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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kalem; Kalēma; Kalenberg; Kalendae; Kalendarium; Kalende; Kalender

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Kalem - Kalender

Fundgrube dienen, weshalb man es auch Myriomorphoskop nennt. Mehr zum Nachzeichnen der Figuren eignen sich die Modifikationen des K., und zwar das Ideador von Rupprecht in Nürnberg (1848), das Debuskop von Debus zu Schönberg im Großherzogtum Hessen (1860), das in Paris erfundene Chromatoskop (1861) und das Typoskop von Emsmann in Stettin (1862) u. a. m. Als Vorläufer des K. lassen sich die Winkelspiegel Portas (um 1560) und die alten Spiegelbücher ansehen.

Kalem (vom lat. Calamus, s. d.; arab. Kalam), in der Türkei Bezeichnung für Schreibfeder, dann auch für Bureau und Amtslokalität.

Kalēma, s. Roller.

Kalenberg, Gebirge, s. Kahlenberg.

Kalenberg, ehemaliges Fürstentum, s. Calenberg.

Kalenberg, Pfaffe vom, oder Kalenberger, s. Kahlenberg.

Kalendae, s. Calendae.

Kalendarium, s. Calendarium und Acta Sanctorum.

Kalende, eine nur in Ost- und Westpreußen vorkommende kirchliche Abgabe, besonders in Naturalien bestehend. Das ostpreuß. Provinzialrecht unterscheidet zwischen großer und kleiner K.; erstere ist eine auf dem Grundstück ruhende Abgabe. In Westpreußen werden die K. und der sog. Vitaltag zusammen als Strena bezeichnet.

Kalender (vom lat. Wort Calendae, der erste Tag jedes Monats, abgeleitet) ist ein Verzeichnis der nach Wochen und Monaten geordneten Tage des Jahres. Das Wort K. wird aber auch gebraucht für die verschiedenen Festsetzungen der Zeiteinteilung und der Jahresrechnung. Nächst dem Tage sind der synodische oder Mondmonat (s. Monat) und das den Wechsel der Jahreszeiten umfassende tropische oder Sonnenjahr (s. Jahr) die höhern von der Natur direkt gegebenen Zeiteinheiten; ihrer bedienten sich daher auch die verschiedensten Völker zu ihrer Zeitrechnung. Von den Völkern des Altertums hatten die Ägypter ein in Beziehung auf die Jahreszeiten bewegliches, mit dem Mondlaufe in keinem Zusammenhange stehendes Sonnenjahr von 365 Tagen, geteilt in 12 Monate von 30 Tagen, denen noch 5 Ergänzungstage (Epagomenen) folgten. Neben dem Wandeljahr hatten die Ägypter aber auch ein festes, dem Julianischen Jahr fast gleichkommendes von 365¼ Tagen, dessen Anfang durch den Frühaufgang des Sothis-Sirius (daher Sothisjahr) bestimmt wurde. Der Anfang des beweglichen Jahres fiel nach und nach in alle Jahreszeiten, und erst nach einer den Ägyptern bekannten Periode von 1461 Jahren traf er wieder auf die nämliche Jahreszeit. Man nennt diesen Zeitraum Hundsstern- oder Sothisperiode. Nach Censorinus (s. d.) begann 21. Juli 139 n. Chr. eine neue Periode. Da das Sothisjahr thatsächlich dem Julianischen nicht ganz genau gleichkommt, indem die Präcession der Nachtgleichen sowie die Eigenbewegung des Sirius für längere Zeiträume ihren Einfluß geltend macht, so erfährt die Dauer der Sothisperiode im Laufe der Zeit Veränderungen. Nach einer von Th. von Oppolzer, "Über die Länge des Siriusjahres und der Sothisperiode" (in den "Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften", Bd. 90, Abteil. 2, 1884), angestellten Berechnung bezeichnen die J. 4236, 2776, 1318 v. Chr. und 139, 1591 und 3039n.Chr. den Beginn einer neuen Periode. Die Beobachtung der Ägypter ist demnach für die Zeit von 4236 bis 2776, in welcher das Intervall zwischen den beiden korrespondierenden Frühaufgängen 1460 Jahre betrug, genau zutreffend, doch ermäßigt sich von nun an die Dauer der Periode stetig, um zuletzt (1591 - 3039) auf 1448 Jahre herabzusinken. Im J. 26 v. Chr. führte Augustus, um dem Jahre eine feste Lage zu geben, in Alexandria einen 4jährigen Schaltcyklus ein, in welchem die drei ersten Jahre 365 Tage hatten, während das vierte 366 zählte; doch gelangte derselbe in Ägypten erst nach vier Jahrhunderten zur Geltung.

Die Griechen rechneten in den ältesten Zeiten nach wahren Mondmonaten, deren 12 ein Jahr ausmachten und von denen 6 je 30, 6 je 29 Tage lang waren. Um das so entstehende bürgerliche Jahr von 354 Tagen mit dem Sonnenlaufe auszugleichen, wurde von Zeit zu Zeit ebenfalls ein Schaltmonat hinzugefügt. Es geschah dies anfangs so, daß man ein Jahr um das andere einen Monat von 30 Tagen einschaltete. Später wurde ein 8jähriger Schaltkreis (Oktaeteris oder Ennaeteris, s. d.) eingeführt und in 8 Jahren dreimal ein Monat von 30 Tagen eingeschaltet, sodaß das mittlere Jahr 365¼ Tage hatte. Einen 19jährigen Schaltkreis führte man ein, als der Athener Meton 432 v. Chr. die Entdeckung gemacht hatte, daß 235 Mondmonate fast genau 19 Sonnenjahre geben. Diese letztern hatten 6940 Tage, die Meton so in Monate einzuteilen wußte, daß sie mit den Mondwechseln übereinstimmten und die Monatsanfänge mit den Neumonden oder vielmehr mit den Tagen, wo der Mond als schmale Sichel am Abendhimmel sichtbar zu werden anfing, zusammenfielen. (S. Enneakaidekaeteris.) Unter den 19 Jahren eines Schaltkreises waren 7 Schaltjahre. Noch gegenwärtig wird der Metonsche 19jährige Cyklus unter dem Namen Mondzirkel in der Chronologie gebraucht. Einen verbesserten Cyklus entwarf Kallippus von Kyzikos (330 v. Chr.), indem er im Hinblick darauf, daß Meton seinem Cyklus im Verhältnis zu der vorausgesetzten Länge des Jahres von 365¼ Tagen ¼ Tag zuviel gegeben hatte, am Schluß einer vier Cyklen umfassenden 76jährigen Periode (sog. Kallippische Periode) einen Tag ausfallen ließ. Hipparchus von Nicäa (160 - 125 v. Chr.) fand indessen, daß Kallippus das Sonnenjahr immer noch um 1/300 Tag zu lang angenommen hatte, und faßte daher vier Kallippische Cyklen zu einer Periode von 304 Jahren (sog. Hipparchische Periode) zusammen, die er dann wiederum um einen Tag verkürzte.- Die Namen der attischen Monate waren Hekatombäon, Metageitnion, Boedromion, Pyanepsion, Mämakterion, Poseideon, Gamelion, Anthesterion, Elaphebolion, Munychion, Thargelion, Skirophorion. Der Schaltmonat, der seine Stelle nach dem Poseideon erhielt, was zu der Annahme eines ältern mit dem Gamelion beginnenden Jahres Anlaß gegeben hat, führte den Namen zweiter Poseideon. Der Jahresanfang, der bei der Natur des Mondjahres ein wechselnder sein mußte, pflegte zwischen Ende Juni und Ende Juli zu schwanken.

Die Römer scheinen zuerst ein reines Sonnenjahr von zehn Monaten mit sehr ungleicher Länge gehabt zu haben. Die Einführung des zwölfmonatigen Mondjahrs wird dem König Numa zugeschrieben. Die ursprüngliche Reihenfolge der Monate war Martius, Aprilis, Majus, Iunius, Quinctilis, Sextilis, September, Oktober, November, Dezember. Als 153 v. Chr. der bisher schwankende Amtsantritt der Konsuln auf den 1. Jan.

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]