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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Koh-i-Baba; Kohärieren; Koháry; Kohäsion ; Kohēleth; Kohēn; Kohibieren; Kohinoor; Kohistan; Kohl

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Kohärieren - Kohl

Kohärieren (lat.), zusammenhaften, zusammenhängen; kohäsīv, Kohäsion (s. d.) äußernd oder bewirkend; Kohärénz, soviel wie Kohäsion.

Koháry, altes ungar. Adelsgeschlecht, dessen Spuren sich bis in das 12. Jahrh. verfolgen lassen, mit dem Stammhause Kohar in der Szalader Gespanschaft; die nachweisliche Stammreihe beginnt aber erst mit Emmerich 1561. Sein Sohn Peter erwarb 1616 den Freiherrenstand, dessen Sohn Wolfgang (geb. 1650, gest. 1704) 1685 den Grafentitel, und des letztern Urenkel, Franz Joseph, 1815 den österr. Fürstenstand. Nach dem bereits 27. Juni 1826 erfolgten Tode des Fürsten gingen dessen Besitzungen auf seinen Schwiegersohn, den Prinzen Ferdinand (s. d.) von Sachsen-Coburg-Gotha, über, der mit der Prinzessin Maria Antonie Gabriele von K. (geb. 1797, gest. 1862) verheiratet war und sich bisweilen auch Sachsen-Coburg-Koháry nannte. Doch wurde, da diese Form des Namens nicht rechtskräftig geworden war, 1867 auf Wunsch des Herzogs von Sachsen-Coburg der Name «Koháry» wieder abgelegt.

Kohäsion (lat.) oder Synaphie (grch., «Zusammenhaften»), die Kraft, vermöge deren die Teilchen eines festen oder auch flüssigen Körpers zusammenhaften. Luftförmige Körper zeigen keine K., bei flüssigen ist sie äußerst gering, und nur bei festen Körpern hat sie einen hohen Grad. Nach den Peripatetikern war die K. oder Härte eine «Qualität zweiter Ordnung» oder eine Folge der Trockenheit, die ihnen für eine «Qualität erster Ordnung» galt. Die Scholastiker schrieben sie einem «ursprünglichen Leime» oder kleinen Häkchen an den Atomen zu. Galilei wollte sie aus dem Abscheu der Natur vor dem leeren Raum (horror vacui), Cartesius aus der Ruhe der Atome, Leibniz aus deren schwingender Bewegung, Bernoulli aus dem Drucke der Luft oder des Äthers, Winkler aus dem Elementarfeuer oder der Elektricität, Ritter aus dem Magnetismus und Kant aus der allgemeinen Anziehung und Abstoßung erklären. Bestimmt man durch Versuche die Größe der Kraft, welche die K. der Trennung der Teilchen eines Körpers entgegensetzt, so nennt man die Belastung in Kilogrammen, die nötig ist, um ein Stück eines Stoffs von 1 qcm Querschnitt zu zerreißen, die absolute Festigkeit (s. d.) dieses Stoffs. Insofern die K. mehr oder weniger die Wiederherstellung der frühern Gestalt, nachdem diese durch äußere Kräfte verändert worden ist, bewirkt, heißt sie Elasticität (s. d.). Je nach der Art, wie durch die K. der Zusammenhang der Teilchen eines Stoffs erhalten wird, nennt man den Stoff weich oder hart, geschmeidig und elastisch oder spröde. Es giebt Stoffe, die je nach ihrer Behandlungsweise sehr verschiedene Kohäsionsverhältnisse zeigen, z. B. der Stahl durch das Härten (s. d.), sowie das Hartglas (s. Glas, Bd. 8, S. 42 b). Im allgemeinen wird die K. eines Körpers durch Erhitzen verringert, was man in der mechan. Technologie beim Schmieden und Gießen benutzt. In krystallinischen Körpern ist die K. der Teilchen im allgemeinen nach verschiedenen Richtungen gegen die Krystallachsen verschieden groß.

Kohēleth (hebr.; grch. Ekklesiastes, «Prediger»), Name eines dem König Salomo zugeschriebenen, zu den Hagiographa (s. d.) gezählten Buches des alttestamentlichen Kanons. Das Buch erörtert den Wert der Güter des menschlichen Lebens und die Möglichkeit und Wege, dieselben ohne Enttäuschung und ohne das Gesetz Gottes zu verletzen zu genießen, und so im Wechsel aller Dinge standzuhalten. Gegenüber den neuen Lehren von Auferstehung und Vergeltung nach dem Tode vertritt sein Verfasser den ältern jüd. Standpunkt. Bei der Ungewißheit aller menschlichen Dinge wird die Resignation als die einzige Lebensweisheit gepriesen: menschliches Streben und Hoffen ist eitel. Der Genuß der Güter des menschlichen Lebens und Reichtum haben keinen Bestand, das Streben nach Weisheit führt zu keinem befriedigenden Ziel. Die besten Kommentare schrieben Knobel (Lpz. 1836), Ewald (in «Die poet. Bücher des Alten Bundes», Bd. 4, Gött. 1837), Hitzig (Lpz. 1847; 2. Aufl. von Nowack, 1883) und Delitzsch (ebd. 1875).

Kohēn (hebr., «Priester», Mehrzahl Kohanīm), vielfach verderbt in Kahēn, Kahn, Kohn, Cohn, häufig vorkommender jüd. Familienname. – Über Kohēn hagadōl als Amtstitel s. Hoherpriester.

Koh-i-Baba (Kuhi-Baba), Gebirge in Afghanistan, das schneebedeckte Westende des Hindukusch, von diesem durch den Bamianpaß (Hadschidschak) getrennt. Die höchsten Felsgipfel erreichen 5143 m Höhe.

Kohibieren (lat.), zurückhalten, mäßigen.

Kohinoor oder Kohinur («Berg des Lichts»), Name eines großen Diamanten, s. Diamant (Bd. 5, S. 248 a) und Tafel: Diamanten, Fig. 9.

Kohistan, auch Kuh ist an (d. h. Gebirgsland), Name verschiedener Berglandschaften in Iran; besonders das abflußlose Gebiet im S. der pers. Provinz Chorassan.

Kohl, s. Brassica; römischer K., s. Beta.

Kohl, Joh. Georg, Reiseschriftsteller, geb. 28. April 1808 zu Bremen, widmete sich seit 1828 zu Göttingen, Heidelberg und München jurist. Studien und ging dann als Erzieher nach Kurland, wo er sechs Jahre verlebte. Nachdem K. Petersburg, Moskau und das südl. Rußland besucht hatte, lebte er zu Dresden, von wo aus er fast alle Länder Europas bereiste. Nachdem er seit 1854 vier Jahre in Nordamerika zugebracht hatte, ließ er sich in Bremen nieder, wo er 1863 Stadtbibliothekar wurde und 28. Okt. 1878 starb. Aus K.s Wanderungen gingen u. a. hervor die Reiseberichte über Österreich, die bayr. Hochlande, Großbritannien und Dänemark (1842‒46), über die Niederlande, über Istrien, Dalmatien und Montenegro und über das südöstl. Deutschland (1850‒52). Außerdem schrieb K.: «Der Verkehr und die Ansiedelungen der Menschen in ihrer Abhängigkeit von der Gestaltung der Erdoberfläche» (Dresd. 1841), «Aus meinen Hütten» (2 Bde., Lpz. 1850), «Der Rhein» (2 Bde., ebd. 1851), «Skizzen aus Natur und Völkerleben» (2 Tle., Dresd. 1851), «Die Donau» (Triest 1854), «Geschichte des Golfstroms und seiner Erforschung», «Reisen in Canada» (Stuttg. 1856), «Descriptive Catalogue of maps, relating to America mentioned in Hakluyt» (Washington 1857), «Reisen im Nordwesten der Vereinigten Staaten» (St. Louis 1858), «Kitschi Gami oder Erzählungen vom Obern See» (Brem. 1859), «Die beiden ältesten Generalkarten von Amerika 1527 und 1529» (Weim. 1860), «Geschichte der Entdeckung Amerikas» (Brem. 1861), «Nordwestdeutsche Skizzen» (ebd. 1864), «Deutsche Volksbilder und Naturansichten aus dem Harz» (Hannov. 1866), «Am Wege, Blick in Gemüt und Welt» (Brem. 1866; Neue Folge 1874), «Entdeckungsgeschichte der Küsten der Vereinigten Staaten», «History of the discovery of the East Coast of North America particu- ^[folgende Seite]

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