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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Jaeger; Jäger; Jägerei; Jägerlatein; Jägerliest; Jägermütze; Jägerndorf

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Jaeger (Hermann) - Jägerndorf

als unbedingt nachteilig verwirft und lediglich wollene Unterkleider und Kleider gestattet (die Normalkleidung), hat sich viele Anhänger erworben.

Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Zoolog. Briefe" (3 Lsgn., Wien 1864-76), "Die Wunder der unsichtbaren Welt" (Berl. 1868), "Das Leben im Wasser" (ebd. 1868), "Die Darwinsche Theorie und ihre Stellung zu Moral und Religion" (Stuttg. 1869), "Lehrbuch der allgemeinen Zoologie" (2 Bde., Lpz. 1871-78), "Tiergartenskizzen" (Hamb. 1872), "In Sachen Darwins contra. Wigand" (Stuttg. 1874), "Deutschlands Tierwelt nach ihren Standorten" (ebd. 1874), "Die menschliche Arbeitskraft" (2 Bde., Münch. 1878), "Seuchenfestigkeit und Konstitutionskraft" (Lpz. 1878), "Die Entdeckung der Seele" (ebd. 1878; 3. Aufl., 2 Bde., 1883-84), "Die Normalkleidung als Gesundheitsschutz" (Stuttg. 1880; 4. Aufl. u. d. T. "Mein System" ebd. 1885), "Wanderungen durch das Tierreich" (ebd. 1880), "Stoffwirkung in Lebewesen" (ebd. 1891), "Ein verkannter Wohlthäter" (ebd. 1891), "Aus Natur- und Menschenleben" (Lpz. 1893). Seit 1881 giebt J. ein der Fortbildung seiner Lehre und Praxis gewidmetes "Monatsblatt" heraus.

Jaeger, Hermann, Gärtner und Gartenschriftsteller, geb. 7. Okt. 1815 zu Münchenbernsdorf bei Gera, erlernte die Gärtnerei zu Belvedere bei Weimar, machte 1840 eine Reise durch Italien, Frankreich, Belgien und England, worauf er wieder nach Belvedere zurückkehrte. Nach zwei Jahren erhielt er eine Stelle am Berliner Botanischen Garten, von wo er 1845 als Hofgärtner nach Eisenach berufen wurde. 1873 wurde J. zum Hofgarteninspektor ernannt und starb 5. Jan. 1890. Von seinen zahlreichen Schriften über Gartenbau seien hervorgehoben: "Die Ziergehölze der Gärten und Parkanlagen" (Weim. 1865; 2. Aufl., mit Beißner, 1884), "Allgemeines Illustriertes Gartenbuch" (Lpz. 1866; 4. Aufl., Hannov. 1882), "Der immerblühende Garten" (Lpz. 1867; 2. Aufl. 1875), "Der Hausgarten" (Weim. 1867; 2. Aufl. 1880), "Lehrbuch der Gartenkunst" (Lpz. 1877); "Gartenkunst und Gärtner sonst und jetzt" (Berl. 1887), "Erziehung der Pflanzen aus Samen" (in Verbindung mit E. Benary bearbeitet, Lpz. 1887). Seit 1857 war J. Mitherausgeber von Regels "Gartenflora".

Jäger, Johs., Humanist, s. Crotus Rubianus.

Jäger, Oskar, Historiker, geb. 26. Okt. 1830 zu Stuttgart, studierte Theologie und Philologie zu Tübingen, war 1853-55 Lehrer in der Erziehungsanstalt zu Freyimfelde bei Halle a. d. S., 1856-59 Lehrer am Gymnasium, an der Oberreal- und Polytechnischen Schule zu Stuttgart, dann am Gymnasium in Ulm, wurde 1859 Gymnasiallehrer in Wetzlar, 1862 Rektor des damaligen Progymnasiums zu Mörs und 1865 Direktor des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums zu Köln. Seine wichtigsten Schriften sind: "John Wycliffe und seine Bedeutung für die Reformation" (Halle 1854), "Geschichte der Römer" (Gütersloh 1861; 6. Aufl. 1889), "Geschichte der Griechen" (ebd. 1866; 5. Aufl. 1887), "Die Punischen Kriege, nach den Quellen erzählt" (3 Bde., Halle 1869-70), "Weltgeschichte" (4 Bde., 2.Aufl., Bielef. 1890-91). Die neue Ausgabe von Schlossers "Weltgeschichte für das deutsche Volk" (Oberhausen 1870; 4. Ausg., Berlin) wurde von ihm und Th. Creizenach besorgt; deren Fortsetzung, "Geschichte der neuesten Zeit" (24. Aufl., 3 Bde., Berl. 1893), ist im entschieden nationalen Sinne geschrieben. 1893 gab er mit F. Moldenhauer eine "Auswahl wichtiger Aktenstücke zur Geschichte des 19. Jahrh." (Berlin) heraus. Auf pädagogischem Gebiet veröffentlichte J. einige weitverbreitete Hilfsbücher für den Geschichtsunterricht sowie "Aus der Praxis. Ein pädagogisches Testament" (2. Aufl., Wiesb. 1885) und "Das humanistische Gymnasium" (ebd. 1890).

Jägerei, soviel wie Jagdpersonal.

Jägerlatein, scherzhafte Bezeichnung der übertriebenen und aufgebauschten Erzählungen der Waidmänner von ihren Erlebnissen und Abenteuern auf der Jagd. - Vgl. (Gräße), Jägerhörnlein. Jägerlügen (Dresd. 1860): Keller, Jägerlatein (3. Aufl., Klagenf. 1886; 2. Serie, 2. Aufl., 1887); ferner "Lustige Jagd", "Herrn Petermanns Jagdbuch" u. a. aus dem Verlag von Braun und Schneider (s. d.).

Jägerliest, Vogel, s. Baumlieste.

Jägermütze, s. Sarracenia.

Jägerndorf. 1) Bezirkshauptmannschaft in Österreichisch-Schlesien, hat 523,21 qkm, (1890) 63 194 (29 770 männl., 33 424 weibl.) E., 7958 Häuser und 15 425 Wohnparteien in 64 Gemeinden mit 104 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Hennersdorf, J., Hotzenplotz und Olbersdorf. - 2) I., czech. Krnov, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft J., am Zusammenflusse der Gold-Oppa mit der Oppa, in 313 m Höhe am Fuße des Burgberges, an den Linien Olmütz-J.-Troppau (121 km) und J.-Ziegenhals (38 km) der Mährisch-Schles. Centralbahn und der Nebenlinie J.-Leobschütz (18 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat mit 4 Vorstädten (1890) 14257 meist deutsche E., in Garnison (337 Mann) das 16. Feldjägerbataillon, Bezirksgericht (180,91 qkm, 16 Gemeinden, 28 Ortschaften, 26 481 E.), vier Vorstädte, eine schöne Dekanatskirche, ein Minoritenkloster, ein fürstl. Liechtensteinsches Schloß, Staatsrealschule und Webefachschule und ist Hauptort des österr. Anteils des Fürstentums J. (s. unten). Es besteht starke Tuchmacherei und Wollwarenerzeugung, eine Maschinenfabrik und bedeutende Märkte. Südöstlich der Burgberg (433 m) mit Wallfahrtskirche und Rundsicht sowie die Ruine von Lobenstein oder Schellenberg, dem ehemaligen Sitze der brandenb. Fürsten von J. Die Stadt hatte im Dreißigjährigen Kriege von den Schweden viel zu leiden. Im Mai 1745 fanden bei J. zwei Gefechte zwischen den Preußen und Österreichern statt und 11. Jan. 1779 zogen letztere in einem Gefechte den kürzern.

Das Fürstentum J., teils zum Leobschützer Kreise des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, größtenteils jedoch zu Österreichisch-Schlesien gehörig, ehedem ein Bestandteil des Herzogtums Ratibor-Troppau, tritt erst 1437 als ein besonderes Fürstentum auf, als es Nikolaus V., ein Enkel Herzog Johanns I. von Ratibor, bei der Teilung des väterlichen Erbes erhielt. 1523 kam es durch Kauf an den Markgrafen Georg den Frommen (gest. 1543) von Brandenburg-Ansbach; dessen Sohn Georg Friedrich schenkte das Fürstentum nebst den Herrschaften Beuthen und Oderberg 1596 dem Kurprinzen Joachim Friedrich von Brandenburg, der es nach Georg Friedrichs Tod 1603 übernahm. Am 12. April 1607 trat Joachim Friedrich I. nebst Beuthen und Oderberg an seinen zweiten Sohn Johann Georg zur selbständigen Regierung ab mit dem Vorbehalt, daß nach dem Aussterben der männlichen Nachkommenschaft desselben die Länder auf immer mit dem Kurstaat Brandenburg vereinigt werden