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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heinrich II. (Herzog v. Bayern) - Heinrich (der Löwe, Herzog v. Bayern u. Sachsen)
zog, der erst allmählich, namentlich durch die Ein-
nahme Reaensburgs, des Aufstandes Meister wurde.
Dort starb er 1. Nov. 955. - Vgl. Köpke-Dümm-
ler, Kaiser Otto d. Gr. (Lpz. 1876); Riezler, Ge-
schichte Baierns, Vd. 1 (Gotha 1878).
Heinrich II., der Zänker (so genannt wegen
seiner vielen Aufstände gegen seinen Vetter Kaiser
Otto II.), Herzog von Bayern seit 955, Sohn des
vorigen, geb. 951, stand erst unter Vormundschaft
semer Mutter Judith und stiftete bereits 974 eine
Verschwörung gegen den Kaiser, weil dieser nach
dem Tode der bisherigen bayr. Besitzer Schwaben
und die Ostmark diesem Hause nahm. H. wurde
gefangen, entkam aber und erneute den Aufstand.
Er mußte nun nach Böhmen fliehen und wurde 976
zur Absetzung und zur Haft verurteilt. Bayern,
von dem Friaul, Verona und Kärnten abgetrennt
wurden, erhielt Otto von Schwaben, Kärnten der
Luitpoldinger Heinrich der Jüngere als selbständi-
ges Herzogtum. Nach des Kaisers Tod 983 aus der
Haft entlassen, nahm H. sofort seine ehrgeizigen
Pläne wiederum auf. Konnte er auch nicht die Vor-
mundschaft über den jungen Kaiser Otto III. oder
gar die Kaiserkrone an sich reißen, so wußte er sich
doch 985 Bayerns zu bemächtigen, Heinrich den
Jüngern, der dasselbe inzwischen erhalten hatte,
dahin zu bringen, daß er Bayern aufgab und sich
mit Kärnten begnügte. Die Reichsregierung be-
stätigte zu Frankfurt den Vergleich. Fortan hat
H. treu zu Kaiser Otto III. gehalten. Er starb
28. Aug. 995. H.s Sohn aus seiner Ehe mit Gisela,
der Tochter des Königs Konrad von Burgund, ist
der spätere Kaiser Heinrich II.
Heinrich IX., der Schwarze, Herzog von
Bayern seit 1120 als Nachfolger seines kinderlosen
Bruders Welf II., von dem er zu seinem väterlichen
Erbteil in Oberitalien auch noch die Familiengüter
in Schwaben erbte. Durch die Heirat mit Wulf-
hild, Tochter des Herzogs Magnus von Sachsen,
erlangte er auch dort ein reiches Erbe und wurde
so der mächtigste Mann in Deutschland. Sein
Schwiegersohn war der Herzog Friedrich von Schwa-
ben aus staufischem Geschlecht. Aber H. ließ ihn
bei der Königswahl 1125 im Stich und trat auf die
Seite Lothars von Sachsen, als dieser ihm für
seinen Sohn Heinrich den Stolzen die Hand seiner
Erbtochter Gertrud zusagte. Dem beginnenden
Bürgerkriege zwischen Lothar und Friedrich wich er
jedoch aus, indem er 1126 dem Herzogtum entsagte
und sich ins Kloster Weingarten zurückzog. Er
starb 13. Dez. 1126 in der benachbarten Navens-
burg. Von seinen Söhnen trat der älteste, Konrad,
in den geistlichen Stand-, der zweite, Heinrich, erhielt
die bayr. und sächs., der dritte, Welf, die schwäb.
und ital. Güter. - Vgl. Riezler, Geschichte Baierns,
Bd. 1 (Gotha 1878).
Heinrich X., derStolze, Herzog vonV ay ern
und Sachsen; er erhielt Bayern 1126 nach Abdankung
seines Vaters, Heinrichs des Schwarzen, vermählte
sich 1127 mit Gertrud, der Tochter des Kaisers Lo-
thar III., dem erindenKämpfenmitdenStaufern und
in Italien den wirksamsten Beistand leistete. Durch
Lothar wurden seine Besitzungen in Deutschland
und Italien (hier durch die Güter der Mathilde von
Tuschen) noch vermehrt, und der Tod Lothars 1137
brachte ihm als Erbe seiner Frau zu den Gütern in
Sachsen, die er durch seine Mutter Wulfhild hatte,
auch noch die braunschw.-nordheimischen des Schwie-
gervaters und die Anwartschaft auf das erledigte
Herzogtum Sachsen. Wegen scincr gewaltigen Macht
glaubte er sich vorzugsweise auch zur Nachfolge im
Königtum berufen; aber die Eifersucht der übrigen
und besonders der geistlichen Fürsten zog ihm den
Staufer Konrad III. vor, der ihn, als er die Aus-
lieferung der Reichsinsignien und die Huldigung
verweigerte, im Sommer ächtete und seiner Herzog-
tümer beraubte. Sachsen wurde Albrecht dem Bären,
Bayern dem Vabenberger Leopold von Osterreich
verliehen. In dem darüber ausbrechenden Kampfe
verlor nun H. zwar das letztere, behauptete indessen
Sachsen und starb in Quedlinburg unbesiegt 20. Okt.
1139. Sein Sohn ist Heinrich der Löwe. - Vgl.
Bernhardi, Jahrbücher der deutschen Geschichte,
Lothar von Supplinburg (Lpz. 1879); ders., Kon-
rad HI. (ebd. 1883).
Heinrich derLöwe, Herzog von Bayern und
Sachsen, aus dem Hause der Welsen (1139-81),
geb. 1129 wahrscheinlich zu Navensburg, Sohn
Heinrichs des Stolzen von Bayern, mütterlicherseits
ein Enkel Kaiser Lothars III. Als sein Vater 1139
im Kampfe gegen König Konrad III. starb, ver-
walteten seine Mutter Gertrud und seine Groß-
mutter Richenza für ihn das Herzogtum Sachsen.
Nachdem H. 1146 mündig geworden war, forderte
er 1147 von Konrad III. vergeblich das Herzogtum
Bayern, das seinem Vater abgesprochen und an
Heinrich Iasomirgott von Osterreich, den zweiten
Gemahl seiner Mutter, verliehen war, und grifs
mit seinem Oheim Welf VI. gegen Konrad zu den
Waffen. Aber erst nach Konrads Tode gab ihm sein
Vetter, Kaiser Friedrich I., 1156 Bayern zurück.
Seine Besitzungen erstreckten sich nun, allerdings
vielfach unterbrochen, von der Nord- und Ostsee bis
zum Adriatischen Meere. Für die welfischen Stamm-
güter in Italien mußten die dortigen Vasallen ihm
1154 den Lehnseid leisten. Vorzüglich wandte H.
dem Herzogtum Sachsen seine Sorgfalt zu, das er
durch glückliche Kriege jenseit der Elbe und durch
deutsche Kolonisation in Mecklenburg und im östl.
Holstein verstärkte. Seine übergriffe aber gegen
den reichsunmittelbaren Adel und namentlich gegen
die Geistlichkeit erregten allmählich eine leidenschaft-
liche Opposition gegen ihn, und 1164 vereinigten
sich seine Feinde unter dem Erzbischof Hartwig von
Bremen zu einem Bunde, dem 1166 und 1167 die
Bischöfe von Köln, Magdeburg, Halberstadt und Hil-
desheim sowie die Markgrafen von Thüringen und
Brandenburg beitraten. Doch erwehrte sich H. feiner
Feinde siegreich. Damals trennte er sich von feiner
ersten Gemahlin Clementia von Zähringen und
heiratete Mathilde, die Tochter König Heinrichs II.
von England. Bald nachher (Jan. 1172 bis Jan.
1173) unternahm er mit einem glänzenden Gefolge
von etwa 500 Rittern eine Wallfahrt nach Palästina.
Nicht gewillt, seine fast königl. Macht anders als
für die Befestigung und Erweiterung seiner Herr-
schaft in den deutschen und wend. Ländern zu be-
nutzen, verweigerte H. 1176 dem Kaiser die gefor-
derte Hilfe gegen die Lombarden und verschuldete
somit Friedrichs Niederlage bei Legnano 1176.
Jetzt erhoben sich H.s Feinde von allen weiten
und drängten den zur Versöhnung geneigten Kaiser
zu strengstem Vorgehen. H. wurde nach den gesetz-
lichen Vorschriften dreimal vor einen Reichstag ge-
laden, um sich wegen der zahlreichen gegen ihn er-
hobenen Anklagen zu rechtfertigen, aber er entzog
sich jeder Verantwortung und störte in keckster Weise
auch noch während des Prozesses fortwährend den