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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hindukusch - Hinken

Großen Epen, dem Mahabharata und Ramajana, sowie den Puranas entgegentritt und in ihren Hauptzügen bis heute in Indien die herrschende ist. In ihr spielt Brahman keine Rolle mehr; die beiden andern Götter werden entweder zusammen gleichmäßig verehrt oder, was das Häufigere und Ältere ist, einer von ihnen als höchster Gott, Wischnu namentlich in seiner Gestalt als Krischna. Im Dekhan werden beide Götter unter dem Namen Harihara (d. h. Wischnu-Çiva) zu einem zusammengefaßt und bilden dort eine der beliebtesten göttlichen Persönlichkeiten. Über Sekten und Reformationsversuche vgl. Brahmosomādsch, Sikhs, Tantra.

Hindukusch oder Hindukoh, bei den Alten Indischer Kaukasus und Paropamīsus (richtiger Paropanīsus), Gebirgskette im NO. von Afghanistan, erstreckt sich zwischen dem 34. und 37.° nördl. Br. und dem 66. bis 74.° östl. L. von NO. gegen SW., begrenzt im S. das Hochland von Pamir und trennt die westwärts vom obern Indus gelegenen Landschaften Tschitral und Kabulistan von den Ländern Wachan, Kundus und Badachschan am obern Laufe des Amu (Oxus). Der H. zweigt sich von dem mächtigen Gebirgsknoten des Pamir (s. d.) ab, der durch das Zusammentreten der Westenden des Himalaja, des Karakorum und des Kuen-lun gebildet wird und verbindet so Innerasien mit Westasien. Als östl. Anfang gilt der 6170 m hohe Kund, als sein westl. Ende der Koh-i-Baba unweit der Quelle des Hilmend. Seine mittlere Höhe wird auf 4500 m geschätzt; im einzelnen ist das Gebirge noch wenig erforscht. Einzelne sehr beschwerliche, von Kabul nach dem obern Amu führende Pässe liegen 3000 m hoch. Die Schneegrenze befindet sich in 4200 m Höhe. In den abgelegensten Thälern des obern H. wohnen die aus etwa 40000 Familien bestehenden unabhängigen Sijāhpōsch, d. h. Schwarzgekleidete. Sie sind Buddhisten, weshalb die mohammed. Afghanen sie Kafir, d. h. Ungläubige, die von ihnen bewohnte Gegend aber Kāfiristān nennen. Reis, Mais, Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle, welche die Tiefthäler des Südabhangs erzeugen, werden in den engern Thälern und auf den Vorbergen durch Weinreben, Edelfrüchte, köstliche Obstarten, die besten Granatäpfel und den Maulbeerbaum ersetzt. Hierauf folgt die Waldregion mit Eichen und Nadelhölzern und dann die Region der von zahlreichen Herden beweideten Alpenwiesen, welche mit den buntfarbigsten Blumen geschmückt sind. Der Nordabhang zeigt ähnliche Vegetationsverhältnisse, doch treten mehr europ. Formen auf. Der Name H. (Hindutöter) ist von einem der Pässe hergenommen, den ind. Sklaven zu überschreiten hatten; Hindukoh würde ind. Berg bedeuten.

Hindustan oder Hindostan, pers. Bezeichnung für das Land der Hindu, d. h. im engern Sinne das Indus- und Gangesgebiet, im weitern aber ganz Indien. (S. Hindu, Indien und Ostindien.)

Hindustāni, die bei den Europäern gebräuchliche Bezeichnung des Hindidialekts (s. Hindi und Indische Sprachen), der nach Aufnahme starker pers. Beimischungen zur Hauptverkehrssprache Indiens geworden ist. Die einheimische Bezeichnung für diese Sprache ist entweder Hindi, d. h. Indisch im weitern Sinne, oder Urdu(-sabān), d. h. Heerlager(-sprache), sogenannt nach dem Lager der Großmoguln in Dehli, wo die Sprache zuerst entstand. Von Dehli verbreitete sich das H., das von der Hindukaste der Kāja(s)th oder Schreiber zur Hof- und Kanzleisprache ausgebildet war, über alle Provinzen des Mogulreichs und wird auch in Birma, Mauritius, Sansibar, Maskat und in den Häfen des pers. Golfs verstanden. Am meisten wird es im Norden der vorderind. Halbinsel gesprochen. Eine südl. Abzweigung des H., die in Madras, Haidarabad u. a. O. zur Litteratursprache geworden ist, wird Dakhni genannt. Die pers. Bestandteile des H. schließen die im Persischen gebräuchlichen arab. Elemente mit ein. Ohne Vermittelung des Persischen sind keine arab. Wörter in das H. eingedrungen. Dagegen haben sich einige malaiische, portug. und engl. Wörter eingebürgert. Das H. hat eine überaus reiche Litteratur entwickelt, deren Blütezeit im vorigen Jahrhundert begann, und noch nicht abgeschlossen ist. Die lyrische Poesie ist reich entwickelt. Der Schöpfer der dramat. Litteratur im H. ist Amanat (Sajjid Agha Haßan aus Lakhnau, gest. 1859), dessen Singspiel Indar-Sabha das verbreitetste Theaterstück Indiens ist. Als Prosaiker sind Scher Ali Afßoß, der Verfasser einer Beschreibung Indiens, Mir Aman, der Verfasser des Bagh-o-Bahar, der klassisch gewordenen Bearbeitung einer Erzählung von Tausend und eine Nacht, Asad aus Lahaur als Litterarhistoriker und Asad aus Lakhnau als Verfasser eines umfangreichen Romans "Fisana e Asad" zu erwähnen. Außer der Litteraturgeschichte des Asad, die den Titel "Ab-i hayât" (Wasser des Lebens) trägt, hat Garcin de Tassy in mehrern Werken die Litteratur des H. besprochen. - Vgl. auch Grierson, The modern vernacular literature of Hindustan (Kalkutta 1890); Grammatiken u. a. von Shakespear (6. Aufl., Lond. 1855), Forbes (ebd. 1855), Platts (ebd. 1874), Dowson (2. Aufl., ebd. 1887); Wörterbücher von Forbes (ebd. 1846), Fallon (Kalkutta 1858) und Platts (Lond. 1884).

Hinfällige Haut, s. Deciduata.

Hingabe an Zahlungsstatt, s. Annahme an Zahlungsstatt.

Hing-king, Stadt in der Mandschurei (s. d.).

Hinken (Claudicatio), eine Unregelmäßigkeit des Ganges, welche dadurch entsteht, daß der Oberkörper auf dem einen Beine nicht so lange ruht als auf dem andern, daß also der Takt des Gehens (s. d.) verändert wird. Ist das eine Bein wirklich kürzer als das andere, so ist das H. eine unausbleibliche Folge; oft entsteht es jedoch nur dadurch, daß das Auftreten auf das eine Bein einen Schmerz oder eine Beschwerde in irgend einem der Organe hervorruft, die das Bein selbst zusammensetzen oder im übrigen Körper liegen und beim Auftreten eine Erschütterung erleiden. Die Ursache des H. ist daher manchmal in der Unterleibshöhle, der Brust und dem Kopfe zu suchen, in andern Fällen im Beine selbst (Mißgestaltungen der Schenkelknochen und des Hüftgelenks, Schwäche oder Lähmung der Muskulatur, Geschwüre und Wunden der untern Extremität u. dgl.), und deshalb ist das H. auch keine Krankheit, sondern nur ein Krankheitszeichen, dessen Behandlung in Bekämpfung der Grundursache bestehen muß. In manchen Fällen ist die Verkürzung des Beins bei Hinkenden nur eine scheinbare und kommt durch das Heraufziehen des Beckens nach dem Oberkörper hin zu stande. Eine wirkliche Verkürzung des Beins kann, wenn ihre Ursache nur in Verkürzung der Muskeln und dadurch bedingter Krümmung oder Drehung der Gelenke besteht, leichter geheilt werden, als wenn die Knochen selbst zu kurz sind. Letzteres ist entweder durch schlecht ge-^[folgende Seite]