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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kabulfluß; Kabulistan; Kabylen; Kachektik; Kacheln; Kachelofen; Kachetien

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Kabulfluß – Kachetien

Kabulfluß, der Kophes des Altertums, entspringt unweit des Hilmend (s. d.) und wird bald durch eine Anzahl Gewässer, welche zum Teil dem Hochland von Ghasni, zum Teil dem Hindukusch entspringen, verstärkt. Hauptzuflüsse sind rechts der Logar, links der Tschitral oder Kuner und der Swat oder Landai. Von Dschalalabad an ist er schiffbar und trägt neben Flößen aus aufgeblasenen Ziegenhäuten auch Schiffe von 50 t. Er durchbricht nördlich vom Cbaibarpaß (s. d.) den östl. Sefid-Koh und ergießt sich bei der Festung Atak (s. d.) in den Indus. Sein Thal bildet die Hauptstraße von Iran nach Indien.

Kabulistan, s. Kabul.

Kabylen, eigentlich K'baïl (Plural des arab. Wortes kabila), heißen die Berbern (s. d.) in Algerien und Tunis, vorzugsweise die im Küstengebirge hausenden Stämme derselben. Ihre Zahl wird für Algerien offiziell auf 760000 angegeben. Kabylenland oder Kabylien nennt man den meist sehr hohen, mit Felsspitzen besetzten östl. Teil der Küstengebirgszone vom Wad-Isser bis zur Mündung des Wad-Kebir, und unterscheidet hier wieder Großkabylien (la Grande-Kabylie) oder den westlichen, fast ganz zur Provinz Algier gehörigen Teil bis zur Mündung des Wad-Sabel, und Kleinkabylien (la Petite-Kabylie), den östl. Teil in der Provinz Constantine mit dem Großen Babor. Großkabylien, ein großartiges, fast alpines Bergrevier, ausgezeichnet durch Wasserreichtum, üppige Vegetation, dichte Bevölkerung und guten Anbau, wird durch den Hauptgrat des Dschurdschura, des wichtigsten Teils des Kleinen Atlas, 2317 m hoch, in zwei Hälften geteilt.

Zur hamitischen Völkerfamilie gehörig, sind die K. mittlerer Statur, mager, dabei von starkem Knochenbau. Ihre verbrannte Haut spielt vom Dunkelbraun ins Schmutziggelbe. Sie haben feste Wohnsitze auf steilen Hügeln, treiben weniger Viehzucht als Spatenwirtschaft, Oliven- und Obstkultur und bebauen die Thäler und Bergabhänge mit großer Sorgfalt. Ihre Industrie besteht in Fertigung von Ackergeräten, Messern, Waffen, Schießpulver, Haïks und Burnussen, Teppichen, Leder, geflochtenen Matten, Holz- und groben Töpferwaren. Charakteristisch ist ihr Handelsgeist und ihre Liebe zum Gelderwerb. Die Blutrache gilt ihnen als Ehrengesetz und kann nicht durch Geld abgekauft werden. Gastfreundschaft wird gegen jedermann geübt.

Bis jetzt gehört diese Region noch zu den militär. Territorien Algeriens. Über ihre Organisation vgl. Algerien (Bd. 1, S. 390a). Die K. haben nur Kopfsteuer zu zahlen. Die interessanteste Verbindung kabylischer Stämme war die der Suawab (Zouaoua) auf dem Nordabhange der Dschurdschurakette, die bis 1857 eine mächtige und gefürchtete polit. Körperschaft bildete. Als die Franzosen in Algerien nach dem Muster der brit.-ostind. Sipoi eine inländische Truppe gründeten, gaben sie derselben den Namen der kriegerischen Suawab, woraus das Wort Zuave (s. d.) entstanden ist. Kabylien hatte lange mit Hilfe seiner unzugänglichen Berge schon gegen die Karthager und Römer seine Unabhängigkeit fast gänzlich bewahrt. Die Expeditionen der Franzosen begannen 1841 unter Marschall Bugeaud, aber erst mit der im Mai und Juni 1857 unter Randon erfolgten Besiegung des nördl. Teils von Großkabylien sah man die sämtlichen Stämme als völlig unterworfen an. (S. Algerien, Bd. 1, S. 395.) – Vgl. Hanoteau und ↔ Letourneur, La Kabylie et les coutumes kabyles (3 Bde., Par. 1873); Farine, Kabyles et Kroumirs (ebd. 1881).

Kachéktik (grch.), s. Kachexie.

Kacheln, die einzelnen Bestandteile thönerner Öfen, aus denen der Hauptkörper derselben zusammengesetzt ist. Sie bestehen aus gebranntem Thon, sind an der Vorderseite entweder eben (Plattkacheln), oder mit Vertiefungen (Napfkacheln), oder mit Reliefs versehen und in der Regel glasiert, auf der Rückseite dagegen mit einem erhöhten, umgebogenen Rand (Hals, Rumpf oder Zarge) versehen. Die unglasierten glatten K. nennt man Biskuit-, die glasierten Schmelzkacheln. Letztere werden vor dem Glasieren auf einer eisernen Platte mit Sand abgeschliffen und in neuerer Zeit wieder reich geschmückt. Außerdem unterscheidet man Eck-, Fries-, Simskacheln u.s.w. Der an der Rückseite befindliche Rand verleiht den K. größere Festigkeit und erleichtert das Aufsetzen, indem in die Fugen Lehm eingedrückt wird und Drähte oder Eisenblechklammern zu Verbindung der einzelnen K. eingelegt werden. Vor dem Aufsetzen werden die K. mittels des sog. Haueisens mit scharfkantigen Rändern versehen und auf einem Sandstein abgeschliffen.

Kachelofen, ein aus Kacheln (s. d.) zusammengesetzter Ofen. (S. Öfen.) Der K. ist seit langer Zeit ein Gegenstand künstlerischer Gestaltung und Ausschmückung. Während man bis ins 15. Jahrh. noch viel unglasierte Kacheln findet, zeigen sie im 16. schon reichen Farbenschmuck, sodaß die K. zu Prunkstücken ihrer Art wurden. Man schmückte nicht nur jede einzelne Kachel mit Reliefs, verzierte die Sims- und Eckstücke aufs reichste, sondern modellierte in Ton freistehende ornamentale Figuren, die dann gebrannt und mit dem K. in Verbindung gebracht wurden. Der Grundton war meist ein tiefes Grau oder Braun, im 17. Jahrh. ein leicht irisierendes Schwarz. Im 18. Jahrh. wurden die Töne heller; auch gewann der K. noch großartigere und kunstvollere Formen, indem die einzelnen Brandstücke immer größer gebildet wurden, bis man die ästhetisch richtigere Zusammensetzung aus äußerlich als solchen erkennbaren Kacheln ganz aufgab, um einen einheitlichen, mehr architektonischen Charakter zu gewinnen. Diesen Fehler der K. der Rokokozeit nahm der Klassicismus auf, ohne seine Anmut zu erreichen. Der K. wurde nun in streng architektonischen Formen und ganz weiß gebildet, sodaß er nichts mehr von dem warmen Tone früherer Zeit behielt und in Form und Farbe einem Marmordenkmal nachgebildet wurde. Erst seit etwa 1860 begann man die farbigen K. wieder aufzunehmen. Berühmte ältere K. finden sich aus dem 15. Jahrh. im Germanischen Museum zu Nürnberg, in Hohensalzburg, aus dem 16. Jahrh. im Rathaus zu Augsburg, in der Schweiz (Mörsburg, Wülflingen, Seidenhof zu Zürich u.a.O.), aus dem 18. Jahrh. im Kloster St. Florian bei Linz, im Schloß zu Würzburg, im Kunstgewerbemuseum zu Hannover u.a.m. – Vgl. Falke, Die Kunst im Hause (5. Aufl., Wien 1883); Hirth, Das deutsche Zimmer (3. Aufl., Münch. 1886).

Kachetĭen, Landschaft im transkaukas. Teil des russ. Gouvernements Kaukasien, am Oberlauf des Jora und des Alasan, einst das sog. Kachetinische Königreich (in den diplomat. Akten des 16. und 17. Jahrh. Grusien genannt, s. Georgien),

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