohne
Untersuchung hinrichten. Zwar schleuderte der Papst
seinen Bannfluch gegen den Kaiser; aber die Furcht
vor der Grausamkeit H.s sicherten seine Herrschaft
so, daß er ohne Besorgnisse nach Deutschland zurück-
kehren konnte. Hier hatte H. einzelne in seiner Ab-
wesenheit entstandene Fehden beizulegen. Alsdann
trat er auf den Reichstagen zu Würzburg und
Mainz 1196 mit dem großen polit. Plane hervor,
in feinem Haufe die deutsche Königskrone für immer
erblich zu machen. Er konnte jedoch bei dem Wider-
sprüche der geistlichen Fürsten und der Gegenwirkung
des Papstes für jetzt nur die Wahl seines zweijähri-
gen Sohnes Friedrich zum deutschen Könige erlan-
gen. Dann brach er wieder nach Italien auf und
gedachte mit Hilfe eines deutschen Kreuzzugs seine
Herrschaft auch über den Osten auszudehnen. Schon
zahlten die maur. Fürsten Nordafrikas und auch
der griech. Kaiser Alexios, der seinen Bruder Isaak
vom Throne gestoßen hatte, ihm Tribut. Nachdem
ein Aufstand in Sicilien mit blutiger Strenge unter-
drückt war, wollte H. dem Kreuzheere nachfolgen.
Da starb er 28. Sept. 1197 zu Messina und wurde
zu Palermo begraben. - Vgl. Th. Toeche, Jahr-
bücher des DeutschenReichs unter H. VI. (Lpz. 1867);
Bloch, Forschungen zur Politik Kaiser H.s VI. in
den 1.1191-94 (Berl. 1892).
Heinrich (VII.), römisch-deutscher König
(1220-35), der 1211 in Sicilien geborene, 1212
bereits zum König von Sicilien gekrönte Sohn
Kaiser Friedrichs II. und seiner Gemahlin Kon-
stanze von Aragonien. Friedrich ließ ihn, als er
selbst 1220 nach Rom zog, auf dem Frankfurter
Reichstage zum röm. Könige erwählen und stellte