Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

399
Hüg. - Hugenotten
1739 die Priesterweihe und war seit 1791 Professor
der neutestamentlichen Theologie zu Freiburg, wo
er 11. März 1846 starb. Sein von gediegener For-
schnng und Unbefangenheit zeugendes Hauptwerk
ist die "Einleitung in die Schriften des Neuen Testa-
ments" (2 Bde., Tüb. 1808-9'. 4. Aufl., Stuttg.
1847); ferner schrieb er: "Die Erfindung der Buch-
stabenschrift" (Ulm 1801.), "Untersuchungen über
den Mythus der berühmten Völker der Alten Welt"
(Freib. i. Br. 1814), "Das Hohe Lied in einer noch
unversuchten Deutung" (ebd. 1814), "Gutachten
über das Leben Jesu, kritisch bearbeitet von D. Fr.
Strauß" (2. Aufl., 2 Bde., ebd. 1854). 1828 - 35
gab er die "Zeitschrift für die Geistlichkeit des Erz-
vistums Freiburg", 1839-48 mit Hirscher u. a.
die "Zeitschrift für Theologie" heraus.
^Hj/., ber naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Karl Alexander Anselm, Freiherr von
Hugbald, s. Hucbald. >Mgel (s. d.).
Hugdietrich, sagenhafter Held der Franken
<Hugones), wahrscheinlich der geschichtliche König
Theodorich von Austrasien (gest. 534). In einer
um 1225-30 verfaßten Dichtung vom "Wolf-
dietrich" beschäftigt sich die erste ^veutiuro mit ihm.
H., aus Konstantinopel gebürtig, kommt als Mädchen
verkleidet an den Hof König Walgunts von Salneck
und erzeugt mit der m einen Kerker eingeschlossenen
Tochter des Königs, Hildburg, einen Sohn, der,
ausgesetzt und von den Wölfen gesäugt, den Namen
Wolfdietrich (s. d.) bekommt. Ausgabe von Ame-
lung im "Deutschen Heldenbuch", Bd. 3 (Berl. 1871).
Eine schöne Umdichtung von H.s Vrautfahrt gab
W. Hertz (Stuttg. 1863).
Hügel, s. Berg (orographisch). l^S. 676 a).
Hslgel, grauer, des Gehirns, s. Gehirn (Bd. 7,
Hügel, Ernst Eugen, Freiherr von, württemb.
General und Staatsminister, geb. 26. März 1774
zu Ludwigsburg, war der Sohn des 1801. in den
Reichssreiherrenstand erhobenen württemb. Feld-
zeugmeisters Johann Andreas von H. (geb.
1734, gest. 1807), dessen edler Humanität Schubart
in seinen "Gedichten aus dem Kerker" ein Denkmal
gesetzt hat. H. trat 1785 in des Vaters Regiment,
nahm teil an den Feldzügen 1792-1800, wurde
1806 Major und stieg 1807 innerhalb sechs Monaten
bis zum Generalquartiermeister-Lieutenant empor.
1809 wohnte er den Schlachten von Abensberg,
Landshut, Eckmühl, Aspern und Wagram bei und
kehrte als Generalmajor zurück. Im Feldzuge von
181.2 stürmte H. mit der 1. Infanteriebrigade bei
Smolensk 17. und 18. Aug. die beiden Vorstädte am
Dnjepr; bei Borodino eroberte er die Nedoute des
linken Flügels. Im Kriege von 1815 war H. Mili-
tärkomnussar im Hauptquartier Wellingtons und
während der Friedensverhandlungen württemb.
Gesandter bei den verbündeten Monarchen in
Paris. 1816 wurde er Generallieutenant und Vice-
präsident des Kriegsdepartements und nach dem
Regierungsantritt des Königs Wilhelm 1817 Kriegs-
ratspräsident. 1820 wurde er Mitglied der Kammer
der Standesherren, 1829 Kriegsminister und 1842
in Ruhestand versetzt. Später zog er sich nach Kirch-
heim unter Teck zurück, wo er 30. März 1849 starb.
Sein Sohn,Freiherr Karl von H., geb. 24. Mai
1805, war Tkt. 1855 bis Okt. 1864 württemb. Mi-
nister des königl. Hauses und der auswärtigen An-
gelegenheiten; er war ein eifriger Vertreter der
rinn ei staatlichen Politik und starb zu Stuttgart
29. Mai 1870.
Hügel, Karl Alexander Auselm, Freiherr von,
Reisender und Naturforscher, geb. 25. April 1796
zu Negensburg, studierte seit 1811 zu Heidelberg
die Rechte und trat dann als Offizier in die österr.
Armee, focht 1814 und 1815 mit in Frankreich und
Italien, nahm 1821 an der Expedition nach Neapel
teil und blieb hier als Attache' der österr. Gesandt-
schaft bis 1824. Darauf nahm H. als Major den
Abschied, um sich zu Wien und Hietzing dem Stu-
dium der Naturwissenschaften zu widmen, und trat
1830 eine siebenjährige Reise an, die ihn bis nach
Neuseeland führte und auf der er namentlich Ost-
indien durchforschte. Seit der Rückkehr von seiner
großen Reise lebte er vorzugsweise der Hortikultur.
Im Dez. 1850 ging er als Gesandter nach Florenz,
wo er bis zur Vertreibung des Groscherzogs (1859)
verblieb, und nahm dann den Gesandtschaftsposten
in Brüssel an, den er 1869 niederlegte. Seitdem
lebte er erst in England, später in Brüssel, wo er
2. Juni 1870 starb. Seine Sammlungen wurden
den kaiserl. Kabinetten und der Hofbibliothek zu Wien
einverleibt. H. schrieb: "Kaschmir und das Reich
der Sikhs" (4 Bde., Stuttg. 1840-48) und "Das
Kabul-Becken" (2 Bde., Wien 1850-52).
Hügelameise (^oi-mica rula ^.), s. Waldameise.
Hugenius, Gelehrter, s. Huyghens.
Hugenotten (frz. llu^uLnotg), ursprünglich
Spottname, dann allgemeine Bezeichnung der franz.
Protestanten seit dem Reformationszeitalter. Der
Name ist wohl verstümmelt auslFN0t3,iFU6Q0t3 (Eid-
genossen), wie sich zeitweilig die Opposition in Genf
(s. d., Bd. 7, S. 781 d) nannte, weil sie es mit der
schweiz. Eidgenossenschaft hielt. Die Voltsetymolo-
gie hat dann nachträglich den Namen mit alten
franz. Sagen und Worten in Verbindung gebracht.
Bald nach Beginn der Reformation in Deutsch-
land zeigten sich auch Anhänger derselben in Frank-
reich. Unter dem Schutz der Königin Margarete von
Navarra erfüllten Männer wie Gerhard Roussel und
Jakob Lefevre weite, insbesondere die gelehrten
Kreise mit reformatorischen Ideen. Als später Cal-
vin auftrat, griff nach einer Ermattungspause unter
dem Adel, dem Mittelftande und den Handwerkern
der Abfall von der röm. Kirche gewaltiger um sich.
Die Bewegung war im innersten Kern religiöser Art,
aber sie begegnete sich mit den Regungen emes Rück-
schlages der noch selbständig gebliebenen franz. Kräfte
gegen den überhandnehmenden königl. Absolutis-
mus, und die sociale und polit. Nnruhe dieses allge-
meinen Übergangsprozesses bahnte auch den reli-
giösen Ideen den Weg. Calvins Sturmkraft gewann
dem religiösen Element die ausschließliche Führung.
Das an die alte Kirche gebundene Königtum wider-
strebte, zugleich im Sinne der Autorität gegenüber
dem Individualismus des prot. Gedankens. Schon
Franz 1. suchte trotz persönlicherSympathien die Be-
wegung durch Strafgesetze zu unterdrücken und ließ
viele Ketzer verbrennen. Schärfer noch ging Hein-
rich II. vor (s. (^aindi-6 al<i6M6); dennoch gewann
die Neuerung auch unter dem Hochadel Anhänger, an
deren Spitze die drei Brüder Coligny standen; der
Gegensatz der Häuser Bourbon und Guije brachte
parteipolit. Inhalt in die Bewegung, die guisische
Gewaltherrschaft unter Franz 11. vereinigte Pro-
testanten, oppositionelle Adlige und Bourbonen
zum Anschlag von Amboise, der daraus hinauslief,
den König und die Guisen gefangen zu nehmen und
Anton von Navarra die Regierung zu übertragen.
Die Verschwörung schlug fehl (März 1560) und