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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kerner; Kernguß; Kernholz; Kernknacker; Kernkörperchen; Kernobst; Kernpilze; Kernrisse; Kerns; Kernschacht; Kernschatten; Kernschußweite

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Kerner (Justinus) - Kernschußweite

«Die Schutzmittel der Blüten gegen unberufene Gäste» (ebd. 1879), «Pflanzenleben» (2 Bde. der «Allgemeinen Naturkunde», Lpz. 1886‒91).

Kerner, Justinus, Dichter und mediz. Schriftsteller, geb. 18. Sept. 1786 zu Ludwigsburg in Württemberg, erhielt dort und im Kloster Maulbronn seinen ersten Unterricht, kam nach dem Tode des Vaters gegen seine Neigung als Lehrling in eine Tuchfabrik zu Ludwigsburg, wurde aber bald durch den damals in Ludwigsburg als Prediger lebenden Dichter Conz aus dieser Stellung befreit und bezog 1804 die Universität zu Tübingen, wo er Medizin studierte und sich bald mit Uhland und G. Schwab befreundete. 1809 begab er sich auf Reisen, wurde 1811 Badearzt in Wildbad, 1812 praktischer Arzt in Welzheim, 1815 Oberamtsarzt in Gaildorf und 1819 in Weinsberg. Die «Bestürmung der Stadt Weinsberg 1525» beschrieb er nach handschriftlichen Quellen (2. Aufl., Heilbr. 1848). Fast ganz erblindet, legte K. 1851 Amt und Praxis nieder und lebte seitdem zu Weinsberg, wo er 21. Febr. 1862 starb.

Als Dichter gehört K. zu den namhaftesten Vertretern der Schwäbischen Dichterschule. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte er schon durch seine «Reiseschatten von dem Schattenspieler Luchs» (Karlsr. 1811), die von einer traum- und spukhaften Phantasie und originellem Humor, zugleich aber auch von einer scharfen satir. Beobachtungsgabe zeugten. Um dieselbe Zeit besorgte er mit Uhland, Schwab u. a. den «Poet. Almanach» (Heidelb. 1812) und den «Deutschen Dichterwald» (Tüb. 1813), in denen sich seine schönsten Gedichte finden. 1826 ließ er eine Sammlung seiner «Gedichte» erscheinen, die er in den spätern Auflagen (5. Aufl., Stuttg. 1854) sehr vermehrte und durch neuere Gedichte u. d. T. «Der letzte Blütenstrauß» (ebd. 1852) und «Winterblüten» (ebd. 1859) ergänzte. Zu seinen beliebtesten Dichtungen gehört die Ballade «Der reichste Fürst», das Trinklied «Wohlauf noch getrunken», der melancholische «Wanderer in der Sägemühle». Die Sehnsucht nach dem Jenseits, der Gedanke an den Tod, der Hang zum Überirdischen beherrscht fast seine ganze Lyrik. Seine «Dichtungen» (in Versen und Prosa) erschienen Stuttgart 1834 (3. Aufl., 2 Bde., 1841), «Ausgewählte poet. Werke» in 2 Bänden (ebd. 1878‒79). Seine überhaupt dem unvermittelten Gefühlsleben zugekehrte Richtung bekundete K. durch eine Reihe von Schriften, in denen er sich mit den Erscheinungen des tierischen Magnetismus und den zweifelhaften Thatsachen des Dämonismus beschäftigt. Dahin gehören: die «Geschichte zweier Somnambulen» (Karlsr. 1824), «Die Seherin von Prevorst» (2 Bde., Stuttg. 1829; 5. Aufl. 1877), die mit Eschenmayer, G. H. von Schubert, G. Görres, F. von Baader u. a. gemeinschaftlich herausgegebenen «Blätter aus Prevorst» (1. bis 7. Sammlung, Karlsr. 1831‒35; 8. bis 12. Sammlung, Stuttg. 1837‒39), «Geschichten Besessener neuerer Zeit» (Karlsr. 1834; 2. Aufl. 1835), «Eine Erscheinung aus dem Nachtgebiete der Natur» (Stuttg. 1836), «Nachricht von dem Vorkommen des Besessenseins» (ebd. 1836), «Magikon, Archiv für Beobachtungen aus dem Gebiete der Geisterkunde» (als Fortsetzung der «Blätter aus Prevorst», 5 Bde., ebd. 1840‒53), «Erinnerungen an Franz Anton Mesmer» (Frankf. 1856). Rein wissenschaftliche Schriften sind «Das Fettgift oder die Fettsäure und ihre Wirkungen auf den tierischen Organismus» ^[Spaltenwechsel] (Stuttg. 1822) und «Das Wildbad im Königreich Württemberg» (Tüb. 1813; 4. Aufl. 1839). Eine anmutige Schilderung seiner Jugendjahre gab K. selbst im «Bilderbuch aus meiner Knabenzeit» (Braunschw. 1849; 2. Abdruck, Stuttg. 1886) heraus; die fast zu harmlosen «Kleksographien» veröffentlichte sein Sohn Theobald (Stuttg. 1890).

Vgl. D. F. Strauß, Kleine Schriften (Neue Folge, Berl. 1866); Marie Niethammer, Justinus K.s Jugendliebe (Stuttg. 1877); Ann. Watts, Life and works of K. (Lond. 1884); A. Reinhard, Justinus K. und das Kernerhaus zu Weinsberg (2. Aufl., Tüb. 1886); Theobald Kerner, Das Kernerhaus und seine Gäste (Stuttg. 1893).

Kerner, Theobald, Dichter, Sohn des vorigen, geb. 14. Juni 1817 zu Gaildorf, studierte seit 1835 in Tübingen Medizin, lebte dann zeitweise in München, Wien und Würzburg. Wegen seiner Teilnahme an der Bewegung von 1848 mußte er nach Straßburg fliehen und wurde, als er 1850 zurückkehrte, zu 10 Monaten Festungshaft verurteilt. 1852 gründete K. in Stuttgart eine galvano-magnetische Heilanstalt, die er 1856 nach Cannstatt verlegte. Seit 1863 lebt er als Arzt im väterlichen Hause zu Weinsberg. Von ihm erschienen: «Gedichte» (Stuttg. 1851), «Prinzessin Klatschrose» (ebd. 1851; 2. Aufl. 1894), «Aus dem Kinderleben» (ebd. 1852), «Galvanismus und Magnetismus als Heilkraft» (4. Aufl., Cannstatt 1858), «Natur und Frieden» (2. Aufl., Frankf. 1861; engl. Ausgabe, Heidelb. 1861), das Singspiel «Der fliegende Schneider» (1862), «Tragische Erlebnisse» (Hamb. 1864), das Lustspiel «Pastor Staber oder der neue Ahasver» (1888) und «Das Kernerhaus und seine Gäste» (Stuttg. 1893).

Kernguß, hohle, gegossene Gegenstände, die ihre innere Gestaltung durch Einschalten von Kernen (s. Kern) in die Form erhalten haben.

Kernholz, s. Holz (Bd. 9, S. 304a).

Kernknacker (Coccoborus), eine durch auffallend hohen und kurzen Schnabel ausgezeichnete Finkenfamilie, die nur in Amerika heimisch ist. Der bekannteste Vertreter derselben ist der rote Kardinal (s. d.), ferner der Rosenbrustknacker, auch rosenbrüstiger Kernbeißer genannt (Coccoborus ludovicianus L.), der auch als Sänger beliebt ist und mit etwa 15 M. das Paar, das Männchen allein mit 10 M. bezahlt wird. Im gleichen Preise und gleich häufig in zoolog. Gärten ist der blaue Bischof (Coccoborus coeruleus L.).

Kernkörperchen, s. Zelle.

Kernobst, die zur Familie der Rosaceen (s. d.) gehörigen Obstarten: Apfel, Birne, Quitte und Mispel. Die Frucht, Apfelfrucht genannt, ist eine mit einem fünfteiligen, in der Reife vertrocknenden Kelch gekrönte Scheinfrucht (s. Frucht), in deren Innerm die Samen (Kerne) in fünf mit einer pergamentartigen Hülle ausgekleideten Fächern liegen. (Hierzu Tafel: Kernobst; zur Erklärung vgl. die Artikel Apfel, Birne, Mispel und Quitte.)

Kernpilze, Pyrenomyceten, s. Ascomyceten.

Kernrisse, s. Holz (Bd. 9, S. 305b).

Kerns, Dorf bei Sarnen (s. d.) in der Schweiz.

Kernschacht, s. Schachtofen.

Kernschatten, s. Schatten.

Kernschußweite, Visierschußweite, die Entfernung, auf der Geschoßbahn und Visierlinie sich zum zweitenmale schneiden, wo also Haltepunkt und Treffpunkt zusammenfallen. Der betreffende Schuß heißt Kernschuß oder Visierschuß.

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]