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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kara-Dagh; Kara-Erman; Karabugas; Karachi; Karadjordje; Karadjordjewitsch; Karadzic; Karäer; Karaferie

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Karabugas – Karaferie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Karabiniere'

Compagnien der Reiterei, teils als geschlossene Eskadrons oder Compagnien den Reiterregimentern zugeteilt wurden. Später wurden sie in verschiedenen Heeren als Regimenter zusammengezogen, die dann als Elite betrachtet wurden. Die Bezeichnung K. für eine besondere Gattung der Kavallerie ist abgekommen. In Frankreich führten zwei Kürassierregimenter bis 1870 traditionell den Namen K. In den altpreuß. Reitertruppen wurden vielfach die Gefreiten K. genannt. In der deutschen Armee führt das eine der beiden schweren Reiterregimenter des sächs. (12.) Armeekorps die Bezeichnung K., in der ital. Armee das aus ausgesuchten Mannschaften bestehende Gendarmeriekorps.

Karabugás, Busen des Kaspischen Meers (s. d., S. 218 b)

Karachi, indobrit. Stadt, s. Karatschi.

Kara-Dagh, der türk. Name für Montenegro.

Karadjordje (der «schwarze Georg»), eigentlich Georg Petrowitsch, der erste Fürst von Serbien (1804–13), war 1752 im Dorfe Wischewtzi als Sohn eines Bauern geboren, mußte, weil er einen Türken getötet hatte, nach Österreich flüchten und machte den Türkenkrieg (1788–90) unter Kaiser Joseph II. als Feldwebel im serb. Freiwilligenkorps mit. Beim Ausbruch des serb. Aufstandes 1804 vertrieb er an der Spitze eines Heers die Türken aus Serbien und eroberte Belgrad, blieb aber wegen der Intriguen der übrigen Woiwoden machtlos, bis die Erfolge im Türkenkriege 1809–11 seinen Einfluß derart verstärkten, daß er an die Centralisierung Serbiens gehen konnte und die großen Woiwodschaften in 70 kleine zerschlug (s. Serbien). Im Frieden von Bukarest (1812) gewährte die Pforte den Serben volle Amnestie und innere Autonomie, ging aber 1813, als Europa mit dem Kampf gegen Napoleon I., beschäftigt war, wieder an die Unterwerfung Serbiens durch Waffengewalt. Als die serb. Grenztruppen überall geschlagen wurden, flüchtete K. 3. Okt. 1813 nach Semlin. Von den Österreichern anfangs in Graz interniert, wurden ihm dann wie den übrigen serb. Führern in Chotin Wohnsitz und Pension angewiesen. Nach dem glücklichen Aufstand des Milosch Obrenowitsch (1815) ließ sich K. bewegen, heimlich in die Heimat zurückzukehren mit der Absicht, dort wieder den Türkenkrieg zu beginnen. Er gelangte in die Gegend von Smederevo (Semendria), wurde aber in der Nacht vom 24. Juli 1817 auf Befehl des Milosch in seinem Versteck ermordet. Er hinterließ einen Sohn, Alexander, der 1842 den serb. Thron bestieg (s. Alexander Karadjordjewitsch). – Vgl. L. von Ranke, Die serb. Revolution (Hamb. 1829).

Karadjordjĕwitsch, Alexander und Peter, s. Alexander Karadjordjewitsch.

Karádźić (spr. -dschitsch), Vuk Stefanović, Begründer der heutigen serb. Schriftsprache und Litteratur, geb. 7. Nov. 1787 im Dorfe Trschitsch in Serbien, bildete sich als Autodidakt und auf Schulen in Syrmien. Er kehrte 1807 nach Serbien zurück, bekleidete von 1810 bis 1813 verschiedene Ämter, flüchtete 1813 nach dem unglücklichen Ausgange des Aufstandes nach Österreich und ließ sich in Wien nieder, wo seine Begabung für die Auffassung von Volksart und Volkssprache unter Anregung von Kopitar sich offenbarte. Vom Fürsten Milosch wurde er 1827 zur Ausarbeitung eines Gesetzbuches herangezogen, entzweite sich aber mit dem Fürsten und ging wieder nach Wien. Er starb daselbst 26. Jan. 1864. K. verwarf die bis dahin ↔ übliche serb. Schriftsprache, ein Gemisch von Kirchenslawisch mit der serb. Volkssprache, und setzte die reine Volkssprache an die Stelle mit einfacher, verständlicher Orthographie. Sein erstes Buch der Art war «Mala prostonarodna slaveno-srbska pesmarica» (Wien 1814), eine Sammlung serb. Volkslieder; sein erster Versuch einer Grammatik «Pismenica srbskoga jesika» (ebd. 1814). Von besonderer Bedeutung war sein «Serb.-deutsch-lat. Wörterbuch» (Berl. 1818; 2. erweiterte Aufl., Wien 1852). Als Einleitung dient eine verbesserte Auflage der Grammatik, die 1824 von J. Grimm ins Deutsche übersetzt wurde. Eine musterhafte Sammlung der Volkspoesie lieferte K. in den «Srpske narodne pjesme» (4 Tle., Lpz. und Wien 1823–33; zweite sehr vermehrte Ausgabe in 5 Bdn., Wien 1841–65; neue Ausg., Bd. 1, Belgrad 1893; dazu «Srpske pjesme iz Herzegovine», Wien 1866), die in viele europ. Sprachen übersetzt ward (deutsch von Talvj, 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1853; von Kapper, «Gesänge der Serben», 2 Bde., ebd. 1852 u. a.). Außerdem sammelte K. die Volksmärchen («Srpske narodne pripovijetke», Wien 1853; ins Deutsche übersetzt von seiner Tochter Wilhelmine) und manches andere Volkstümliche, Sprichwörter («Srpske narodne poslovice», 1836; 2. Aufl., ebd. 1849) u. a., auch in dem von ihm herausgegebenen Almanach «Danica» (1826–35). Über die Ereignisse von 1813 bis 1817 handelt die Schrift «Miloś Obrenović» (Ofen 1828). Auch lieferte er Ranke Material zu dessen Werke «Die serb. Revolution» (Hamb. 1829). Eine mustergültige Probe der volkstümlichen Schriftsprache gab er noch in seiner serb. Übersetzung des Neuen Testaments (Wien 1847). Die Frucht seiner Reise nach Montenegro ist das Buch «Montenegro und die Montenegriner» (Stuttg. 1837, anonym).

Karäer, Karaïten, Karaïm (hebr., d. h. Schriftbekenner), eine um die Mitte des 8. Jahrh. n. Chr. in Babylonien durch Anan (daher anfangs Ananiten) entstandene jüd. Sekte, die im Gegensatze zu den Rabbaniten die rabbinischen Überlieferungen und den Talmud verwarf und zum Buchstaben der Heiligen Schrift zurückkehren wollte, aber an alten Satzungen, die sie gleichfalls auf eine Tradition zurückführte, festhielt (Karaïsmus). Die K. verbreiteten sich, doch nie sehr ansehnlich, vorzugsweise in den Reichen des Islam, in Palästina, Syrien, Ägypten, Afrika, Konstantinopel, der Krim und einigen Provinzen Polens, wo sie größere Freiheiten als die andern Juden genossen. Ihre Zahl in Rußland dürfte etwa 5500 betragen. Viele Jahre war Kairo der Sitz ihres sich von David herleitenden Vorstehers, Nasi, später Chacham genannt. Von ihrer meist exegetischen und polemischen Litteratur in arab. und hebr. Sprache sind in neuerer Zeit zu Koslow (Eupatoria) mehrere ihrer Hauptwerke gedruckt worden, wie «Eschkol ha-kofer» des Juda Hadassi (1149), «Mibchar» des Aaron ben-Joseph (1294), «Ez Chajim» des Aron ben-Elia (1396), «Addereth» des Elia Baschiatschi (1497) u. a. Neue Einblicke eröffnete Pinsker in «Likkute Kadmoniot» (Wien 1860) auf Grund der nicht immer mit Vorsicht benutzten Mitteilungen des Karäers Firkowitsch. – Vgl. Jost, Geschichte des Judentums und seiner Sekten (3 Bde., Lpz. 1857–59); Fürst, Geschichte des Karäertums (ebd. 1865).

Kara-Erman (Caraorman), s. Babadagh.

Karaferïe, türk. Stadt, s. Veria.