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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hohlandsburg – Höhlenfunde

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Hohladern'

der absteigenden Aorta nach oben, dringt durch eine besondere Öffnung des Zwerchfells in den Herzbeutel und mündet dicht neben der obern Hohlader in die rechte Herzvorkammer. (S. Tafel: Die Blutgefäße des Menschen, Fig. II, 32 u. 42.)

Hohlandsburg, Ruine bei Winzenheim (s. d.).

Hohlbauten, alle Räumlichkeiten, die gegen feindliche Geschützfeuerwirkung völlige Sicherheit gewähren sollen und daher gegen Horizontalfeuer durch Erdanschüttungen, gegen Vertikalfeuer durch eine bombensichere Decke geschützt sind. Es gehören zu den H. alle aus Holz, Eisen oder Mauerwerk erbauten Unterstände, Hohltraversen, Blockhäuser, Reduits, Kaponnieren, Flankenbatterien, Dechargengalerien, Parallelgalerien, Kasernen, Pulvermagazine, Geschoßräume, Ladestellen und Poternen. Auch bedeckte Geschützstände mit Panzerschilden und drehbare Panzerkuppeln sind zu den H. zu rechnen. (S. auch Kasematten.)

Hohlboden, s. Decke (Bd. 4, S. 857 a).

Hohlbohrer, s. Bohrer (Bd. 3, S. 238 a).

Hohlcelte, s. Celt.

Hohldrain, s. Drainierung.

Hohleisen, zum Stemm- und Stechzeug (s. d.) gehörende Werkzeuge, dienen zum Ausstechen rinnenförmiger und anderer krummliniger Vertiefungen. Sie sind von außen nach innen zugeschärft und die Schneide zeigt im Querschnitt einen Kreisbogen. Tischler und Zimmerleute haben gerade H., bei Bildhauern kommen solche mit ganz oder nur am Ende gebogenen Klingen vor, welche den verschiedenen Schweifungen folgen und in größeren Vertiefungen wirken können.

Hohle Mündung, s. Ästuarium.

Höhlen, leere oder teilweise mit Wasser angefüllte natürliche Räume unter der Erde, die entweder völlig verschlossen oder durch schmale, öfters durch Kunst erweiterte Offnungen zugänglich sind. Da sie meist durch die auflösende Thätigkeit des im Gebirgsinnern cirkulierenden Wassers entstanden sind, und Kalkstein, Dolomit und Gips in größter Menge vom Wasser aufgelöst werden, so sind Gegenden, die aus den genannten Gesteinsarten zusammengesetzt werden, die hauptsächlichste Heimat der H. Dieselben bilden meist größere, zusammenhängende Höhlensysteme, die sich bald durch enge Kanäle schlauch- oder spaltenartig fortziehen, bald wieder großartig in Kammern, Hallen, hochgewölbten Domen erweitern. Nicht minder groß ist die Abwechselung in der Höhenlage der einzelnen Teile eines und desselben Höhlensystems, indem die Hohlräume streckenweise horizontal laufen, in die Höhe steigen, sich wieder senken, zuweilen jähe Abstürze bilden, und sich sehr verschiedenartig, oft viele Kilometer weit ausdehnen. So soll die Mammutshöhle bei Greenriver in Kentucky 15 km und mit ihren Seitengängen und Verzweigungen 240 km Ausdehnung haben.

Nach A. von Humboldts Vorgange unterscheidet man: Spaltenhöhlen; Gewölbhöhlen, die man auch Grotten nennt, wenn sie geringe Tiefe oder einen weiten Eingang haben; Schlauchhöhlen, enge, gewundene Kanäle. Die meisten H. bestehen aus Kombinationen dieser drei Formen. Die H. in Kalk- und Dolomitgestein gewinnen besonders an Interesse durch die Bildungen von Höhlenkalk, Kalksinter oder Tropfstein (s. d.), welche die Höhlenwände in der seltsamsten Weise inkrustieren. Zwei solche H. zeigt die Tafel: Höhlen I, ↔ Fig. 1 u. 2 (entnommen dem 7. Bande des [im Buchhandel nicht erschienenen] Prachtwerkes: «Die Balearen», 7 Bde., Lpz. 1869-90, anonym vom Erzherzog Ludwig Salvator). Zu den berühmtesten dieser Tropfstein- oder Stalaktitenhöhlen gehören die von Adelsberg und St. Canzian im Karst, die Baumanns-, Biels-, Hermanns- und Scharzfelder Höhle im Harz, die Barbarossa- oder Kyffhäuserhöhle bei Frankenhausen, die Dechenhöhle in Westfalen, die H. in der Gegend von Muggendorf in Franken, die Nebelhöhle bei Pfullingen in Schwaben, die H. bei Luray in Nordamerika, die von Antiparos im Agäischen Meere. (S.Tafel: Höhlen II, Fig. 1.) Viele derselben sind zugleich Knochenhöhlen, in denen sich die Überreste vorweltlicher Tiere finden (s. Taf. II, Fig. 2). In Sandsteinfelsen finden sich oft höhlenartige Ausspülungen, wie namentlich in der Sächsischen Schweiz (s. Taf. II, Fig. 3). Die in manchen vulkanischen Gesteinen vorkommenden H. sind meist nur kolossale Blasenräume, die durch die Entwicklung von Wasserdämpfen und Gasen bei dem ursprünglichen Hervordrängen der geschmolzenen Massen aus dem Erdinnern entstanden sind. Da, wo Basaltdecken, welche in vertikale Säulen abgesondert sind, von der Brandung benagt werden, entstehen zuweilen Grotten und H. durch Unterwaschung, Zusammensturz und Wegspülung einzelner Gruppen von Säulen. Auf diese Weise ist z. B. die Bildung der berühmten Fingalshöhle (s. d.) auf der schott. Insel Staffa (s. Taf. II, Fig. 4) zu erklären. Außerdem sind noch zu erwähnen die Eishöhlen (s.d.) und die sog. Krystallhöhlen oder Krystallkeller im Granit der Alpen (Schweiz, Dauphiné, Savoyen u. s. w.), an deren Wandungen Kieselsäure als Bergkrystall und Rauchtopas auskrystallisiert ist und prächtige Auskleidungen bildet, wie in der berühmten Krystallhöhle des Zinkenstocks im Berner Oberlande. Sie sind nur als Erweiterungen gangartiger Spalten zu betrachten. Die Temperatur der H. gleicht zumeist der Mitteltemperatur des umgebenden Ortes. Die Lichtreflexerscheinungen der Blauen Grotten auf Capri und der dalmatinischen Insel Busi kommen daher, daß der Eingang direkt über dem Meere liegt. – H. geben Anlaß zu Erdfällen und Dolmen. (S. auch Höhlentiere.)

Höhlenassel, s. Asseln.

Höhlenbär (Ursus spelaeus Goldf.), eine jungdiluviale Bärenart, welche von andern Species besonders durch die riesenhafte Größe und den Mangel eines Lückenzähnchens hinter dem Eckzahn im Skelettbau unterschieden ist. In dem Schutt mancher Höhlen hat man Hunderte von Schädeln dieser Art ausgegraben, ein Beweis, daß der H. wirklich an Ort und Stelle hauste, wie der sicil. Höhlenelephant, während Reste anderer ebenda bei uns nachgewiesener Tiere, des Höhlenlöwen (oder -Tigers), -Wolfes, der Höhlenhyäne, des Mammuts, sibir. Rhinocerosses u. v. a., erst von den Bären dahin geschleppt, auch sonst verschlagen zu sein scheinen.

Höhlenenten, s. Fuchsenten.

Höhleneulen, s. Prairiekauz.

Höhlenfauna, Höhlenfisch, s. Höhlentiere.

Höhlenfunde, in Höhlen gefundene, von Menschen oder Tieren herrührende Überreste der Urzeit, oft tief unter mächtigen Tropfstein- und Sinterbildungen oder tief unter Lehm und Sand, liefern zum Teil außerordentlich wertvolles Material für die Kenntnis der frühesten Perioden des Menschen-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 281.