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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kapuzinade - Kapverdische Inseln
Kapuzinade (Kapuzinerpredigt), soviel wie
burleske Volkspredigt nach Art der Kapuziner; be-
rübmt ist die K. in Schillers "Wallensteins Lager".
Kapuznter slat. (^apueini oräiniz tratruin mi-
noi-um), ein Zweig der Franziskaner (s. d.), ursprüng-
lich Spottname in Bezug auf die spitze Kopfbedeckung
Kapuze) der Mitglieder. Er wurde 1525 von dem
Minoriten Matthäus von Bassi in Urbino ge-
stiftet, 1528 vom Papst Clemens VII. bestätigt
und erhielt 1529 Satzungen von größter Strenge.
Verhängnisvoll wurde für die K. das Auftreten des
zum Generalvikar erwählten Bernardino Ochino
ls. d.), der 1543 zum Protestantismus übertrat. In-
folgedessen sollte der Orden aufgehoben werden und
stellte sich nun ganz in den Dienst des Papsttums.
Zur leiblicken Armut gesellte sich oft auch der Mangel
cm wissenschaftlicher Bildung, sodaß die K. mit Recht
das Proletariat unter den Mönchen genannt worden
sind - bekannt sind namentlich ihre drastischen Volks-
predigten (s. Kapuzinade). Ihre Tracht ist ein brau-
ner Rock mit eingenähter spitz zulaufender Kapuze,
cin Gürtelstrick und ein daran hängender Geißelstrick;
außerdem tragen sie lange Bärteund als Barfüßer
Sandalen. Seit 1573 in Frankreich, seit 1592 in
Deutschland und der Schweiz, seit 1606 in Spanien
verbreitet, erhielten sie 1619 eigene Generale und
daben, nackdem sie (5nde des 18. Iabrb. fast ganz
verschwunden waren, in neuester Zeit in den katb.
Bändern wieder zugenommen. Sie haben in 53 Pro-
vinzen 533 Klöster (12 in Missionsvrovinzen), 239
Hospize, 50 Noviziate, über 3000 Paters und über
2500 Laienbrüder. - Vgl. Okronica provincias 1i6l-
veticas oixlinis (^Mcinoi'uni (Soloth. 1884-87).
Kapuzineraffe, s. Nollschwanzaffen.
Kapuzinereule (Lcoliopwi^x lidatiix Iv.),
Nachtschmetterling aus der Familie der Eulen (s.d."
von 40 bis 50inin Spannweite, mit starkbaarigem,
schopfartig entwickeltem Halskragen', Vorderflügel
am Seitcnrand hinter der Spitze stark ausgeschnitten,
weiter nach binten unregelmäßig schwach gezackt,
kupferrot, nach der Mitte ins Feuerrote übergehend,
mit weißlichen Querlinien und ebensolcher Spitze.
Fliegt jährlich zweimal: die erste Generation im
Mai und Juni, die zweite im Herbst, überwintert
und findet sich häufig in Häusern. Die grüne,
schlanke und glatte Raupe lebt auf Weidenarten.
Kapuziuerinnen, Nonnenorden, s. Passion.
Kapuzwerkraut, s. Ni^Iia.
Kapuzinerkresse, s. irciMeolum.
Kapuzinerkressenöl oder T r o p ä o l u m ö l, aus
der Kapuzinerkresse (I^oMsolum lu^us I>.) ge-
wonnenes Öl, das der Hauptsache nach aus Benzol-
cvanid, 0,H, N -- (^ II5 - (N. - 0N, besteht. Letz-
teres ist auch im Vrunnenkressenöl (von ^azturtiuiu
ct'ticiii3,l6 A. I?)'.) enthalten.
Kapuzinermöve, s. Hutmö've.
Kapuzinerpilz, Birkenpilz <Loi6w3 8cal)6l
^>.,s. Tafel: Pilze I: Eßbare Pilze, Fig. 9),
cin eßbarer Pilz mit handgroßem, balbkugeligem
Hute von rotbrauner oder dunkelgelder Farbe und
weißem bis 20 cm bohem Stiel, der mit kleinen
schwarzen oder braunen Schüppchen und Runzeln
bedeckt ist. Bei feuchtem Wetter füblt sich der Hut
etwas schmierig an. Das Hymenium bat eine
sckmutziggrane Farbe, das Fleisch ist fest und wodl-
sckmeckend. Ter K. wachst in lichten Wäldern ziem-
lich häufig im Sommer und Herbst.
Kapuziuerpulver, ein aus Kockelskornern,Ste-
phanskörnern, Sabadill, weißer Nieswurz, Peter-
siliensamen, Anis und andern Ingredienzien zu^
sammengesetztes Pulver zur Vertreibung der Kops-
Kapuzinerrofe, s. Rose. Flause.
Kapuzinervögel (^vNN0c6p1^Iu3), eine au^
4 Arten bestebende Gattung der Fruchtvogel ss. d.),
die das tropische Südamerika bewohnt. Die be-
kannteste Art sOvinnoceplialus c^Ivn8 ^eoF').) wird
32 cm lang obne den 10 cin langen Schwanz, ist
von rostbrauner Farbe mit einem bis zum Hinter-
kopf kahlen Schädel. Sie findet sich in den fruckt-
reichen Wäldern des nördl. Brasilien und Guava-
nas. Die Männchen haben eine ungemein laute
Stimme wie Kälbergeblöke.
Kap Verde ((^do veräß), s. Grünes Vorgebirge.
Kapverdische Inseln oder Inseln des Grü-
ne n V 0 r g e b i r g e s slinaL äo Oado VeräL), portng.
Archipel ini Atlantischen Meere, zwischen 15 und
17° nördl. Br., etwa 550 km von dem westafrik.
Kap Verde entfernt, besteht aus zehn Inseln, wo-
von neun bewobnt, und vier Klippen, und zäblt auf
3851 Hkm (1885) 110 926 E., wovon nur der 20. Teil
Weiße, die übrigen freie Farbige sind. Die Inseln
zerfallen in zwei Gruppen, eine südliche unter dem
Winde lSotavento) und eine nördliche über oder
vordem Winde (Barlavento). ^ie sind gebirgig
und geologisch älter als die Canaren und Azoren;
es findet sich krystallinisches Gestein, aber auch sub-
marine Vulkanbildungen; Sao Antao und Fogo sind
sogar ganz ans Laven und Asche aufgebaut. Außer
Fogo trägt keine einen thätigen Vulkan. - Bei der
marinen 8age ist das Klima sebr gemäßigt (Jahres-
mittel 23^), aber sebr trocken, sodaß zuweilen der
Regen jabrelang ausbleibt; dann tritt Hungersnot
ein^ welche z. V. 1730-33 fast zwei Drittel der Be-
völkerung und 1831-33an 30500C'. wegraffte. Bei
Verbreitung der Vasaltdecken und Bimssteinmassen
ist nur wenig Ackerboden vorhanden. Waldung giebt
es nirgends. Verglichen mit den Antillen ist über-
daupt die Flora wie die Kulturbediugungen dürftig,
weil sie am Saharaklima teilnehmen. Datteln sind
nur angepflanzt', in geringem Umfange ist Kaffee-
vlantagenbau versucht. Dagegen baut man Reis,
Mais, Hirse; ferner Wein, Zuckerrohr, Tabak, ans-
gezeichuete Orangen sowie mancherlei andere sub-
tropische Früchte. In neuerer Zeit wurde die .latro-
^Iia curcHZ ^. der Dlgewinnung wegen eingefübrt.
Auch gewinnt man viel Salz, Palmöl und Nicinusol.
- Wilde Säugetiere finden sich nicht, aber die
meisten Haustiere werden gezüchtet. Vögel sind
23 Arten vorbanden: 5 sind originell. Die K. I.
sind verbältnismäßig noch wenig untersucht, doch
tennt man eine Reihe Landmollusken und 275 Arten
von Käfern, welche vielfach Beziehungen zu Formen
der Canarien und von Madeira haben. Das benach-
barte Meer ift sehr reich an Tieren und seit 1882
werden hier von Italienern Edelkorallen gefischt.
Der Archipel ist für die Seefahrer als Erfrischungs-
station wiclmg, bringt aber wegen der schlechten Ver-
waltung wenig Gewinn.
^äotlnago, die größte Insel, zählt auf W7
'^iviQ 45488 E. Sie ist von einer Gebirgskette er-
füllt lMonte-San Antonia 2260 m), bat reichliche
Bewässerung und ziemlich guten Anbau. An einer
schönen Bai der Osttüste liegt die befestigte, sedr
ungesunde Hauptstadt P 0 rt 0 - Pra'ia mit 21000 E.
und dem Hafen. Ma'io besteht fast ganz aus ter-
tiärem Kalkstein mir schroffen Steilküsten, .olme
Trinkwasser, zädlt auf 206 hivui nur 1837 E. Fogo
(d. h. Fener), 443 hivm groß, ein Ernptivkegel
Artikel, die man unter K vermißt, find unter C aufzusuchen.