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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hirt (Ferdinand) - Hirzel (Patriciergeschlecht)
Hirt, Ferdinand, Buchhändler, geb. 21. April
1810 zu Lübeck, begründete 1832 in Vreslau eine
Sortimentsbuchhandlung, die zu einer der bedeu-
tendsten Schlesiens wurde, und fügte dazu auch
Verlag, namentlich Nnterrichtsbücher von Seydlitz
(Geographie, 21 Auflagen in 900000 Exemplaren),
Schilling (Naturgeschichte), Kambly (Mathematik,
600 000 Auflage), Bock (Volksschullesebücher) u. s. w.,
und Iugendschriften. Das Sortiment, 1864 ver-
kauft, war 1893 im Besitz von Louis Köhler (Firma
"Hirtsche Sortiments- und Hofbuchhandlung"). H.
starb 5. Febr. 1879. Der Verlag ging in die Lei-
tung, später in den Besitz feines Sohnes Arnold
H. (f. Hirt & Sohn) über.
Hirt, Johann, Bildhauer, geb. 4. März 1836 in
> Fürth in Franken, gelangte 1855 an die Akademie
in München zu Professor Widnmann. Meist mit
Dekorativarbeiten, darunter umfänglichen Arbeiten
für den Linderhof, Schloß Herrenchiemsee und Neu-
schwanstein des Königs Ludwig II. von Bayern
und mit Statuetten und Gruppen aus der deutschen
Heldensage, dem deutschen Märchen und der griech.
Mythologie beschäftigt, schuf er eine Eurydice, eine
Andromeda und die Gruppen von Tag und Nacht
(sämtlich im Privatbesitz zu Köln), d!e in Nürn-
berg mit der goldenen Medaille prämiierte Quell-
nymphe,GetrosseneNiobide(1891). Auch modellierte
er das Kriegerdenkmal in Fürth. H. lebt als Pro-
fessor in München.
Hirtenbriefe (lat. litwi-ke Pastorale), öffent-
liche Schreiben der kath. Bischöfe und evang. General-
superintendenten an die ihnen untergebene Geistlich-
keit, worin dieser allgemeine, auf den Zustand der
Kirche bezügliche Belehrungen und Mahnungen
oder auch Verhaltungsbefehle erteilt werden. (S.
Hirtendichtung, f. Idylle. Oncyklika.)
Hirtenstab, f. Bischofsstab.
Hirtenstar, s. Hirtenvogel.
Hirtentäschel, s. (^86113..
Hirtenvogel Manna ckavaria.), zu den Stelz-
vögeln gehönge Vogelart, s. Wehrvögel. - H.
(Hirtenstar, ?a3tor) wird auch ein Nntergeschlecht
der Stare genannt, von dem ein Repräsentant, der
Rosenstar (?a3tor ro86N8 ^.), in Osteuropa und
Asien vorkommt, der aber in Jahren, wo Heu-
schreckenschwärme auftreten, diesen folgend, fogar
Süd- und Mitteldeutschland besucht. Der durch
Vertilgung der Heuschrecken sehr nützliche Vogel ist
schön rosenrot und schwarz, von der Größe der ge-
meinen Stare, deren Flügen er sich bei seinen ge-
legentlichen Besuchen Deutschlands gern zugesellt.
Hirth, Georg, Schriftsteller, geb. 13. Juli 1841
in Gräfentonna bei Gotha, war Zögling der Geo-
graphischen Anstalt von Iustus Perthes in Gotha,
lebte dann in Leipzig, 1866 (nach schwerer Ver-
wundung bei Langensalza) bis 1870 in Berlin,
hierauf in Augsburg und seit 1871 in München.
Neben Schriften über das Turnwefen veröffentlichte
H. den "Parlamentsalmanach" (1867-87), die
"Annalen des Deutfchen Reichs" (1868-71 u. d. T.
"Annalen des Norddeutschen Bundes"; seit 1882
gemeinsammit Max Seydel), "Tagebuch des Deutsch-
Französischen Kriegs" (3 Bde., 1870-74; mit I.
von Gosen), "Freisinnige Ansichten der Volkswirt-
schaft" (1873; 3. Aufl. 1876), ferner auf dem Ge-
biete der Kunstgeschichte: "Das deutsche Zimmer"
(1879; 3. Aufl. 1886), "Kulturgeschichtliches Bilder-
buch aus drei Jahrhunderten" (6 Bde., 1881-90),
"Ideen über Zeichenunterricht" (3. Aufl. 1887), !
"Cicerone der Gemäldegalerien zu München und
Berlin" (1888-90; mit R. Muther), "Aufgaben der
Kunstphysiologie" (1891), "Das plastische Sehen
als Rindenzwang" (1893); in der letztern Schrift
hat H. eine neue Theorie des Sehens aufgestellt,
die den Gesichtssinn als "Ferntastsinn" erklärt. Die
meisten seiner Publikationen hat H. selbst verlegt;
er errichtete zu dem Zwecke 1871 eine Buchhandlung
unter der Firma "G. Hirths Verlag" in München
und Leipzig, in der außer seinen Arbeiten noch er-
schienen kunsthistor. Werke von Butsch, Müller-
Walde, R. Muther, I. Reimers, D. Burckhardt u. a.;
ferner periodische Unternehmungen, wie "Hirths
Formenschatz" (1877 fg.), "Liebhaberbibliothek alter
Illustratoren" (1880 fg.). Außerdem errichtete H.
noch 1875 mit Thomas Knorr die Vuchdruckerei
"Knorr & Hirth" (25 Pressen, 200 beschäftigte Per-
sonen) in München, in deren Verlag die "Münchner
Neuesten Nachrichten" (s. d.) erscheinen.
Hirtlus, Aulus, ein Römer aus plebejischem Ge-
schlecht, Anhänger und Vertrauter des Cäsar, dessen
Legat er im Gallischen Kriege war und durch den
er 46 v. Chr. die Prätur und für 43 das Konsulat
erhielt. Nach Cäsars Ermordung (44) wendete er
sich von Antonius ab, und nachdem er das Konsulat
angetreten hatte, zog ermitseinem Kollegen C.Vibius
Pansa und Octavian gegen diesen zu Felde. An-
tonius wurde von ihm zuerst in einem weniger be-
deutenden, dann in dem entscheidenden Treffen bei
Mutina (Modena), wonach der ganze Krieg der Mu-
tinensische heißt, April 43 geschlagen und zur Flucht
genötigt. H. selbst aber siel in dieser Schlacht. H.
ist der Verfasser der Fortsetzung (des achten Buches)
der "Kommentarien" Cäsars über den Gallischen
Krieg, jedoch schwerlich der Geschichte des Alexan-
drimschen Krieges, obgleich dies schon im Altertum
angenommen wurde.
Hirt & Sohn, Verlagsbuchhandlung in Leip-
zig, im Besitz von Arnold Hirt, geb. 15. Juli
1843 in Vreslau als Sohn von Ferdinand Hirt
(s. d.). Er begründete das Geschäft 1873 durch
Übernahme einiger Verlagsartikel des Vaters und
pflegt besonders Iugendschriften (von Oskar Höcker,
Wörrishöfer, Pajeken, Clementine Helm, Brigitte
Augusti u. a.) und Reisewerke (Fritsch, Mohr, Serpa
Pinto, Du Chaillu, Lansdell, Lady Brassey u. a.).
Dazu kommen das Prachtwerk "Nordlandfahrten",
die "Wahlfprüche der Hohenzollern", mehrere An-
thologien. - Arnold Hirt ist zugleich feit 1888
alleiniger Inhaber der von seinem Vater hinter-
lassenen Verlagsbuchhandlung (Firma: "Ferd. Hirt,
Königl. Universitäts- und Verlagsbuchhandlung")
in Vreslau, in welcher der Schulbücherverlag fort-
gepflegt wird (Hirts geogr. Bildertafeln, die chem.-
physik. Schriften von Waeber, die Rechenwerke von
Büttner, die deutsch-sprachlichen von Nowack, Ver-
öffentlichungen des deutfchen Sprachvereins u. a.).
Auch kaufte er 1884 die Firma "I. H. Bons Ver-
lag" in Königsberg in Preußen (gegründet 1830),
mit biblischen Geschichten und Lesebüchern von
Preuß, Woike, Krüger u. a.
Niruäwei, Ntrnclo, s. Blutegel.
Nirnnäo (lat.), die Schwalbe.
Hirzel, angesehenes Züricher Patriciergeschlecht.
Hans Kaspar H., geb. 21. März 1725 zu Zürich,
gest. als Oberstadtarzt und Mitglied des Engern
Rates daselbst 19. Febr. 1803, ist bekannt durch seine
Beziehungen zu den Vertretern der gleichzeitigen
deutschen Litteratur: Sulzer, Glenn, Ramler u. s. w.