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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Janhagel; Janiceps; Janiculum; Janin; Janina; Janisch; Janitor; Janitscharen

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Janhagel – Janitscharen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Jan-tse-kiang'

ungefähr unter 33° nördl. Br. und 91° östl. L. am Nordabhange des Tanlagebirges, strömt zuerst in nordöstlicher, dann nach Aufnahme des Naptschi-tai-ulan in südöstlicher, aus dem Gebiete von Kuku-Nor in die Provinz Sze-tschwan tretend, in südl. Richtung an Batang (30° nördl. Br.) vorbei und wird hier von den Chinesen Kin-scha-kiang («Gold-Sand-Strom») genannt. Nördlich von 28° nördl. Br. betritt der Strom die chines. Provinz Jün-nan, wo er südlich von 27° nördl. Br. einen meist östl. Lauf annimmt, um ihn auf etwa 103° östl. L. mit einem nördlichen zu vertauschen und zwischen 28 und 29° nördl. Br. aufs neue einzuschlagen. Etwa auf 102° östl. L. nimmt der Strom von N. den Ja-lung-kiang, einen seiner bedeutendsten Nebenflüsse, auf; von dort an der Grenze von Jün-nan und Sze-tschwan beginnen die von N. nach S. laufenden Gebirge (hier von 3500 m Höhe) aufs neue die Richtung des Stroms zu bestimmen, welche indes wieder in der Gegend, wo er den Min-kiang aufnimmt (bei Sü-tschou-fu, welches etwa 28°48‘ nördl. Br. und 104°50‘ östl. L. liegt), eine im ganzen östliche wird. Letztern sahen die Chinesen als den eigentlichen Quellfluß an, und von dieser Mündung an führt der J. den Namen Ta-kiang. Schon in der Nähe des 104° östl. L. ist der Strom zwar schiffbar, aber öfters durch Stromschnellen schwer zugänglich. Bei Tschung-king (s. d.) mündet der vom Tsin-ling-Gebirge kommende Kia-ling-kiang. Von S. ist weiter abwärts der bei Fu-tschou mündende Wu-kiang der bedeutendste Nebenfluß. Zwischen hier und I-tschang drängt sich der Strom durch den Wu-schan und die gefährlichen Stromschnellen, welche Gegenstand eines engl.-chines. Vertrages geworden sind. Der Strom fließt dann durch die Provinz Hu-pe. Zwischen I-tschang und Han-kou (s. d.) nimmt der Strom die Gewässer des Tung-ting-Sees auf, oder staut dieselben zur Zeit seines sommerlichen Hochwasserstandes zurück. Bei Han-kou mündet der von NW. kommende schiffbare Han-kiang. Unterhalb Kiu-kiang (s. d.) in der Provinz Kiang-si mündet der Pojang-See. Weiter unterhalb betritt der J. die Provinz Ngan-hwei und oberhalb Nan-king Kiang-su. Bei Tschin-kiang und Jang-tschou wird der Strom vom Kaiserkanal durchschnitten und teilt sich an seiner Mündung in zwei das Tsung-ming-Eiland mit der gleichnamigen Stadt umschließende breite Arme. Der gewöhnliche Name des J. ist einfach Kiang («Strom»), Ta-kiang («großer Strom»), oder Thschang-kiang («langer Strom»). Die Bezeichnung Blauer Fluß ist keine chinesische. Die Länge des Laufs des J. wird auf über 5000 km, sein Stromgebiet auf 1872000 qkm geschätzt. Bis gegen 1600 km aufwärts ist er für europ. Schiffe fahrbar. Im März oder April beginnt der Wasserstand zu steigen, um im Juli oder August seine größte Höhe zu erreichen und bei Zunahme von über 10 m zwischen Han-kou und Nan-king gelegentlich eine seeartige Breite anzunehmen.

Janhagel (niederländ., auch Hans Hagel), soviel wie Pöbel. Jan (niederländ., Hans) heißt hier Narr, Hagel hergelaufenes Volk.

Janĭceps (lat.), Mißbildung, s. Syncephalus.

Janicŭlum, s. Janus.

Janin (spr. schānäng), Jules, franz. Kritiker und Romandichter, geb. 16. Febr. 1804 zu St. Etienne, vollendete seine Schulbildung in Paris, wo er sich durch Privatunterricht und Beiträge für Theaterzeitungen die Existenzmittel erwarb. Sein erster ↔ zweibändiger Roman «L'âne mort et la femme guillotinée» erschien 1829 u. ö.; ihm folgten «La confession» (1830), ein polit.-religiöser Roman, und «Barnave» (1831), ein Tendenzroman gegen die Orléans. Trotzdem kam der Verfasser bei dem König Ludwig Philipp wieder in Gnade und wurde 1836 dramat. Feuilletonist des «Journal des Débats», wo er ein eigenes kritisches Genre schuf, nämlich die Kritik, die ihren Gegenstand beiseite setzt, indem sie in munterm, witzigem, pikantem Geplauder alles mögliche nur oberflächlich berührt. Diese Schreibart fand großen Anklang. Jedes Feuilleton von J. war ein Ereignis. Die von ihm aufgebrachte Benennung «Kritikerfürst» (prince des critiques) wurde auf ihn selbst angewandt. U. d. T. «Histoire de la littérature dramatique» (6 Bde., Par. 1853–58) sammelte er aus seinen in den «Débats» geschriebenen Artikeln eine Auswahl. Außerdem veröffentlichte er die Romane und Novellen: «Le chemin de traverse» (2 Bde., 1836), «La religieuse de Toulouse» (2 Bde., 1850), «La fin d'un monde et un neveu de Rameau» (1861): ferner Reisebilder und Länderbeschreibungen: «Voyage en Italie» (1839), «La Normandie historique, pittoresque et monumentale» (1842–43, mit Kupfern) und «La Bretagne historique» (1844). Ferner erschienen: «Béranger et son temps» (2 Bde., 1866), «Paris et Versailles il y a cent ans» (Par. 1874) und «Contes, nouvelles et récits» (ebd. 1884). Er wurde 1870 Mitglied der Akademie und starb 20. Juni 1874 zu Paris (Passy); die Leiche wurde in der Familiengruft zu Evreux beigesetzt. Eine Sammlung seiner Schriften erschien von A. de la Fizelière als «Œuvres diverses» (12 Bde., Par. 1875–78). – Vgl. Piedagnel, Jules J. 1804–74 (Par. 1874; 2. Aufl. 1877).

Janina, s. Jannina.

Janisch, Antonie, Schauspielerin, geb. 1850 in Wien, debütierte 1867 im Burgtheater daselbst und kam darauf an das Wallner-Theater in Berlin. Seit 1869 wirkte sie am Thaliatheater in Hamburg, seit 1872 am Burgtheater in Wien. Im folgenden Jahre vermählte sie sich mit dem Grafen Ludwig Arco-Valley und lebte bis 1875 der Bühne fern, kehrte aber dann zum Burgtheater zurück. Sie wirkt mit Erfolg sowohl im naiven wie sentimentalen und tragischen Fach, auch in Konversationsrollen.

Janĭtor (lat.), s. Ostiarius.

Janitscharen (türk. jeni tscheri, d.i. neue Miliz), die türk. Miliz, die 1329 von dem osman. Sultan Orchan aus jungen, zum Übertritt zum Islam gezwungenen christl. Gefangenen errichtet, von Sultan Murad I. um 1360 vollständig organisiert, mit verschiedenen Vorrechten ausgestattet und bis auf die Zahl von 12000 Mann gebracht wurde. Murad verordnete, daß sich die Truppe aus gefangenen Christen oder der jungen Mannschaft eben unterworfener Christen rekrutieren solle. Die anerkannten Rajahvölker hatten alle fünf Jahre die Knabenlese (Dewschirmeh) über sich ergehen zu lassen, durch welche die kräftigsten Knaben für das Korps eingezogen wurden, um zunächst als Adschem Oghlan (Rekruten) herangebildet zu werden. Das Charakteristische des Anzugs der J. war die hohe Mütze aus weißem Filz mit auf den Nacken hinab reichender Falbel. In einer Zeit, die noch keine Berufsheere kannte, hatte also damit die Türkei ihre stehende uniformierte Truppe voraus. Die Vorrechte, deren sich die J. erfreuten, veranlaßten auch viele junge Türken in das Korps einzutreten. Darum

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 851.