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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Insektenpulver - Inseln

Kopfe, scharfen Vorderzähnen, meist kleinen, aber spitzen Eckzähnen und zahlreichen Backenzähnen, welche mit kegelförmigen, scharfen Spitzen ineinander greifen. Sie sind Sohlengänger mit fünf bekrallten Zehen und unterscheiden sich von den eigentlichen Raubtieren durch den Besitz eines Schlüsselbeins, die Bildung des Gehirns, der Geschlechtsorgane und noch andere untergeordnete Einzelheiten ihrer Organisation, welche sie als die zerstreuten Reste eines sehr alten Typus von Säugetieren kennzeichnen, die durch specielle Anpassung an besondere Existenzbedingungen bis in die Jetztwelt sich erhalten haben. Ihrer Verbreitung nach ist die Gruppe im europ. Faunengebiete vertreten durch die Spitzmäuse (s. d., hierher die Zwergspitzmaus, Sorex pygmaeus Pallas; s. Tafel: Insektenfresser, Fig. 7, und die gemeine Spitzmaus, Sorex vulgaris L., Fig. 8), den Igel (s. d., Erinaceus europaeus L., Fig. 1) und den Maulwurf (s. d., Talpa europaea L, Fig. 3); in Afrika durch die Rohrrüßler (s. d., z. B. den südafrik. Macroscelides typicus Smith, Fig. 4), die Otterigel (s. d.) und Madagaskarigel (s. d., z. B. der Tanrek, Ceutetes ecaudatus Illiger, Fig. 2), sowie durch die Goldmaulwürfe (s. Maulwurf); asiatisch sind die Spitzhörnchen (s. d., z. B. Tana, Cladobates tana Wagner, Fig. 6). Alle I. leben hauptsächlich von Insekten; daneben kommen aber vielfache Anpassungen sowohl an anderweitige tierische wie auch an pflanzliche Kost vor. Fossile Formen, darunter die ausgestorbenen Mysarachne und Plesiosorex, finden sich im südfranz. Miocän. Am besten an die I. schließen sich auch die früher zu den Halbaffen gestellten Pelzflügler (s. d., der Flattermaki, Galeopithecus volans Pallas, Fig. 5) an, welche in ihrer Organisation Charaktere der Lemuriden, Beutler und I. vereinigen.

Insektenpulver, ein zur Vertilgung lästiger Insekten, wie Flöhe, Wanzen, Motten, Fliegen u. s. w. dienendes Pulver. Ursprünglich verstand man unter diesem Namen nur das persische oder kaukasische I., welches aus den gemahlenen Blütenköpfchen von Pyrethrum (oder Chrysanthemum, s. d.) roseum Bieb., Pyrethrum carneum Bieb. oder Pyrethrum caucasicum Willd. besteht. Später ist das Dalmatiner I. mehr in Aufnahme gekommen, welches durch Mahlen der Blütenköpfchen von Pyrethrum cinerariaefolium Trev. gewonnen wird. Beide Sorten I. sind mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden und bilden ein graugelbes Pulver, das in frischem Zustande sich durch eine etwas lebhaftere Färbung auszeichnet. Die Wirksamkeit beider Pulver ist bedingt durch die Sorgfalt, welche beim Sammeln, Trocknen und Vermahlen der Blütenköpfchen angewendet worden ist, sowie durch die möglichst frische Beschaffenheit. Die wirksamen Bestandteile der Pyrethrumblüten sind mit Sicherheit noch nicht ermittelt, ebensowenig die Art der Wirkung auf die Insekten. Mit einiger Wahrscheinlichkeit schreibt man den Inhaltsstoffen der an den Fruchtknoten der Pyrethrumblüten sitzenden Harzdrüsen (ätherisches Öl und eine flüchtige Säure) eine für Insekten tödliche Wirkung zu. Notwendig ist es, daß das I. fein zerteilt und möglichst durch einen Zerstäuber in der Luft aufgewirbelt zur Anwendung kommt. Einige Importeure von I. bringen ihre Ware unter einer ihrer Firma geschützten Marke und in fest verschlossenen Gefäßen in den Handel. Solche Marken sind «Zacherlin», «Thurmelin», «Überseeisches Pulver», «Transatlantisches Pulver», «Non plus ultra-Insektenpulver», «Rapidpulver» u. s. w. Neben betrügerischen Fälschungen werden beständig Versuche gemacht, andere mehr oder weniger wirksame Substanzen zur Insektenvertilgung unter dem Namen I. einzuführen, z. B. gepulverte Zweigspitzen von Croton flavens L., oder eine Mischung aus gleichen Teilen gepulverten Sabadillsamen, Staphisagriakörnern, Wermut, Anis und Rainfarn mit einem Zusatz von 2 bis 3 Proz. Eucalyptusöl, oder das unter Patentschutz gestellte «Metallische I.» von Calov, welches nach der Patentschrift aus 85 Proz. Zinkstaub und 15 Proz. Magnesiumcarbonat bestehen soll, in Wirklichkeit aber noch 17,5 Proz. Persisches I. beigemengt enthält.

Insektivōren (Insectivŏra), s. Insektenfressende Pflanzen und Insektenfresser.

Insektolōg (lat.-grch.), Insektenkenner.

Insel, s. Inseln. – Über den I. genannten Teil des Großhirns s. Gehirn (Bd. 7, S. 675 b).

Inselbahnhof, s. Bahnhöfe (Bd. 2, S. 292 a).

Inselberg, s. Inselsberg.

Inselhafen, s. Hafen (Bd. 8, S. 632 a).

Inselklima, s. Seeklima.

Inselkrebs (Macrocheirus Kempferi von Siebold), der sima-gani der Japaner, der größte bekannte lebende Krebs, gehört in die Familie der Spinnenkrabben (s. d.), hat einen bis 50 cm langen Rumpf und seine Beine spannen öfters über 3 m. Er bewohnt die Küsten von Japan, nährt sich von Seesternen und wird gern von der niedern Bevölkerung gegessen.

Inseln (aus dem lat. insŭla) nennt man kleinere, rings von Wasser umgebene Festlandstücke, bei denen, wenn sie im Meere liegen, auch in den innersten Teilen der Einfluß des Meers, besonders in klimatischer Beziehung zu spüren ist. Daher ist z. B. Australien, das im Innern ganz kontinentales Klima hat, als Erdteil anzusehen.

Kleine I. pflegt man auch Eilande und die von zwei Armen eines Flusses gebildeten Werder oder Wörth zu nennen. Eine Anzahl nahe beisammen liegender I. heißt eine Inselgruppe oder Archipelagus (s. d.) und eine in gerader Linie oder in Bogenform fortlaufende Reihe eine Inselkette. Manche I. verbinden zwei Festlande miteinander, wie die Sunda-Inseln, die Antillen, die Alëuten. Nach der Lage in der Nähe oder Ferne der Kontinente lassen sich kontinentale (Euböa, Großbritannien), auch Küsten- oder Gestade-Inseln genannt, und oceanische I. (St. Helena) unterscheiden. Nach der Entstehung trennt man neuerdings die Restinseln, Reste eines ehemaligen Kontinents (Neuseeland, Madagaskar), von den festländischen I., d. h. losgetrennten Teilen eines benachbarten Festlandes, und von den ursprünglichen I. Die festländischen I. entstanden wohl meist durch positive Niveauverschiebung, wobei, das Meer niedrige Landflächen überschwemmte und die Erhöhungen als I. abgliederte. Ihre Anordnung, die Bildung ihrer Gebirge, die Flora und Fauna weisen auf ihre Entstehungsart hin, indem sie Übereinstimmung mit dem nahen Festlande zeigen. Die ursprünglichen I. kann man wieder einteilen in vulkanische I. (z. B. Santorin, s. d.), Schwemmlandinseln, welche dadurch zu stande kommen, daß die Strömungen des Meers Sandmassen in großer Menge anhäufen, und Koralleninseln Klippen oder Sandbänke sind nackt zu Tage tretende kleinere Felsen oder Sandanhäufungen.