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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Judas (Makkabi) - Juden

der zwölf Jünger Jesu. Bei Markus wird an seiner Stelle Thaddäus, bei Matthäus Lebbäus genannt. Beide Namen hat man schon im Altertum für bloße Beinamen des J. gehalten und ihn zu einem Sohne des Alphäus und Bruder des jüngern Jakobus gemacht. Nach der edessenischen Legende soll J. mit dem Apostel Thomas, nach einer andern mit dem Apostel Simon eine Person sein. Eine vierte, ebenfalls schon alte Kombination jenes J. mit dem gleichnamigen Bruder Jesu gab die Veranlassung, ihm den im Neuen Testament enthaltenen Brief beizulegen, dessen Verfasser sich "Bruder des Jakobus" nennt, d. h. des Jakobus des Gerechten, Bruders Jesu. Erst als Brief eines Apostels kam dieser Brief des J. seit dem 4. Jahrh. in den kirchlichen Kanon. Die Umstände, unter denen diese Schrift entstand, deuten auf die nachapostolische Zeit. Der Gedächtnistag des J. in der griech. Kirche ist der 19. Juni, in der römischen (mit Simon gemeinsam) der 23. Okt. - Vgl. Lipsius, Apokryphe Apostelgeschichten und Apostellegenden, Bd. 2, 2. Hälfte (Braunschw. 1884).

Judas Makkābi oder J. Makkabäus (d. i. wahrscheinlich Hammer, d. h. der tüchtig dreinschlagende Krieger), jüd. Heerführer, stammte aus dem Geschlecht der Hasmonäer (s. d.) und leitete nach dem Tode seines Vaters, des Priesters Mattathias, den Befreiungskampf der Juden gegen den syr. König Antiochus IV. Epiphanes und dessen Nachfolger. Von 166 v. Chr. an schlug er die syr. Feldherren Gorgias, Lysias und Nikanor in mehrern Schlachten und war eben, wie es heißt, im Begriff, mit den Römern ein Bündnis abzuschließen, als ihn ein übermächtiges Heer der Syrer unter Bacchides zu einem neuen Kampfe nötigte, in dem er (160 v. Chr.) fiel. Der Bericht über seine Kriegsthaten im ersten Makkabäerbuche ist im ganzen geschichtlich treu, im zweiten Buche ist Sagenhaftes eingemischt.

Judasbaum, s. Cercis.

Judasbrief, s. Judas Jakobi.

Judaskuß, auf Grund von Matth. 26, 49; Luk. 22, 48 sprichwörtliche Bezeichnung für eine in verräterischer Absicht erwiesene Freundlichkeit. (S. Judas Ischarioth.)

Jude, ewiger, s. Ewiger Jude.

Judeich, Joh. Friedr., Forstmann, geb. 27. Jan. 1828 zu Dresden, studierte 1846-48 an der Forstakademie Tharandt, dann ein Jahr an der Universität Leipzig. Seit 1849 war er bei der sächs. Forsteinrichtungsanstalt beschäftigt, trat 1857 als Forstmeister für die im böhm. Riesengebirge gelegene Waldherrschaft Hohenelbe in den Dienst des Grafen von Morzin und übernahm 1862 die Direktion der böhm. Forstlehranstalt Weißwasser. 1866 wurde er als Oberforstrat und Direktor an die königlich sächs. Forstakademie Tharandt berufen, 1876 zum Geh. Forstrat, 1878 zum Geh. Oberforstrat ernannt. Außer durch zahlreiche Abhandlungen in forstlichen Zeitschriften hat er sich durch sein Lehrbuch "Die Forsteinrichtung" (Dresd. 1871; 5. Aufl. 1893) einen Namen erworben; er tritt darin für die von Preßler begründete "Reinertragslehre" ein und entwickelt ein besonderes Verfahren der Forsteinrichtung, das der "Bestandswirtschaft" (s. Kombinierte Methoden). Das 13. Heft des "Amtlichen Berichts über die Wiener Weltausstellung 1873" (Braunschw. 1874) enthält J.s Bericht über die "Forstwirtschaft". Das Handbuch von Ratzeburg: "Die Waldverderber und ihre Feinde", bearbeitete er in 7. Auflage vollständig neu (Berl. 1876), eine 8. Auflage u. d. T. "Lehrbuch der mitteleurop. Forstinsektenkunde" giebt er in Verbindung mit H. Nitsche heraus (Wien 1885 fg.). 1868-87 redigierte er das "Tharandter forstliche Jahrbuch" (20 Bde., Dresden). Für das "Handbuch der Forstwissenschaft" von Lorey (Tüb. 1887 u. 1888) hat er den Abschnitt "Forsteinrichtung" bearbeitet. 1873 erschien der erste Jahrgang seines "Forst- und Jagdkalenders" (jährlich 2 Bände, Berlin), seit 1882 bis jetzt fortgesetzt von J. und Behm.

Juden heißen die Angehörigen der durch den Kult im Tempel zu Jerusalem geeinten religiösen Gemeinde seit der Rückkehr aus dem babylon. Exil (die Geschichte bis dahin s. Israel), weil die Hauptmasse dieser Gemeinde aus Nachkommen des alten Stammes Juda (s. d.) bestand. Neben diesen gehörten auch die Nachkommen des alten Stammes Benjamin und Teile des Stammes Ephraim zur Gemeinde, während sich die Bewohner der Landschaft Galiläa erst um die griech. Zeit der jüd. Gemeinde angeschlossen haben. (S. Judäa.) Um 536 zogen 42360 deportierte Judäer und Benjaminiten nach Palästina zurück. 458 führte der Priester Esra eine zweite Schar Deportierter heim und versuchte, die Gemeinde an der Hand des in Babylonien entstandenen Priestercodex (s. d.) zu reformieren. Da in der Zwischenzeit die Nachkommen der in dem Lande verbliebenen altisrael. Bevölkerung begonnen hatten, sich der Jerusalemer Gemeinde anzuschließen, und zahlreiche Zwischenheiraten stattgefunden hatten, so war Esras erste Maßnahme der Ausschluß der Fremden und die Trennung der Mischehen. Doch scheiterte er damals. Erst Nehemia, dem Mundschenk des Artaxerxes Langhand, der auf seine Bitte zum Satrapen von Judäa ernannt worden war, gelang 444 die Durchführung dieser Maßregeln und die Einführung des Gesetzbuches Esras. Von Hohenpriestern und Beamten regiert, lebten die palästinischen J., gleich ihren zahlreichen Brüdern in Babylonien, bis auf Alexanders d. Gr. Eroberungen (331) ungestört unter pers. Hoheit, dann kurze Zeit unter Antigonus und Seleucus, und seit Ptolemäus Lagi, der nach der Eroberung Jerusalems 301 eine starke Kolonie nach Alexandria abführte, bis 198 unter ägypt. Herrschaft. Von den syr. Königen, denen Judäa dann anheimfiel, wurden die J. mit Erpressungen und seit 174 selbst mit Religionsverfolgungen heimgesucht. Antiochus Epiphanes ließ ein Bild des olympischen Jupiter im Tempel aufstellen (Dan. 11, 38), verbot die Beschneidung, befahl Schweine zu opfern (1 Makk. 1), verwüstete das Land und ließ viele dem Gesetz treu Bleibende hinrichten. Solcher Druck weckte den Nationalstolz. Judas Makkabi sammelte die Rechtgläubigen, schlug die Syrer, zog siegreich in Jerusalem ein und stellte 164 v. Chr. den Tempeldienst wieder her. Nach seinem Tode 161 vollendeten seine Brüder Jonathan und Simon das Befreiungswerk; der König von Syrien mußte Frieden schließen, und Simon wurde als Hoherpriester und Volksfürst anerkannt. Simons Sohn, Johannes Hyrkanus, erweiterte als König und Hoherpriester, 135-105 v. Chr., das Gebiet seines unabhängigen Landes durch Eroberungen in Samaria und Idumäa; doch schon unter seinen Enkeln, Hyrkanus II. und Aristobulus, büßte das Land seine Unabhängigkeit wieder ein. Pompejus, durch die um den Thron streitenden Brüder herbeigerufen, eroberte 63 v. Chr.