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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hohenzollern (Karl Anton, Fürst von H.-Sigmaringen) - Höhere Bürgerschule
l834 übernahm der Prinz für den kränkelnden
Vater die Führung der Regierungsgeschäfte, bis
dessen Tod ihn zur Erbfolge berief (13. Sept. 1838).
Seine Regierung war umsichtig und wohlwollend.
Gleichwohl blieb sein Ländchen von den Stürmen
des I. 1848 nicht verschont, übereinstimmend mit
der verwandten sigmaring. Linie entsagte er frei-
willig durch Übereinkunft vom 7. Dez. 1849 der
Regierung und überließ, vorbehaltlich der Rechte
eines souveränen Fürsten, sein Fürstentum dem Chef
des hohenzoll. Hauses, dem König von Preußen. Er
lebte seitdem mit den Prärogativen eines nach-
geborenen Prinzen des königl. Hauses in Preußen
und vermählte sich nach dem Tode seiner Gemahlin
(gest. 1. Sept. 1847) zum zweitenmal morganatisch
l13. Nov. 1850) mit Amalie, Gräsin von Rothen-
burg, Tochter des Freiherrn Karl Friedrich Ludwig
Schenk von Gayern zu Syburg in Franken, von
der er 13. Febr. 1863 geschieden wurde. Er starb
3. Sept. 1869 als der letzte männliche Sprosse des
Hauses Hohenzollern-Hechingen.
Hohenzollern, Karl Anton, Fürst von Hohen-
zollern-Sigmaringen, geb. 7. Sept. 1811 im Schlosse
Krauchenwies, studierte in Genf, Tübingen und
Göttingen, folgte seinem Vater, dem Fürsten Karl,
nach dessen Abdankung 27. Aug. 1848 in der Re-
gierung des Fürstentums, trat aber schon 7. Dez.
1849 sein Land dem König von Preußen ab in der
Überzeugung, damit ein Opfer für die künftige
Einheit Deutschlands zu bringen, erhielt 20. März
1850 das Prädikat "Hoheit" mit den Prärogativen
eines nachgeborenen Prinzen des königlich preuß.
Hauses und wurde 1853 preuß. Generallieutenant.
1854 wurde er aus Anlaß der Orientalischen Frage
nach Paris gesandt. Am 5. Nov. 1858 zum Prä-
sidenten des Staatsministeriums berufen, wurde er
damit der Leiter des "Ministeriums der neuen Ura".
Er wurde 1859 General der Infanterie und erhielt
anläßlich der Krönungsfeier zu Königsberg 18. Okt.
1861 das Prädikat "Königliche Hoheit". Er war
von dem redlichsten Willen bestrebt, verfassungs-
treu und mit dem Ziele nationaler Reformen für
Deutschland sein Amt zu führen; aber schon die
zurückhaltende Politik Preußens während des Ita-
lienischen Krieges von 1859 entsprach nicht recht
seinen Wünschen, und die Heeresreorganisation, für
die er mit Überzeugung eintrat, vermochte er auch
liicht mit dem Ansehen, das er persönlich bei den
Parteien genoß, durchzusetzen. Als 8. März 1862
das gesamte Ministerium seine Entlassung einreichte,
nahm sie der Kömg zwar nicht an, muhte aber dem
Fürsten, der krankheitshalber schon im März die
Geschäfte niedergelegt batte, 29. Sept. 1862 die
Entlassung gewähren. Karl Anton wurde 17. März
1863 Militärgouverneur der Rheinprovinz und von
Westfalen. 1871 von dieser Stellung entbunden,
residierte er seitdem meist auf seinem Schlosse zu
Sigmaringen, wo er eins der reichhaltigsten kunst-
histor. Museen Deutschlands errichtet hat. Seit
1868 war er Präses der Landesverteidigungskom-
mission. Er starb 2. Juni 1885 in Sigmaringen.
Aus seiner 21. Okt. 1834 geschlossenen Ehe mit der
Prinzessin Iosephine von Baden sind entsprossen:
Fürst Leopold, geb. 22. Sept. 1835, preuh. Ge-
neral der Infanterie, dessen span.Thronkandldatur
1870 der Vorwand zur franz. Kriegserklärung
wurde; Prinzessin Stephanie, geb. 15. Juli 1837,
gest. 17. Juli 1859 als Gemahlin des Königs Pe-
dro V. von Portugal; Karl (s. d.), geb. 20. April
1839, seit 1866 Fürst und seit 1881 König von
Rumänien; Prinz Anton, geb. 7. Okt. 1841, gest.
an seiner in der Schlacht bei Königgrätz erhalte-
nen Verwundung 5. Aug. 1866; Prinz Friedrich,
geb. 25. Juni 1843, kommandierender General des
3. Armeekorps; Prinzessin Marie, geb. 17. Nov.
1845, seit 25. April 1867 Gemahlin des Grafen
Philipp von Flandern..- Vgl. Schmitz, Fürst Karl
Anton von H. (3. Aufl., Neuwied 1890).
Hohenzollern, Friedr. Franz Xaver, Prinz von
Hohenzollern-Hechingen, österr. Feldmarschall, s.
Franz lBd. 7, S. 133 a).
Hohenzollernbahn, von Tübingen nach Sig-
maringen (87,5 Km, 1869-78 eröffnet), Württemb.
Staatsbahn ls. Württembergische Eisenbahnen).
Hohenzollernhafen, Hafen an der Ostküste
Aquatorialasrikas, s. Port Durnford.
Hohenzollern-Hechingen,ehemal.Fürstentum^
s. Hohenzollern (S. 273 d). ^(Fürstentümer).
Hohenzollernfche Lande, s. Hohenzollern
Hohenzollernscher Hausorden. 1) Fürstl.
Hausorden, 5. Dez. 1841 von den Fürsten von
Hohenzollern-Hechingen und -Sigmaringen gestiftet^
wird auch seit der Vereinigung der hohenzoll. Lande
mit Preußen noch von dem Fürsten von Hohenzollern
mit königl. Genehmigung verliehen. Er zerfällt in
das Ehrenkreuz erster, zweiter und dritter Klasse,
wozu 1891 noch ein Ehrenkomturkreuz kam. Das
Ordenszeichen besteht in einem goldenen, schwarz und
weiß emaillierten Kreuze, das in blauer Einfassung
mit der Inschrift "Für Treue und Verdienst" ein
rundes weißes Mittelschild zeigt, darauf das hohen-
zoll. Wappen mit der Fürstenkrone. Das Vand ist
weih und dreimal schwarz gestreift. Dem Orden
sind noch eine goldene und eine silberne Verdienst-
medaille beigegeben. - 2) Der eben genannte Orden
wurde nach der Vereinigung der hohenzoll. Lande
mit Prmßen auch als königlich preuß. Zausorden
23. Aug. 1851 von König Friedrich Wilhelm IV.
unter die preuh. Orden aufgenommen und von König
Wilhelm I. 18. Okt. 1861 erweitert, zerfällt in Groß-
komture, Komture, Ritter und Inhaber. Das Ordens-
zeichen ist 'dem vorigen gleich, nur zeigt das Mittel-
schild den königl. Adler mit dem hohenzoll. Wappen-
schild auf der Brust und die Umschrift lautet: "Vom
Fels zum Meer". Die Großkomture tragen auch die
Ordenskette, welche mit den hohenzoll. und nürn-
bergischen Wappenschilden und dem Scepterschilde
des Kur-Erzkämmereramtes geschmückt ist. Der Or-
den wird hauptsächlich für Verdienste um das königl.
Haus verliehen.-Vgl. Schneider, Der königl. Haus-
orden von Hohenzollern (Berl. 1869); ders., Der
fürstl. Hausorden von Hohenzollern (ebd. 1869).
(S. Tafel: Die wichtigsten Orden II, Fig. 8.)
Hohenzollern-Sigmaringen, ehemal. Für-
stentum, s. Hohenzollern (S. 273 d).
Hohe Pforte, eine aus der türk. Kanzleisprache
m den Redegebrauch des gewöhnlichen Lebens über-
gegangene Bezeichnung der Residenz des türk. Sul-
tans und daher des Sitzes der Regierung, der türk.
Monarchie selbst. In letzterer Bedeutung ist das
Wort in die europ. Sprachen übergegangen. H. P. ist
die Übersetzung des von den Türken dem Arabischen
entlehnten Vg<di-'ali, dem gleichbedeutend vk^ieti-
'ali, das Hohe Reich, oder vs^isti-Hii-OsinHn,
Osmanische Monarchie, gebraucht werden.
Hoher Ehor, s. Chor (in der Kirchenbaukunst).
Höhere Bürgerschule, s. Bürgerschulen und
Realschulen.