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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Indischer Salpeter - Indische Sprachen

selt mit dem Wind auch die Strömung. Zur Zeit des Nordostmonsuns herrschen im Arabischen Meer und im Golf von Bengalen südwestwärts gerichtete Triftströmungen; während des Südwestmonsuns haben diese Nordostrichtung. An kühlen Strömungen entspricht der Westaustralische Strom der Benguellaströmung des Atlantischen Oceans; südwärts vom 40.° südl. Br. ist die östl. Triftströmung allen drei großen Oceanen gemeinsam. Der Kerguelenstrom, der westlich von den Kergueleninseln nach Süden gehen soll, ist bis jetzt nur aus dem Fehlen von Eisbergen geschlossen worden. (S. die Karte der Meeresströmungen beim Artikel Meer.) Das Treibeis dringt im westl. Teile des I. O. im September und Oktober bis auf 36° südl. Br. vor. Bei den Crozet- und Prinz-Eduard-Inseln findet man vom Dezember bis zum April Eisberge. Bei den Kerguelen ist noch kein Eis beobachtet worden, doch ostwärts von ihnen dringt das Eis im November bis auf etwa 43° südl. Br. vor. Über den Salzgehalt liegen erst unvollständige Beobachtungen vor. Man fand ein Gebiet hohen Salzgehalts (über 1,0275 spec. Gewicht) in der arab. See. Der Landwasserreichtum des Golfs von Bengalen erniedrigt dort den Salzgehalt (unter 1,026 spec. Gewicht). Nach Bouquet de la Grye hat die nördl. Hälfte des Roten Meers 1,029 spec. Gewicht, die südliche dagegen nur 1,0275 spec. Gewicht Salzgehalt. Der von manchen angenommene Kontinent Lemuria (s. d.) dürfte in das Reich der Sage gehören.

Die Schiffahrt zwischen Europa und dem östl. Asien findet um das Vorgebirge der Guten Hoffnung oder, seit der Eröffnung des Sueskanals, durch diesen statt, während die Straße von Malaka zwischen der Malaiischen Halbinsel und der Insel Sumatra, sowie die Sundastraße zwischen Sumatra und Java die Hauptverbindungswege zwischen der nördl. Hälfte des I. O. und dem westl. Teile des Stillen Oceans darstellen und daher für die Schiffahrt und den Handelsverkehr von größter Wichtigkeit sind. Die Segelschiffswege im I. O. richten sich nach den herrschenden Winden. Die Segelschiffe ziehen der günstigen Winde halber nach allen Häfen des Indischen und Stillen Oceans den Weg um das Kap der Guten Hoffnung dem durch den Sueskanal vor. Aus dem Atlantischen Ocean kommend, passieren die Segler in 39 bis 43° südl. Br. das Kap, und benutzen dann die sog. "braven" Westwinde. Diese führen sie bis nach Australien, wenn sie dorthin bestimmt sind. Die nach Indien segelnden Schiffe verlassen die Westwinde bei der Insel Neu-Amsterdam und steuern von da nördl. Kurse. Die nach Ostasien und nach den ind. Inseln bestimmten nehmen von Neu-Amsterdam aus einen etwas ostwärts gekrümmten Kurs auf die Sunda- oder Balistraße. Von Indien rückkehrend, steuern die Segler südwärts bis zur Linie und nehmen dort geraden Kurs nach dem Kap der Guten Hoffnung; die durch die Sunda- oder Balistraße rückkehrenden Schiffe nehmen sofort Kurs nach dem Kap der Guten Hoffnung. Um die Mozambique- und Agulhasströmung auszunutzen, steuern die rückkehrenden Segler dicht an der Südspitze Madagaskars und dicht an der Südküste Afrikas entlang. Die von Australien kommenden Segler laufen dicht an der Südwestspitze Australiens, dem Kap Leeuwin, vorbei nordwestwärts, bis sie in die Route der von der Sundastraße nach dem Kap der Guten Hoffnung segelnden Schiffe treffen, m die sie ungefähr auf der Länge von Mauritius einbiegen. Der lebhafteste Schiffsverkehr von Segelschiffen findet also im südwestlichsten Teile des I. O. statt, während der Dampferverkehr im Golf von Aden am stärksten ist. Die Dauer der Segelschiffsreisen vom Englischen Kanal nach den ind. Reishäfen beträgt etwa 110 Tage. Nach den südaustral. Häfen rechnet man etwa 100, in umgekehrter Richtung 120 Tage. Die Dampferwege sind gewöhnlich die kürzesten Verbindungen, die die Karte erlaubt. Die Postdampfer rechnen von Sues bis nach Aden 5 Tage, von Aden nach Colombo (Ceylon) 7-8 Tage, von Colombo nach Singapur 7 Tage; von Aden nach Bombay 6 Tage, von Aden nach Sansibar 7 Tage, von Aden nach Mauritius 8 Tage; von Colombo nach Melbourne 19 Tage; von Kapstadt nach Neuseeland 24 Tage. (S. Übersichtskarte des Weltverkehrs beim Artikel Weltverkehr.)

Der Walfischfang, der im südlichen I. O. noch vor einigen Jahrzehnten mit Erfolg und in großem Maßstabe betrieben wurde, hat neuerdings fast ganz aufgehört. Rücksichtslose Verfolgung hat die Tiere von den Stellen, wo sie früher häufig vorkamen, vertrieben. Jetzt lohnt der Fang im I. O. kaum noch.

Litteratur. A. von Danckelman, Regen, Hagel und Gewitter im I. O. (Hamb. 1880); Imray und Jenkins, The Indian Ocean Pilot (Lond. 1881); A. G. Findlay, The Indian Ocean (4. Aufl., ebd. 1882); Service hydrographique de la marine française, Océan Indien (Par. 1887); C. Meldrum, Waarnemingen in den Indischen Oceaan (in "Nederlandsch Meteorologisch Instituut", Utr. 1889, 1892); Cyclone tracks in the South Indian Ocean (Lond. 1891); C. H. Seemann und W. Köppen, Tropische Wirbelstürme im südlichen I. O. (Hamb. 1892); Deutsche Seewarte, Segelhandbuch für den I. O. (ebd. 1892; Atlas mit 35 Karten dazu, ebd. 1891).

Indischer Salpeter, s. Salpeter.

Indischer Speik, s. Valeriana.

Indischer Zahnextrakt, s. Geheimmittel.

Indisches Feuer, soviel wie Bengalisches Feuer (s. d.).

Indisches Heerwesen, s. Ostindien.

Indisches Huhn, s. Truthuhn.

Indisches Kaiserreich (British Empire in India), s. Ostindien.

Indisches Meer, s. Indischer Ocean.

Indische Sprachen nennt man im weitern Sinne die ganze beträchtliche Anzahl der in Vorderindien einheimischen Sprachen, welche in folgende vier Sprachengruppen zerfallen: 1) die dravidische Sprache im Süden, 2) die kolarische, meist in Centralindien (s. Dekanische Sprachen), 3) die tibetische und 4) die arische oder indogermanische in den Himalajaländern. - Im engern Sinne versteht die Wissenschaft unter I. S. nur die der arischen Gruppe angehörigen Idiome. Hierzu gehören das Sanskrit (s. d.), Prākrit (s. d.), Pāli (s. d.), sämtlich mit sehr reicher Litteratur (s. Indische Litteratur). Aus dem 3. Jahrh. v. Chr. sind in den Felsen- und Säuleninschriften des Königs Açoka (s. d.) die ersten Denkmäler mehrerer Volkssprachen erhalten. Erst vom 12. Jahrh. n. Chr. an treten die neuindischen Sprachen in der Litteratur hervor. Sie sind im Gegensatz zu den alten in ihrem ganzen Bau analytisch. Die Casus und die Beziehungen des Ortes, der Zeit und der Art und Weise werden durch lose angehängte Suffixe bezeichnet. Die Konjugation hat fast nur