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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hindi - Hindubewegung

mark 1864 die Oberleitung des Artillerieangriffs gegen die Düppelstellung. Nach dem Kriege zum Generalinspecteur der Artillerie ernannt, suchte er die von ihm früher bereits angestrebte Bewaffnung der ganzen Artillerie mit gezogenen Geschützen, deren Einführung sein Vorgänger, General Hahn, lebhaft bekämpft hatte, möglichst zu beeilen; doch brach der Krieg von 1866, dem H. im Hauptquartier des Königs beiwohnte, aus, ehe die Neubewaffnung vollendet war. Nach dem Frieden entwickelte er eine sehr erfolgreiche Thätigkeit zur Abstellung der im Kriege hervorgetretenen Mängel und errichtete insbesondere die Artillerieschießschule. Die Überlegenheit der preuß. Artillerie im Kriege von 1870 bis 1871 über die französische war den H.schen Grundlagen zu verdanken. H. wurde 1866 zum General der Infanterie, 1868 zum Mitgliede der Landesverteidigungskommission ernannt und befand sich während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 und 1871 wiederum im Hauptquartier des Königs, nahm teil an den Schlachten bei Gravelotte, Sedan und an der Belagerung von Paris. Er starb 25. Jan. 1872 zu Berlin. Seinen Namen führt seit 1889 das preuß. Fußartillerieregiment Nr. 2.

Hindi, eine der sieben neuind. Sprachen, umfaßt die Gesamtheit der Dialekte, die in dem weiten Gebiet zwischen Himalaja, Windhja, dem Gangesdelta und dem Satladsch gesprochen werden. Das Hindustani (s. d.) oder Urdu ist ein Hindidialekt mit starken pers.-arab. Beimischungen. Die hauptsächlichen Mundarten des H. sind: Hochhindi, grammatisch dem Urdu entsprechend, nur daß es seinen Wortschatz statt aus dem Persischen aus dem Sanskrit ergänzt; Bradsch-bhascha, die Mundart des Distrikts von Bradsch bei Mathura, die auch außerhalb ihrer eigentlichen Heimat in gewissen Litteraturgattungen, besonders in Liedern, die sich auf Krischna beziehen, vielfach verwendet wird; Marwari und Mewari, die Dialekte des westl. und des östl. Radschputana, deren an Heldengesängen und religiösen Gedichten überaus reiche Litteratur noch unerforscht ist, und mehrere andere Mundarten. Die Litteratur des H. beginnt bereits im 12. Jahrh. n. Chr., wo Tschand Bardâi die Thaten seines Herrn, des letzten Hindukönigs von Dehli, besang. Tschands Rhapsodien leben noch heute im Munde radschputischer Barden. Kabir, der große ind. Reformator des 15. Jahrh., hinterließ Gesänge moralischen und religiösen Inhalts. Tulßi Daß übersetzte das Nationalepos Ramajana ins H. Im 16. Jahrh. verfaßte Sur Daß den "Sur Sagar" und Nabhadschi den "Bhaktamala", eine große Legendensammlung. Im 17. Jahrh. schrieb Lal Kawi von Amber, der berühmteste Hindi-Dichter, den "Tschatra Prakas". Das in Europa bekannteste neuere Hindiwerk ist der "Prem Sâgar" (Ocean der Liebe), eine Bearbeitung des zehnten Teils des Bhagawat-Purana, der die Abenteuer des jugendlichen Krischna beschreibt. Über die Litteratur vgl. Grierson, The modern vernacular Literature of Hindustan (Kalkutta 1890). (S. auch Indische Sprachen.)

Hindin (Hirschkuh), s. Edelhirsch.

Hindley (spr. heindlĕ), Stadt in der engl. Grafschaft Lancaster, 5 km im SO. von Wigan, an der Wigan-Bolton-Eisenbahn, hat (1891) 18973 E., Baumwollspinnerei, Kohlen- und Eisenindustrie. Die Umgegend ist mit Bergwerksdörfern dicht besät.

Hindö, die größte unter den norweg. Inseln, in den Ämtern Nordland und Tromsö gelegen, von der Insel Öst-Vågö in der Lofotengruppe durch den Raftsund getrennt, hat 2238 qkm und 10000 E. Der höchste Gipfel des eigentümlich geformten Gebirges, Fisketind, erreicht 1300 m.

Hindostan, s. Hindustan, Indien und Ostindien.

Hindu, in weitester Bedeutung Name für die eingeborene, nicht europ. Bevölkerung Vorderindiens ohne Rücksicht auf die ethnogr. Verhältnisse, sofern dieselben der brahmanischen Religion angehören. In engerm Sinne und richtiger begreift man unter diesem von dem pers. Worte Hind, d. h. Indien, abstammenden Namen nur den Teil der Bevölkerung, der, arischen Ursprungs, in vorhistor. Zeit von Nordwesten her in das Flußgebiet des Ganges eingewandert ist, sich von dort aus nach Süden ausgedehnt und zugleich auch das eigentlich ind. Kulturelement zur Entwicklung und Verbreitung gebracht hat.

Hindubewegung ist der 'zusammenfassende Name für das unter den gebildeten Indern (Hindu, Parßi, Mohammedanern u. s. w., im engern Sinne unter den Hindu allein) in neuester Zeit sich geltend machende Streben nach Fortschritt auf religiösem, socialem, wissenschaftlichem u. s. w. Gebiete sowie insbesondere nach socialer und polit. Gleichstellung mit den im brit. Ostindien als herrschende Klasse auftretenden Engländern. An solchen Bestrebungen, namentlich in religiösen und wissenschaftlichen Dingen, hat es in Indien nie ganz gefehlt; in polit. Hinsicht dagegen erscheint diese Bewegung erst in neuester Zeit von größerm Belange.

Gemäß der philosophisch und theosophisch angelegten Natur des Inders, besonders des Hindu, sind die Bewegungen auf religiösem Gebiete die ältesten. An die theistischen Reformatoren früherer Zeiten kann hier nur ganz kurz erinnert werden: so an den bedeutenden Kabīr, der 1380-1420 wirkte und den Hindu und Mohammedanern in gleicher Weise entgegenkam, an Nānak Schāh oder Bābā Nānak (geb. 1469), den Stifter der Sikhreligion und der Sekte der Nānakpanthis, der manche Lehren Kabīrs in das heilige Buch der Sikh herübernahm (vgl. A. Barth, Religions de l'Inde), an den toleranten Kaiser Akbar d. Gr. (1556-1605), den Stifter der ilāhī mazhab (der "göttlichen Religion") oder der sulh-e kull (des "friedlichen Zusammenlebens Aller"), sowie an Bābā Dschagdschuwān Dās (17. Jahrh.) und Ghāßī Dās (um 1835), die Begründer der Satnāmi-Sekten. Von besonderer Bedeutung ist in neuerer und neuester Zeit die 1830 unter dem Einfluß europäischer Anschauungen gestiftete monotheistische Religionsform des Brāhmasamādsch, nach bengal. Aussprache Brahmosomādsch (s. d.). Durch den 1884 erfolgten Tod des in letzterm Artikel genannten Kēschab Chander Sēn ist ein Haupthindernis der allmählichen Annäherung für die verschiedenen Parteien beseitigt, die infolge der dort erwähnten Schismen bestehen; es sind dies: 1) der mehr konservative Adi Brahmosomādsch unter Dēbēndra Nāth Tagōrs Nachfolger Rādsch Narain Bōs; 2) der ursprünglich mehr fortschrittliche "Brahmosomaj of India" des Kēschab Chander Sēn (seit 1866), bez. die durch des letztern Initiative 1883 daraus hervorgegangene mehr mystische "Neue Offenbarung" ("New Dispensation", eine Art Verschmelzung von Hinduismus, Islām und Christentum); endlich 3) (seit Mai 1878) der in Bezug auf kirchliche Leitung und Verwaltung mehr demokratische Sādhāran Brahmosomādsch. Seit 1850 sind infolge reger missionarischer Thä-^[folgende Seite]