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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Husarenaffe - Husejn
auf 10 Regimenter zu 10 Eskadrons; jedes Regi-
ment war in 2 Bataillone geteilt. Seit der Neu-
gestaltung des preuß. Heers nach 1806/7 hören die
H. auf, eine Specialwaffe zu sein, da von jedem
Kavallerieregiment die gleichen Leistungen verlangt
wurden; auch in der Organisation unterschieden die
H. sich nicht mehr von der andern Kavallerie.
Das deutsche Heer hat (1893) 20 Husarenregimen-
ter: Preußen ein Leibgarde-Husarenregiment und
die Regimenter Nr. 1 bis 16, Braunschweig Nr. 17,
Sachsen Nr. 18 u. 19. Bewaffnet sind die H. wie
die übrige Kavallerie mit Lanze, leichtem krummen
Säbel (feit 1889) und Karabiner 88. Als besondere
traditionelle Ausrüstungsstücke sind außer dem oben
bereits erwähnten Pelz und Dolman zu nennen der
Kalpak, die Flügelkappe, der Attila, die Schoitasch-
hosen und die Säbeltaschen. Alle größern Heere Eu-
ropas haben Husarenregimenter, mit Ausnahme
Italiens; in Rußland sind neuerdings mit Aus-
nahme von zwei Gardehusarenregimentern alle H.
in Dragoner umgewandelt worden.
Husarenaffe ((^rcopitliscus rüder <?60F>.),
Callitriche, ein Affe aus der Sippe der Meer-
katzen (s. d.), von 60 cm Länge, mit einem ebenfo
langen Schwänze, weihbehaarter Nase, braunrotem
Scheitel, oben fahlrotem, unten, an den Wangen und
den Innenseiten der Gliedmaßen weißlichem Pelz.
Bewohnt Nubien, Sennaar, Kordofan und Darfur.
In die zoolog. Gärten gelangen meist nur junge
Tiere, die etwa 40 M. kosten, aber selten lange
halten. Alte Exemplare zeichnen sich in der Regel
durch Bosheit und Tücke aus. Die Haltung ent-
spricht der der übrigen Affen (s. d.), nur verlangen
sie mehr Wärme.
Husarenmütze, die dem Helm und Tfchako
der andern Waffengattungen entfprechende Kopf-
bedeckung des Hufaren. Sie besteht aus Rohr, das
mit Seehundsfell, bei Offizieren mit Otterfell über-
zogen ist; auf der H. befindet sich der Kalpak (s. d.).
Zur Befestigung dienen Schuppenketten. Vorn an
der H. wird der Gardestern oder Namenszug ge-
tragen, von den 1. und 2. Leibhufaren und den
braunschw. Husaren der Totenkopf als altes Wahr-
zeichen dafür, daß sie weder Pardon nehmen noch
geben, fowie das Devisenband oder Landwehrkreuz.
(S. Haarbufch.)
Husarentasche (?6i-n". spliippium L.), eine
Art der Schinkenmuschel (s. d.).
Husch, rumän. Stadt, s. Hutzi.
Huschte, Georg Philipp Eduard, Jurist und
Führer der separierten luth. Kirche Preußens, geb.
26. Juni 1801 zu Münden, studierte Rechtswissen-
schaft in Göttingen und Berlin, habilitierte sich 1821
in Güttingen für röm. Recht, wurde 1824 ord. Pro-
fessor der Rechte in Rostock, 1827 in Vreslau, 1836
Senior und Ordinarius des Spruchkollegiums da-
selbst und später Geh. Iustizrat. Zugleich nahm er
sich der Sache der in Schlesien hart bedrängten luth.
Gemeinden an. Eine 1835 infolge des durch die
Unionsstreitigkeiten hervorgerufenen Hönigernfchen
Aufruhrprozesses gegen ihn eingeleitete Kriminal-
unterfuchung endete mit Freifprechung von der in
erster Instanz über ihn verhängten halbjährigen
Festungsstrafe. 1841 trat er als Direktor des 1845
auch vom Staate anerkannten Oberkirchenkollegiums
an die Spitze der aus dem Widerstand gegen die
Durchführung der Union hervorgegangenen evang.-
luth. Kirche Preußens. Als solcher suchte er die
Gegensätze unter den separierten Lutheranern aus-
zugleichen. Er starb 7. Febr. 1886 in Breslau. Als
Jurist verfolgte H. Vorzugsweife die histor.-philol.
Richtung. Von feinen Arbeiten sind hervorzuheben:
"Studien des röm. Rechts" (Bd. 1,Bresl. 1830), "Die
Verfassung des Königs Servius Tullius" (Heidelb.
1838), die Ausgabe von des Flavius Syntrophus
"In8truin6iiwui äoii3.ti0Qi8" (Bresl. 1838), "Über
den zur Zeit der Geburt Iefu gehaltenen Cenfus"
(ebd. 1840), "über das Recht des Nexuui und das alte
röm. Echuldrecht" (Lpz. 1846), "über den Cenfus
und die ^teuerverfassung der frühern röm. Kaifer-
zeit" (Bresl. 1847), "Gajus. Beiträge zur Kritik
und zum Verständnis feiner Institutionen" (Lpz.
1855), "^uriZpruäsntiHL antHULtinikwae huas
8UP6I-8UM" (ebd. 1861; 5. Aufl. 1886), "<w8twiHQi
in8tiwti0nuin lidri IV" (ebd. 1868), "Die oskischen
und sabellischen Sprachdenkmäler" (Elberf. 1856),
"Die Iguvifchen Tafeln nebst den kleinern umbri-
fchen Infchriften" (Lpz. 1859), "Zu den altital.
Dialekten" (ebd. 1872), "Die neue ostifche Bleitafel"
(ebd. 1880), "Das alte röm. Jahr und feine Tage"
(Bresl. 1869), "Die Nulta und das 89.crg.iu6nwiii"
(Lpz. 1874), "Das Recht der Publicianifchen Klage"
(Stuttg. 1874), "Zur Pandektenkritik" (Lpz. 1875),
"Die jüngst aufgefundenen Bruchstücke aus Schriften
röm. Juristen" (ebd. 1880), "Die Lehre des röm.
Rechts vom Darlehn" (ebd. 1882). Von feinen theol.
und tirchenpolit. Schriften feien genannt: "Theol.
Votum eines Juristen" (Nürnb. 1832), "Was lehret
Gottes Wort über die Ehefcheidung?" (Lpz. 1860),
"Das Buch mit den sieben Siegeln in der Offen-
barung St. Johannis 5, i fg." (ebd. 1860), "Die
streitigen Lehren von der Kirche, dem Kirchenamt,
dem Kirchenregiment und der Kirchenregierung"
(ebd. 1863).
Huschkes Gehörzähne, benannt nach ihrem
Entdecker Emil Husch ke (geb. 14. Dez. 1797 zu
Weimar, gest. 19. Juni 1858 als Professor der
Anatomie zu Jena), f. Gehör (Bd. 7, S.691a).
Huschspinne (Niel-0miu9.w), Gattung aus der
Familie der Krabbenfpinnen (s. d.) mit zwei deutfchen
Arten. Treiben sich in Waldungen auf Gras, be-
sonders gern auf Blumen herum, wo sie mit aus-
gebreiteten Beinen stundenlang regungslos sitzen,
verstehen aber auch sehr rafch zu laufen und haben
namentlich eine große Fertigkeit, sich beim Verfolgt-
werden blitzfchnell auf die untere Seite der Blätter
u. s. w., auf denen sie sitzen, herumzuschwingen.
Hufejn, Hussern, der zweite Sohn des vierten
Chalifen Ali, jüngerer Bruder des Hasan (s. d.), ver-
trat nach dem Emporkommen des Mo'äwija die An-
sprüche der Familie des Ali auf das Chalifat. Durch
seine Getreuen im Irak herbeigerufen, ve^uch^e er
von Beginn der Regierung des Iestd, des zweiten
Omajjaden, seinen Ansprüchen mit den Waffen
Geltung zu verfchäffen und traf in der Ebene von
Kerbela auf die ihn unter Amrs Befehl entgeaen-
gefandten Truppen. Hier siel H. 10. Okt. 680. Auf
dem Platze, wo er starb, wurde eine Mofchee er-
richtet, als Wallfahrtsort der Schi'iten bekannt unter
dem Namen Mefchhed H. Der Todestag des H.
(10. Moharrem), Afchura genannt, welcher von allen
Mohammedanern als religiöfer Gedenktag - wohl
eine mohammed. Nmdeutung des 10. Tischri der
Juden - gefeiert wird, gilt den Schi'iten als Tag
öffentlicher Trauer, an welchem, namentlich in Per-
sien, das traurige Geschick der Familie Alis dra-
matifch vorgeführt wird. Solche Dramen sind unter
dem Namen "Ta'zija" bekannt. Nach der Sage der