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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heinrich Raspe (deutsche König) – Heinrich I. (Herzog von Bayern)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Heinrich (VII.) (römisch-deutscher König)'

ihn unter die Vormundschaft des Erzbischofs Engelbert I. von Köln und nach dessen Ermordung 1225 unter die des Herzogs Ludwig I. von Bayern, den er wegen seiner angeblichen Verbindung mit Gregor IX. 1228 von sich wies. War schon unter den Regentschaften die Verwirrung im Reich sehr groß, so wurde es noch schlimmer, als H. sich mit seinem Vater überwarf, vielleicht weil er sich von seiner ihm durch Friedrich zugeführten viel ältern Gemahlin Margarete von Österreich trennen wollte. Die Entfremdung zwischen beiden wurde bald gefahrdrohend. 1232 unterwarf sich H. gezwungen der väterlichen Autorität: aber schon zwei Jahre später erließ er ein Manifest voller Anklagen gegen Friedrich; eine Versammlung in Boppard beschloß den bewaffneten Widerstand gegen den Kaiser; H. versprach den Lombarden Hilfe gegen seinen Vater und suchte Verbindung mit Frankreich. Friedrichs Ankunft in Deutschland 1235 bewirkte sofort H.s Sturz; er wurde zunächst an verschiedenen Orten Deutschlands, dann in Apulien gefangen gehalten. Dort starb er 12. Febr. 1242 in Martirano. Der Sage nach soll er sich selbst den Tod gegeben haben. Die Zeit seines Königtums in Deutschland ist wichtig durch die Blüte des Minnegesangs, in dem auch H. sich versuchte, und durch die großen Reichsgesetze und Rechtsaufzeichnungen (Sachsenspiegel), die damals zu stande kamen. – Vgl. Winkelmann, Kaiser Friedrich II., Bd. 1, (Lpz. 1889); Rohden, Der Sturz H.s VII. (in den «Forschungen zur deutschen Geschichte», Bd. 22, Gött. 1883).

Heinrich Raspe, deutscher König, s. Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen.

Heinrich VII., römisch-deutscher Kaiser (1308–13), Sohn des Grafen Heinrich III. von Luxemburg, geb. wahrscheinlich 1276, wurde nach Ermordung Albrechts I. (1. Mai) 27. Nov. 1308 zum König erwählt und 6. Jan. 1309 zu Aachen gekrönt. Seine Wahl hatte er nächst dem Rufe ritterlicher Tugenden der Unbedeutendheit seiner Hausmacht und besonders dem Einflusse seines Bruders Balduin, Erzbischofs von Trier, und des Erzbischofs von Mainz, Peter von Aspelt, zu verdanken. Einen festen Rückhalt im Reiche gewährte ihm erst die Unzufriedenheit der Böhmen mit Heinrich von Kärnten; auf ihren Wunsch übertrug er 1310, nachdem Heinrich der Krone Böhmens für verlustig erklärt war, diese mit der Hand von Wenzels II. Tochter, Elisabeth, auf seinen Sohn Johann und verschaffte sich hierzu die Einwilligung der österr. Fürsten. Im Herbst trat er seinen Römerzug an; voll idealster Hoffnungen, voll Begeisterung von Dante begrüßt, kam er in das durch die Kämpfe der Ghibellinen und Guelfen zerrissene Italien und suchte hier Ruhe und Frieden herzustellen. Wohl konnte er Mailand friedlich besetzen und Brescia zwingen, aber Seuchen decimierten sein ohnehin schwaches Heer, Soldforderungen machten ihn auch bei seinen Anhängern verhaßt, und als er nach Süden zog, trat überall in der Lombardei neuer Aufruhr und Abfall hervor. Während Deutschland durch die wilden Fehden Waldemars von Brandenburg mit Friedrich dem Gebissenen und Eberhards von Württemberg mit den Städten verwüstet wurde, eilte H. nach Rom und ließ sich wie das Jahr zuvor zu Mailand die Eiserne, so hier 29. Juni 1312 die Kaiserkrone aufs Haupt setzen. Von Rom aber hatte er nur einen Teil erobern können, da Johann von Anjou, Bruder des auf die Ausbreitung der Macht H.s in Italien ↔ eifersüchtigen Königs Robert von Neapel, den andern Teil mit einem überlegenen Heere besetzt hielt. In dieser schwierigen Lage stellte er sich entschieden auf die Seite der Ghibellinen, und da ihm viele mächtige Städte Truppen sandten und der König von Sicilien ein Bündnis mit ihm schloß, erklärte er trotz der Drohungen des Papstes den König Robert in die Acht und schickte sich an, Neapel zu erobern, als ihn zu Buonconvento bei Siena 24. Aug. 1313 ein schneller Tod hinwegraffte. Die Behauptung von einer Vergiftung H.s durch einen Dominikanermönch beim Abendmahl mittels einer Hostie tauchte damals sofort auf, ist aber unbegründet. Außer seinem Sohn Johann hinterließ H. zwei Töchter, von denen Beatrix sich mit dem König Karl Robert von Ungarn, die andere mit König Karl IV. von Frankreich vermählte. – Vgl. Barthold, Der Römerzug König H.s von Lützelburg (2 Bde., Königsb. 1830–31); Dönniges, Acta Henrici VII. (2 Bde., Berl. 1840–41); ders., Geschichte des deutschen Kaisertums im 14. Jahrh. (ebd. 1841); J. E. Kopp, Geschichte der eidgenössischen Bünde, Bd. 4, Abteil. 1: H. VII. als König und Kaiser und seine Zeit (Luzern 1853–54); Thomas, Zur Königswahl des Grafen Heinrich von Luxemburg im J. 1308 (Straßb. 1875); Pöhlmann, Der Römerzug Kaiser H.s VII. (Nürnb. 1875); Die Romfahrt Kaiser H.s VII., ein Bildercyklus des Codex Balduine Trevirensis. Mit erläuterndem Text von G. Irmer (Berl. 1881); Wenck, Clemens V. und H. VII. (Halle 1882); Sommerfeldt, Die Romfahrt Kaiser H.s VII. (Tl. 1, Königsb. 1888).

Heinrich, lateinischer Kaiser von Konstantinopel, Graf von Flandern und Hennegau, wurde, als sein Bruder Balduin I. 14. April 1205 in der Schlacht bei Adrianopel von den Bulgaren gefangen und wohl bald hernach getötet worden war, von den Kreuzfahrern zum Kaiser erwählt und 20. Aug. 1206 gekrönt. Das lat. Kaisertum (s. Byzantinisches Reich, Bd. 3, S. 814) aber führte eine klägliche Existenz, da bald Mangel an Kreuzfahrern eintrat und die fränk. Großen unbekümmert um den Kaiser ihrem Vorteile nachgingen. Die auf der kleinasiat. Küste besetzten Striche gingen schon 1207 verloren. H. vermählte sich mit einer Tochter des gefährlichsten Reichsfeindes, des Bulgarenkönigs Johann. Er starb 1216 kinderlos, und man wählte nun den Gemahl seiner Schwester Jolanthe von Namur, Peter von Courtenay, der aber auf dem Wege nach Konstantinopel 1217 in Epirus gefangen wurde und starb.

Heinrich I., Herzog von Bayern, geb. zwischen April 919 und April 922 zu Nordhausen, zweiter Sohn des deutschen Königs Heinrich I., ließ sich nach dem Tode desselben wiederholt in gefährliche Verschwörungen gegen das Königtum, ja 941 selbst gegen das Leben seines Bruders, des Königs Otto I., ein. Die Fürbitte der Mutter, der heil. Mathilde, verschaffte ihm Verzeihung und 948 die Belehnung mit dem erledigten Herzogtum Bayern, das Otto 952 in Anerkennung der von H. gegen die Ungarn und gegen den König Berengar II. von Italien geleisteten Dienste noch durch das Herzogtum Friaul und Verona vergrößerte. H. stand jetzt so in Gunst, daß seine Bevorzugung mit den Anlaß gab, daß Ottos eigener Sohn und Schwiegersohn sich empörten. Die dadurch hervorgerufenen Kämpfe im Reiche wurden aber auch von den Bayern benutzt, die Herrschaft des Sachsen abzuschütteln: Bischöfe, Große und Volk standen vereinigt gegen den Her-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 984.