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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hugo (von Montfort) - Hugo (Victor Marie)
vestiturstreit. Er schrieb eine Chronik (bis 1102) in
zwei Büchern, von denen das erste nur durch einige
merkwürdige Bruchstücke älterer Werke Wert hat,
das zweite aber dadurch, daß es viele Nrkunden ent-
hält und H.s eigene Erfahrungen und Erkundigungen
mitteilt, freilich in ganz ungeordneter Weise und
oft mit zu großer Leichtgläubigkeit. Die Chronik hat
Pertz in den "Nonumsnta. t^6i'iuemia6 liiLtoriea."
(Bd. 8) herausgegeben.-Vgl. Wattenbach, Deutsch-
lands Geschichtsquellen, Bd. 2 (6. Aufl., Verl. 1893).
Hugo von Montfort, deutfcher Dichter, geb.
1357, aus dem vornehmen und mächtigen Ge-
schlecht der Grafen von Montfort-Bregenz, führte
ein politisch und kriegerisch bewegtes Leben, war
1381 und öfter österr. Kriegshauptmann, Landvogt
in der Schweiz, 1413-16 Landeshauptmann von
Steiermark und starb 4. April 1423. Seine Lieder
und poet. Briefe, die meist seinen (drei) Gemah-
linnen gelten, wurzeln ebenfo wie seine politischen,
memoirenhaften oder lehrhaften Reden in der
höfischen Ritterdichtung, wie sie Hadamar von
Laber und der jüngere Titurel vermittelten, ohne
in Stil und Metrik den formellen Verfall und die
geschmacklos realistische Manier seiner Zeit zu ver-
leugnen. Ausgabe von Wackernell (Innsbr. 1881).
Hugo von Sankt Victor, Theolog, wahr-
scheinlich aus dem Geschlecht der ehemals am Harz
ansässigen Grafen von Blankenburg und Regenstein,
geb. um 1097, ward im Konvent zu Hamersleben
gebildet, trat 1115 in die Schule des Augustiner-
klosters St. Victor bei Paris ein und wurde später
deren Vorsteher. Er starb 11. Febr. 1141. Seine
mystische Richtung, die in der von ihm begründeten
Theologie von St. Victor fortlebte und ihn zum
Freunde Bernhards (s. d.) von Clairvaux machte,
tritt am entschiedensten hervor in den Schriften
"D6 arca moraii", "1)6 arca in^Ltica", "1)6 vanitÄts
munäi". Die beste Ausgabe seiner Schriften erschien
Rouen 1648. - Vgl. Äebner, H. von St. Victor
und die theol. Richtungen seiner Zeit (Lpz. 1832);
I. Bach, Dogmengeschichte des Mittelalters, Bd. 2
(Wien 1875); Haur^au, 1.68 <Nuvr68 ä6 HußU68
ä6 8t. Victor (2. Aufl., Par. 1886), L'Huillier, Vi6
ä6 8t. ÜUZU68 (Solesm. 1888).
Hugo von Trimberg, Dichter, von einem
Dorfe im Würzburgischen so genannt, geb. um 1230
zu Werna, seit 1260 Magister und Rektor der Schulen
in der Theuerstadt, einer Vorstadt von Vamberg,
gest. nach 1313, ist bekannt als der Verfasser des
"Renner" (hg. von dem Bamberger Historischen Ver-
ein, Bamb. 1833-36), eines seinerzeit sehr belieb-
ten, in vielen Handschriften erhaltenen Lehrgedichts,
das er 1300 vollendete, aber noch bis 1313 mit man-
cherlei Zusätzen versah. Seine Dichtung, die ein älte-
res unvollendetes Werk, den "Samner" (Samm-
ler, 1266 verfaßt), erweiterte, beruht mehr auf theol.
Werken, dem Freidank und andern litterar. Quellen,
als auf scharfer Lebensbeobachtung; ein bitterer
Feind aller profanen und höfischen Dichtung, von
streng geistlicher Gesinnung, handelt der weltver-
drossene Greis abstrakt und allegorisch mit vielen
Citaten die sieben Todsünden in breiter, schlecht dis-
ponierter Ausführung ab, die seine Altersschwäche
nicht verkennen läßt. In seiner Jugend hatte er drei
weltliche und fünf geistliche deutsche Büchleinverfaßt,
die nicht erhalten sind; von seinen vier lat. Wer-
ken erhielt sich die "I^ursa ßauetorum" und das
"lisFisti-uui multoluui auetoruiQ" von 1280 (hg.
von Huemer, Wien 1888), ein wertvolles, versifizier-
tes, für Schüler bestimmtes Verzeichnis der besten
Schriftsteller. - Vgl. Wölfel in der "Zeitschrift für
deutsches Altertum", Bd. 28.
Hugo, Gustav, Ritter von, Jurist, geb. 23. Nov.
1764 zu Lörrach im Badischen, studierte 1782-85
zu Göttingen und wurde daselbst 1788 außerord.,
1792 ord. Professor der Rechte, 1819 Geh. Iustiz-
rat und starb daselbst 15. Sept. 1844. Er ist
nebst Savigny und Haubold der Begründer der
Historischen Rechtsschule in Deutschland und durch
gründliches Quellenstudium des röm. Rechts aus-
gezeichnet. Sein Hauptwerk ist das "Lehrbuch eines
civilistischen Kursus" (7 Bde., Verl. 1792 fg.); daran
schließt sich sein "Civilistisches Magazin" (6 Bde.,
ebd. 1814-37), das treffliche litterar.-kritische Bei-
träge zur röm. Rechtsgeschichte und andern Fächern
enthält, samt der Beilage "Beiträge zur civilistischen
Bücherkenntnis der letzten 40 Jahre" (2 Bde., ebd.
1828-29; Bd. 3,1845). - Vgl. Eyssenhardt, Zur
Erinnerung an G. H. (Berl. 1845).
Hugo (spr. ügoh), Victor Marie, franz. Dichter,
geb. 26. Febr. 1802 zu Besancon als zweiter Sohn
des Obersten Sigisbert H.,' der später General
und Graf des Kaiserreichs wurde, und einer Bre-
tonin, geborenen Sophie Trchuchet aus Nantes. Er
verbrachte seine erste Jugend teils in Italien und
Spanien, teils in Paris in einem ehemaligen Kloster
der Feuillantinnen. Vom Vater zum Eintritt in die
Polytechnische Schule bestimmt, trieb der junge H.
mit Erfolg Mathematik. Schon 1817 nahm er mit
einem Gedicht über das Thema "1^68 avantaFSI
äs I'stuäs" an einer akademischen Preisbewerbung
teil und wurde durch eine ehrenvolle Erwähnung
ausgezeichnet. 1818 erlaubte sein Vater ihm, sich
ganz der Litteratur zu widmen. Eine Ode auf die
Bildsäule Heinrichs IV., eine andere auf die "Jung-
frauen von Verdun" und eine dritte auf "Moses
am Nil" wurden 1819 und 1820 von der Aka-
demie zu Toulouse gekrönt und der Dichter zum
NMr6 68^6UX Ü0I-3.UX ernannt. Bald darauf er-
schien seine erste Gedichtsammlung "0äe8" (1821),
welcher die Mouv6ii68 oäes" (1824) und "0ä68 6t
da1iHä68" (1826) folgten. Diese Poesien, obgleich
in der Form noch klassisch, lassen doch in der Vers-
behandlung schon den Einfluß A. Chöniers erkennen,
der sich mit einem ursprünglichen Schwung der
Sprache und ungewohnter Kühnheit der Bilder
verbindet. Ludwig XVIII. bedachte um diese Zeit
(1823) den königstreuen Sänger, für dessen polit.
und religiöses Fühlen und Denken damals Chateau-
briand maßgebend war, mit einem Jahresgehalt
von 1500 (später 3000) Frs. H. verheiratete sich
mit Adele Foucher (1822) und veröffentlichte den
Roman "llaii ä'Isianäs" (4 Bde., 1823), der wie
der folgende "VuZ ^ai-Aal" (1826), als ein ohne
dichterische Selbstbeherrschung entstandenes Erzeug-
nis überhitzter Einbildungskraft, schon zeugt für den
bedenklichen Hang seiner Dichternatur, durch das
Übertriebene, Grauenvolle und grelle Gegensätze zum
Großen und Bedeutenden zu gelangen. Der Bruch
mit dem Klassicismus ließ nicht auf sich warten, mit
dem Buchdrama "Ooui^eii" (1827), dessen Vor-
rede, ein merkwürdiges und anspruchsvolles Gemisch
aus wahren und falschen Apercus, die ästhetische
Theorie der neuen Schule entwickelt, und mit der
Gedichtsammlung "I<68 Oi-ieüta^" (1839) wurde
H. das Haupt der Romantiker. Führte die Absage
an die klassische Überlieferung zu Stücken wie "Oom-
^611", die keinen dramat. Lebensnerv hatten und